Liebe geht durch den Magen und nicht durch’s Internet oder „Spotted:“ Lieber nicht

Das Internet bietet unendliche viele Informationen und doch sind wir alle ständig damit beschäftigt, nach irgendwas zu suchen. So langsam glaube ich, wir sind suchsüchtig, gesamtgesellschaftlich, oder zumindest gesamtjugendlich. Wer nicht weiß, wovon er sich ernähren soll, sucht Rezepte oder Diäten im Internet. Einen Modestil der zur Figur passt, sucht man dort genauso wie schicke Schnäppchen. Und nach der Liebe suchen ja sowieso alle, warum also nicht auf digitalen Pfaden. Doch das Hüpfseilchen zwischen Suchen und Stalken ist nicht einfach zu bewältigen. Darum bin ich skeptisch, was den Trend der neuen Facebook-Gruppen „Spotted“ an Universitäten angeht.

Auch in „Beziehungsstatus: Verliebt in facebook“ geht es um Figuren, die sich im realen Leben trafen und nun über das soziale Netzwerk zueinander finden wollen, ich habe mich also schon in literarischer Länge mit dem Thema befasst. Und nachdem immer mehr Googlesuchsüchtige mit der Frage „Wie Liebe Gestehen“ hier landen, erkenne ich einen Bedarf, dieses Thema tiefer zu behandeln…wäre ich nicht damit beschäftigt im Zitat „Wie Liebe Gestehen“ nach fehlenden Satzteilen zu suchen.

Aber Spotted: Universität zu Köln, nehmen wir doch mal meine liebste Universität, in der ich selbst Stunden, Tage, Wochen mit der Suche verbracht habe –meistens allerdings nach Raumnummern und weniger nach der großen Liebe, denn die musste ich nicht Suchen, die fiel mir irgendwann einfach angetrunken in die Arme – als Beispiel. Und kaum stelle ich mir das Szenario vor, das Spotted anregt, sucht mich meine Paranoia heim. Da sieht mich also jemand, der mich mag in einer Vorlesung und statt sich in den nächsten Woche einfach mal neben mich zu setzen, Schokoladen dabei zu haben und sie mir anzubieten (Ein Tipp der Facebook-Liebesgeschichten-Autorin-aka-Expertin-für-so-Sachen: Schokolade anbieten funktioniert in 10 von 10 Fällen, sofern man auf allergieneutrale setzt… Schokolade schenken deute ich als Liebesgeständnis! Selbst dann wenn du mich gar nicht magst und mir nur Schokolade gibst, damit ich endlich die Klappe halte. Schokolade = du magst mich!! Und ich mag Schokolade. Welch süßes Zuneigungs-Bermuda-Dreieck.), guckt er mich nicht an, sondern tippt auf seinem Computer oder Smartphone eine Nachricht, die dann die Jungs und/oder Mädels von Spotted anonym auf ihre Facebook-Seite stellen, in der steht: „An die Blondine, mit der lila Jacke, die drei Reihen vor mir sitzt. Bitte melde dich mal bei mir“ … Entdeckt noch jemand den Fehler oder finde nur ich das ausgesprochen dämlich? Seit wann schickt der Prophet dem Berg eine anonyme Facebook-Nachricht, damit sich eine Kontinentalplattenverschiebung in Gang setzt, die die beiden zusammenführt?

Auch in anderen Szenarien, kann ich Spotted nichts abgewinnen. Wenn es eben nicht die Uni ist, wenn man sich nur EINMAL begegnete und dann nie wieder über den Weg lief bisher, dann könnte sie ja eine Nachricht an Spotted schicken und dann könnte er das lesen und dann könnten die Beiden zusammen finden und dann und dann und dann und dann werden sie glücklich bis ans Ende aller Tage. Klingt das nicht romantisch? Nope. Tut es nicht. Kein Stück. Unrealistisch? Hochgradig! Aber Romantisch? Nein. Neinneinneinnein…

Vielleicht bin ich da auch persönlich vorbelastet, weil ich immer wieder merken muss, wie Facebook und Co. von mir-unbekannten Personen dazu missbraucht werden, explizite, nichtliebe und auch-nicht-lieb-gemeinte Nachrichten an mich zu schicken… Nachrichten, die ich der Kategorie „verbal-sexuelle Belästigung“ zuordne. Hinter dem Schleier der Anonymität wird im Netz mehr Böses als Gutes getrieben, zumindest nach meinen Erfahrungen.

Sucht nicht nach der Liebe im Internet, sucht euch lieber ein Hobby, bei dem ihr Menschen in der Realität kennen lernt.

2 Gedanken zu “Liebe geht durch den Magen und nicht durch’s Internet oder „Spotted:“ Lieber nicht

  1. Wirklich schade, dass sich die Leute selbst in Beziehungsfragen gerne im anonymen Netz verstehecken und dort auf die große Liebe warten – und wo bleibt das Prickeln? Ich geb dir Recht: hochgradig unromantisch.

  2. Hab dem Thema auch schon zwei Blogeinträge gewidmet … Allerdings betrifft,s die Uni Wien. Bei meinem Beispiel hat wer lila Schuhe an, bei dir eine lila Jacke – was ist bloß mit der Farbe Lila los? 😉

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