Kulinarische Freizügigkeiten

Während sich das In-Fremde-Kühlschränke-gucken gerade von der Marginalie zum Trend mausert, dominiert eine anderen Bildkategorie seit langem die Kanäle sozialer Vernetzung: Fotos von Essen, kurz vor dem Verzehr. Wie Friends-Charakter Joey Tribbiani, so muss ich gestehen, bin ich kein(e) Freund(in) des Essenteilens, zumindest nicht auf facebook. Im Bistro immer gerne, wenn meine Gabel dafür auch auf andere Teller vorstoßen darf. Aber online hab ich’s noch nie gemacht. Denn das fotografische Essenteilen über facebook finde ich obskur. Und ich hasse es mit dem Essen warten zu müssen, wenn es erst mal vor mir steht. Vielleicht sind meine Gründe für die Trendverweigerung auch einfach nur Hunger und Ungeduld. Sollte ich’s also doch auch mal probieren?

Denn tatsächlich führen die Essenfotos auf facebook eine lange künstlerische Tradition fort. Schon im 17. Jahrhundert hatten Bilder von Essen (und Blümchen) ihre eigene Kunstkategorie: Das Stillleben. Van Beyeren malte um 1650 einen Humor mit Fruchtbeilage. Noch bevor van Gogh seine berühmten Sonnenblumen (1888) erschuf, pinselte er 1884 einen Topf mit Kartoffeln. Manet stand auf Fischgerichte und Cezanne schmiss Essen gern quer über den Tisch.

Die facebook-food-fotos sind also in berühmter Gesellschaft. Und schaffen vielleicht sogar noch Gemeinschaften. Vielleicht glaubt der Postende, er esse so nicht allein. Sieht man auf einem Profil Bilder von Essen, dann hat man die erste Gemeinsamkeit gefunden. Du isst, ich esse,…wollen wir nicht FreundInnen werden?

Ist es das?

Ganz überzeugt bin ich nicht. Wer fertig zubereitetes Essen postet, versucht doch, sich von der besten Seite zu zeigen, saftig und garniert. Oder nicht? So nett angerichtet isst man im Alltag doch nicht. Mein Misstrauen bleibt und ich halte am Blick in den Kühlschrank fest. Kalt und roh isst einfach ehrlicher. Ich bleibe dabei: Kein Futter für facebook.

Und eine Neuigkeit zum Desert: MEIN BUCH IST DA!!! So richtisch!! Das erste gedruckte Exemplar kam heut mit der Post. Falls ihr auch eins wollt, einfach bestellen und nicht vom „nicht lieferbar“-Quatsch abschrecken lassen.

Und Buecher.de hat es inzwischen auch…vielleicht sogar auch im Kühlschrank.

Käufliche Liebe…jetzt! echt! ohmannmannmannn…

Es ist da! Beziehungsstatus: Verliebt in facebook. Im Netz. Noch ohne Bild, aber das soll in den nächsten Tagen auch angezeigt werden. Das Buch. Bestellbar. Lieferbar. (Ja, bei Amazon steht es sei demnächst lieferbar, das liegt am book on demand. Wird eben gedruckt, sobald bestellt.) Lesbar!! Ein echtes, käufliches, lesbares Buch!!

Und zwar hier: Beziehungsstatus: Verliebt in facebook

Also alles palleti. Oder nicht? Nicht so richtig. Ich bin nervös, aufgeregt und noch nicht ganz fröhlich, weil’s irgendwie noch nicht real scheint. Vielleicht wird’s besser, wenn die von bod und Amazon das Bild dazu hochgeladen haben.

Aber vielleicht funktioniert auch Folgendes: Die These umdrehend, dass der Kühlschrank die Seele des Menschen wiederspiegelt, versuche ich jetzt mal, durch die Befüllung meines coolsten Teils in der Küche, für frohe Feierstimmung zu sorgen:

Unanständiger Anhang


Hardcore pornographische Literaturversprechen lassen Buchverkaufszahlen gerade mächtig anschwellen. Nun bin ich im Normalblogalltag ja wenig frivolitätsaffin, wie meine kleine Zensur von Schmutzworten zuletzt zeigen sollte. Aber Sex funktioniert als Anreiz, zum Kauf, zum Lesen und zum romantischen Mit-/Auf-/Unter-/Vor-/Hinter-/verdreht-mit-den-Beinen-angewinkelt-auf-dem-Kopf-im-einhändigen-Handstand*-einander.

So kommen zu den 50 Schatten des Herrn Grey gerade eifrig Fortsetzungen auf die Büchertische, von dort in die Haushalte und dann zurück ins Buchbusiness, auf die Bestsellerlisten. Ein Buch das sich förmlich hochschläft.
Sollte ich Verliebt in Facebook also auch um ein paar schmutzige Blicke durchs Schlüsselloch ergänzen, bevor ich es als Projekt bei startnext zum Gemeinschaftsverwirklichen frei gebe? Verglichen mit dem Crowdfunding-Akt, ist herkömmliches Bücherrausgeben nur Blümchensex. Bei Crowdfunding darf nämlich jede und jeder ran. Mit so viel Einsatz, wie man möchte. Und selbst purer Voyeurismus, Zugucken und so tun, als wüsste man nicht, was da vor sich geht, ist erlaubt. Denn alles ist erlaubt.

Damit wären erste schmutzige Nuancen gegeben. Doch zupfe ich auch am Manuskript herum und frage mich, ob es hier nicht offenherziger sein darf und ich dort ein wenig weniger Andeutungen und dafür mehr Blöße geben sollte.
Es ist ja nicht so, dass ich dafür pornotypische handlungsirrelevante Szenen konstruieren müsste, im Stile von: Warum liegt denn hier ein Handy? Oh es hat eine Kamera. Dann lass uns doch nen Sexfilm drehen!

In Verliebt in Facebook geht es um Annäherungen, Sehnsüchte, körperliches Verlangen und zwei Figuren vögeln sowieso mitten im Raum bei einer Party rum, mit körperverletzenden und tierschutzalamierungsnötigen Folgen. Mehr Details normal-menschlichen Verhaltenszüge sind also probat. Mehr Porno für mehr personality meiner Personen? Zwar bin ich keine Anhängerin des Sex-Sells-Determinismus, aber es geht eben doch um Liebe und so dann doch auch um Sexualitäten. Ich werde also wohl doch nochmal ran müssen, bevor wir mit dem gemeinsamen Crowdfucking, pardon CrowdFUNDING beginnen können.

*nicht annähernd so komplex wie es klingt, solange einer der Involvierten Erfahrungen als Zirkusartist vorweisen kann. Sobald die Füße nach oben zeigen, ist es wie Radfahren. Soll heißen, ganz easy…ihr solltet nicht wirklich Radfahr-bewegungen machen. Das wäre seltsam. Die kommen im Bett nie gut an.

Leseprobe als leckeres Häppchen

Es birgt gewisse Gefahren, Dinge aus dem Ofen zu nehmen, bevor sie fertig sind und ein Stück abzubrechen, um vorab zu probieren. Dennoch wage ich es und gebe eine kleine Leseprobe meines Büchleins in the making (bzw. in the baking) heraus, um zu sehen, ob’s euch schmeckt. Ich hoffe sehr, dass dadurch nicht alles zusammen bricht und ich komplett von vorne beginnen muss. Dafür hätte ich auf die Schnelle gar keine Zutaten im Haus. Aber damit klar ist, was hier probiert wird, gibt’s erst mal einen kurzen Blick ins Rezept:

Arbeitstitel: Beziehungstatus: Verliebt in Facebook

Speiseart: Unterhaltungssüppchen mit Einlage (Blogähnliche Bällchen)

Zutaten: Fiktive, handelnde Frauen und Männer zwischen 15 und 30 Jahren, mit virtuell-verbundenen Lebenswelten, hybride Erzählformen (Emails, Chat-Protokolle, Tagebuchähnliches, Geschichten aus er omnipräsenten Erzählperspektive, die gute alte Ich-Perspektive)

Das Ganze köchelt aktuell noch auf kleiner Flamme und wird noch einige Wochen brauchen, bis es servierfertig ist. Über die Anmeldung bekommt ihr nicht nur das Probekapitel, sondern nun auch regelmäßig Infos zum Voranschreiten des Projekts, kleine Grüße aus der Küche, Amuse Gueules.

Das geht natürlich alles auf’s Haus. Email-Adresse eintragen, Bestätigen und schon sind die Leckereien unterwegs:

Anklicken und Eintragen

PS: Hier und da fehlt im Probehappen natürlich noch ein Komma oder ein Punkt. Für die Garnierung wird schließlich aber gesorgt werden. Versprochen.