Kellner! Noch ne Runde!

I just don’t know what to do with myself singen die White Stripes und Kate Moss schwingt sich dabei, zu 5% bekleidet, um eine Metallstange. Was lernen wir daraus? Wenn’s keine Karriereleiter zum Erklimmen gibt, versucht man’s über den Feuerausgang? Lieber an der Stange tanzen, statt einen Job mit Stock im Hintern? Sex sells nicht nur, sondern beschäftigt auch?
Zu 95% angezogen (Weihnachten ist Winter, auch wenn’s 10 Grad draußen hat, da braucht es Schal und dicke Socken!), muss ich mich derzeit fragen, was ich eigentlich mit mir und meinem Leben anfangen möchte. Auch ohne Stange ist mir dabei irgendwie schwindelig. Mein Studium ist mit der Trennung von Matthew (alias der Abgabe meiner Masterarbeit) abgeschlossen. In den nächsten Tagen/Wochen sollte ein Brief mit Zeugnis und Urkunde in der Post sein. Und dann kann ich auch endlich eine sinnvolle Antwort geben, wenn man mich fragt, was man mit einem Master of Arts in North American Studies so macht. Nämlich folgendes: Man hängt ihn sich an die Wand. Genau wie zuvor den koketten, aber komplexen Titel Bachelor of Arts in Medienwissenschaft und Anglistik/Amerikanistik. Und dann?

Dann beschließt man, dass da noch Platz ist an der Wand und recherchiert Promotionsthemen und -projekte. Wegen dem Bohrloch, dass da an der Wand noch verdeckt werden muss. Um noch einen der letzten verfügbaren akademischen deutschen und drum bedeutungsvollen Titel an der Wand hängen zu haben. Und selbstredend um den Wert des Doktorgrades post-Gutenberg zu rehabilitieren. Eine muss es ja machen.

Aber worüber wissenschafteln? Da ich das ja so nebenbei mache, neben dem Geldverdienen mit Geschreibsel zu Werbezwecken (Anfrage bitte direkt an info@brand-satz.de), damit ich, wenn ich mal nichts mit mir anzufangen habe, nicht anfange nackich um irgendwelche Stangen zu tanzen, habe ich die Qual der Wahl. Ach was. Das Elend der Wahl! Die Folter! Die Plage! Womit soll ich meinen Leidensweg pflastern? Was Amerikanistisches? Was Medienwissenschaftliches? Was Netzkultures? Was mit all dem drin? So eine Art Überraschungsei unter den Dissertationen?

Ich dreh mich noch ein bisschen, bis die Übelkeit die Verzweiflung überwiegt…

Kann ja wohl nicht wahr sein…

… meine Universität bietet zum neuen Semester doch tatsächlich einen Workshop zum Thema ‚Prokrastination‘ an. Da sonnt sich jemand in MEINEM (!!!) Ruhm. Unfassbar. Und keiner hat mich vorher mal gefragt, was ich dazu sage, oder ob ich nicht vielleicht was beitragen möchte. So als Expertin der Expertinnen. Ja, ja, typisch. Naja, vielleicht wollten sie mich einladen und waren dann durch irgendwas abgelenkt.

Ob es helfen würde, wenn ich zur Kummerbewältigung über diesen „Vorfall“ ein Humor-Training belege? Der Kommentartext verspricht eine Einführung in die Welt des Lachens. Wenn da meine Allergien nur nicht wären. Neben allerlei Nahrungsmitteln, vertrage ich nämlich leider auch keine „Witzigkeit“. Treffe ich unvermittelt auf betonte Albernheit schüttet mein Körper leider ein Hormon aus, dass dazu führt, dass sich meine linke Augenbraue nach oben wölbt, mein Magen damit beginnt unverhältnismäßig viel Säure zu produzieren, die langsam aber stetig meine Speiseröhre hinaufsteigt und ich einen spontanen, dem Tourett-Syndrom nicht unähnlichen, Anfall erleide. Das kam im letzten Semester schon einmal vor, als ein Dozent den Fehler beging am ersten Montag(!!! – Wir erinnern uns, das Kainsmal im Kalender, etc. pp.) im Semester (Montag + Semesterbeginn = Box me up and ship me home) mit einem breiten Grinsen in den Seminarraum gehüpft kam. Liebe Dozenten, Uni ist nicht Kindergarten. Wir mögen vielleicht ‚freiwillig‘ hier sein, aber nicht zum Spaß. Und schon gar nicht für „Späßchen“.

Ein Gutes hatte diese Erfahrung aber dann doch. Ich habe erfahren, dass ich nicht die Einzige bin, die an dieser, wie mir nun klar ist garnicht seltenen Krankheit, leidet. Falls sich noch jemand der „Der-Spaß-muss-ein-Ende-haben-Selbsthilfegruppe“(DSMEEHS) anschließen möchte, ist er/sie herzlich willkommen. Inzwischen sind wir groß genug, um die Aufmerksamkeit namhafter Pharmaunternehmen auf unser Problem zu richten:

Gemeinsam schaffen wir es den Humor zu besiegen!

PS: T-Shirts mit dem Aufdruck „Schießt die Spaßvögel ab!“ sind in Arbeit. Ernsthaft! Demnächst hier, in Farbe, zum bestellen, und anziehen. Ja, wirklich!

PPS: Apropos, Shirts. Am nächsten ZuK-Montag geht’s um Bambi-und Mickey-Maus-superman-T-Shirts. Über Anregungen und Fallbeispiele aus dem „ächten“ Leben freu ich mich.

Obligatorisch, aber obsolet

Der Countdown bis zur Prüfung läuft, noch sechs Tage bis zum Tag X. Und ich zweifle grade an meinen Fähigkeiten. Nicht an meinen kognitiven, nein, nein, ich werde schon was halbwegs schlüssiges, themenverwandtes zu Papier bringen. Das ist es nicht. Es ist viel mehr, das Papier selbst, vor dem meine Angst wächst. Denn gerade wurde mir bewusst, dass ich gezwungen sein werde 4 Stunden lang mit Zettel und Stift zu arbeiten. Und sonst nichts! Mal davon abgesehen, dass ich für gewöhnlich nur während meiner REM-Schlaf-Phase mal für eine so lange Zeit „offline“ bin – und auch dann Träume ich nicht selten davon Emails zu schreiben oder über Facebook zu kommunizieren. Ja traurig, aber wahr: In habe neulich in Form ihrer Profilbildchen von meinen Freunden geträumt. Das ist vielleicht der Moment, an dem ich mir eingestehen sollte, dass ich ein Problem habe. Tja, tu ich aber nicht. Denn ich habe ganz andere Probleme, viel größere! Nämlich neben der Tatsache, dass vier Stunden eine Ewigkeit sind, der Fakt, dass meine motorischen Fähigkeiten mit Zettel und Stift umzugehen in den letzten Jahren völlig verkümmert sind. Meine schon früher „saumäßig unleserliche Handschrift“(Zitat unter einer Klassenarbeit in der Oberstufe) ist inzwischen zu Hieroglyphen einer vermutlich nichtterrestrischen Spezies verkommen. Ich tippe mindestens doppelt so schnell, wie ich per Hand schreibe (und viermal so schnell wie ich denke). Darum befürchte ich nicht nur, dass die Endlosigkeit von vier Stunden dann letztlich doch nicht ausreichen wird, sondern noch viel mehr, dass ich schon nach wenigen Minuten mit Krampfanfällen in Hand und Arm zusammenbrechen werde.

Ich habe aus diesem Grund überlegt, ob es sinnvoll wäre, in den nächsten Tagen ein bisschen analog-schreiben zu üben. So als kleines back-to-the-roots-Abenteuer. Soll ich das Risiko eingehen? Schließlich besteht die Gefahr, dass ich dann schon vorher ernsthafte Verletzung erleide und ich während der Prüfung gar nicht schreiben kann. Andererseits läuft man auch nicht mal eben so einen Marathon.

Wie kann es überhaupt sein, dass ich im Jahr 2011 gezwungen bin mit solch mittelalterlichen Methoden wie Zettel und Stift arbeiten zu müssen? Nicht einmal der Typ, der die Bücher, die im Mittelpunkt meine Prüfung stehen,  geschrieben hat, hat noch so gearbeitet! Wieso wird mir das dann zugemutet? Im Jahr 2011. Zweitausendundelf!!! Es gibt Science-Fiction-Romane über diese Zeit, denen zu Folge wir jetzt eigentlich schon längst den Mars besiedeln, in Glasglockenwelten unter dem Meer leben und uns in Schwebefahrzeugen von A nach B bewegen! 2011! Das neue Jahrtausend! Das Post-Millennium! Und ich soll nur mit Zettel und Stift auskommen. Mannmannmann. Kein Wunder, dass die andere Hälfte der Science-Fiction-Literatur beschreibt, wie die Menschheit als Sklaven einer höher entwickelten Art endet, und letzte schreiben garantiert keine vierstündigen Klausuren mit Zettel und Stift!

Naja, ein kleiner Trost bleibt. Der arme Mensch, der mein Werk später entschlüsseln muss, wird die Fortschrittlichkeitsverweigerung der Universität ebenfalls verfluchen. Da bin ich mir sicher.

Prokrastination – Meine Top 10 Liste

10. Äufraumen, Putzen, Bügeln, Wäschewaschen, Geschirrspülen, Fensterputzen, Staubwischen…

9. Bücher sortieren! One of my favorites! Denn ganz am Anfang steht die Frage: Wonach? Nach Autorenname, Buchtitel, Themengebiet, Farbe, Grund der Anschaffung (business or pleasure),Emotionaler Status des Buchkaufes? Nach Kategorien wie: Gelesen, nicht gelesen, werde ich ganz bald lesen (ja bestimmt, definitiv. Ganz bald! Ganz ganz bald! Bald. Sicher. Irgendwann. Vielleicht. Vielleicht nie. Vermutlich nie. Nein, niemals. Ich geb’s zu. Aber hey, wenn das Bücherverbrennen wieder hip ist, bin ich vorbereitet!), Bücher die ich mal verschenken wollte und dann vergessen hat zu verschenken bzw. für die es keinen Grund mehr gab sie zu verschenken, Bücher die ich zum Teil gelesen hab (, was uns zu Kategorien bringt wie: halbgelesen, viertelgelesen, sechszehntelgelesen, den ersten und den letzten Satz gelesen – hat gereicht für die Klausur! Ha!). Natürlich könnte ich sie auch nach Größe sortieren. Aufsteigend und Absteigend, nach Aktualität, oder danach wie sie auf Besucher wirken. Das wären Bücher die Intellekt (Dostojewski), Attraktivität (Anleitungen zum Surfen), Genußmenschsein (Kochbücher) und natürlich Cosmopoliten-Dasein (Bücher in verschiedenen Sprachen und Reiseführer zu exotischen Orten) signalisieren.

8. To Do Listen erstellen. Ebenfalls eine Aktivität die unzählige Möglichkeiten kreativ zu werden offeriert und die Fähigkeit zum komplexem Denken schult. Es fängt an bei der Wahl des Papiers (Post-It, Schmierblatt, farbiges Papier, rausgerissene Seite aus einem der Bücher, die man sowieso nie, NIE, lesen wird) und des Schreibwerkes (mehrere Farben benutzen? Zusätzlich Textmarker verwenden?), aber hat weit-, weit-, WEITreichende Folgen. Es lässt die To-Do-Listen-Autorin ihre Prioritäten und damit ihr gesamtes vergangenes, jetziges und zukünftiges Dasein überdenken. Weswegen es immer ratsam ist wasserfesten Mascara zu tragen, wenn man sich an eine solch enthüllende Abhandlung der eigenen Existenz traut.

7. Einkaufen. Zum Beispiel wasserfesten Mascara und Dinge, deren Auswahl, Anprobe und Kauf viel Zeit in Anspruch nehmen, also zum Beispiel die „perfekte Jeans“. (Unter uns, ich glaube ja, dass die „perfekte Jeans“ ein Mythos der Werbeindustrie ist. Von allen Textilarten ist Jeans-Stoff die, die sich nun wirklich am wenigstens an die Körperformen der Trägerin anpasst.)

6. Soziale Kontakte pflegen. Mit Freunden darüber sinnieren, was man alles mal tun müsste, welche Bücher man kaufen/lesen/umsortieren sollte, wie sinnvoll wasserfester Mascara ist, dass man neulich die fast-perfekte Jeans gesehen hat, dass man gleich, sofort nach dem nächsten Kaffee anfängt. Und zwar damit, sich eine ordentliche To-Do-Liste zu schreiben. Gleich nachdem man endlich das Bad geputzt hat.

5. Verköstigungstätigkeiten. Prokrastinieren ist kräftezerrend und darum in jeder Hinsicht anstrengend. Körper und Geist brauchen Energie. Also überlegen, welches die beste Nahrung im aktuellen Zustand ist, dabei aktuelle Angebote, Saisonale Gegebenheiten, preisliche und kalorische Aspekte abwägen. Es folgen Aufraffen und Einkaufengehen. Anschließend Lebensmittel reinigen und zubereiten, um sie schließlich zu verspeisen. Die Prozedur hat selbstverständlich für Chaos gesorgt, dem Nemesis der Produktivität. Also erst einmal Geschirrspülen, Aufräumen, Wischen und so weiter. Gelegentlich folgt auch die Notwendigkeit wasserfesten Mascaras, weil durch das Verspeisen des 5-Gänge-Menüs für eigentlich vier Personen (Ich hab’s genau nach Rezept gemacht, das war nunmal für vier!) die Angst aufkeimt NIEMALS in die perfekte Jeans zu passen. Nicht weil es sie nicht gibt, sondern wegen der eigenen Maßlosigkeit in Gegenwart von Lebensmitteln.

4. Sport treiben. Wie sagt die weise Frau im Teleshopping, die versucht ein Kardiogerät zu verkaufen, dass in keiner, aber auch wirklich keiner Weise eine natürliche menschliche Bewegung nachahmt: „In einem gesunden Körper lebt ein gesunder Geist.“ Also auf zum Sport. Das verbrennt die Kalorien dies Fünf-Gänge-Menüs für vier, lässt wieder von der perfekten Jeans träumen und erlaubt zugleich das pflegen sozialer Kontakte. „Machen Sie mit einem Partner Sport. Motivieren sie sich gegenseitig,“ empfiehlt die Dame aus dem Teleshopping nämlich. Und wer würde ihr nicht trauen?

3. Arbeiten. Man suche sich einen schlechtbezahlten, aber zeitraubenden Nebenjob, oder wahlweise ein unbezahltes Praktikum. Mal ehrlich, gibt es eine bessere Ausrede nicht zu arbeiten, als die, dass man arbeiten muss? Prokrastinieren heißt ja eben genau DAS nicht zu tun, was man tun muss. Alles andere ist erlaubt.

2. Wohltätiges Arbeiten, z.B. in dem man statt der eigenen Masterarbeit die Masterarbeit/Diplomarbeit/Magisterarbeit/Dissertation für einen guten Freund/eine gute Freundin schreibt. Oder sich als Ghostwriter für die Autobiographie eines Medien- oder Politstars/-sternchens betätigt. Auch Hybridformen zwischen beiden Tätigkeiten sind möglich. (Bei Interesse bitte melden. Aufträge werden prüfungs- und masterthesisbedingt voraussichtlich noch bis Ende August angenommen.)

1. 10 Listen über Prokrastination LESEN. Ja, liebe Leserin, lieber Leser, du bist angesprochen. DU! Krieg endlich den Arsch hoch!