Durchgepielt und durchgespült

Vielleicht funktioniert Social Media mit zu viel Privatsphäre nicht. Vielleicht sind meine Freunde und Freundinnen aber auch gar nicht verschwiegener geworden, sondern unspektakulärer. Oder abwesender. Oder beschäftigt mit wichtigen Dingen wie Masterarbeiten, Promotionen, Betreuung von Waisenkindern auf dem afrikanischen Kontinent, Arbeiten oder Urlaub machen. Vielleicht haben wir facebook und co. aber auch einfach durchgespielt. Und so aufgeräumt und ästhetisch Google+ auch wirkt, auch das finde ich im Moment nicht erhellend oder spannend genug, um mitzuspielen. Nachdem ich auf Twitter verfolgt habe, wie AOL erst die Huffington Post und dann TechCrunch aufgekauft hat und dann grundlegende personelle Änderungen vorzunehmen, um sicher zu stellen, dass die Nutzer weiter mit dem versorgt werden, was diese Seiten erfolgreich gemacht hat, ohne zu wissen was das eigentlich ist, aber man kann’s ja mal mit Werbung versuchen… Werbung passt immer noch irgendwo rein und das war’s doch, was den Nutzern sagt was sie wollen. So war’s beim Fernsehen doch auch und beim Iphone und schicken Autos und Leggins und Schulterpolstern. Wer hätte je gedacht, dass wir das alles man wollen würden. Aber man weiß vorher eben nicht, was man sich wünscht, bevor man es in der Werbung gesehen hat. Aber ohne den/die ein oder andere/n, der doch mal auf eine neue Idee kommt, steht das Konsumkarussell still. Und damit das Internet, das wie der Feuerwehrwagen auf dem Konsumkarussell zum Einsteigen einlädt. Warum das Internet der Feuerwehrwagen ist? Wegen der Sirene natürlich. Der Feuerwehrwagen auf’m Karussell gibt einem wenigstens das Gefühl man könne selbst was bewirken. Nämlich Licht an und aus machen und scheußliche Geräusche aus einem Horn erklingen lassen. Bei den anderen Sachen setzt man sich nur rein und lässt sich im Kreis rumschaukeln. So war das eben auch bei Radio und Fernsehen. Aber das Internet schien mehr zu bieten. Doch jetzt. Jetzt bekomme ich immer mehr das Gefühl, dass wir im Feuerwehrwagen Pony und Kutsche nie überholen werden, so sehr wir auch hupen. Es bricht eben nichts aus, sondern wiederholt sich nur alles. Google + wirbt damit, das du bieten was es eh schon getan hat: Gemeinschaftliches Arbeiten, Vernetzung, Auffinden von Dingen, aber jetzt halt zentral in Google+, statt vormals zentral in Google unter Texte, Maps, Email, und so weiter und so fort- und rückschreitend. Und auch bei facebook gibt’s lauter neue Einstellungsmöglichkeiten und Funktionen, aber eigentlich kennt man das doch alles schon irgendwoher. Ein bisschen ist das so, als hätte jemand den Hebel umgedreht und jetzt fährt das Karussell halt mal eine Runde rückwärts. Im ersten Moment scheint dann alles anders, aber man kommt schnell darauf, dass man das ja doch alles schon mal gesehen hat. Und in dieser Richtung wird einem vom Drehen noch schneller übel.

So zappe ich inzwischen ein bisschen im Internet rum, aber entdecke nichts wirklich Neues und beginne mich zu langweilen. Und wenn man sich erst mal langweilt, dann ist es kein großer Schritt mehr, bis man aussteigt, und sich was anderes sucht. Vielleicht mal die Achterbahn? In den Autoscooter? Oder doch ins Gruselkabinett? Aber auch alles nicht neu, nicht innovativ, alles schon mal durchgespielt.

Das wirklich Doofe daran, wenn man nicht gelernt hat selbst Wünsche zu entwickeln, sondern sich dafür an der Werbung orientierte, ist: Man wünscht sich nichts, aber ist auch nicht wunschlos glücklich. Oder sind wir nur zu abgedreht, um es zu merken?

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