Unanständiger Anhang


Hardcore pornographische Literaturversprechen lassen Buchverkaufszahlen gerade mächtig anschwellen. Nun bin ich im Normalblogalltag ja wenig frivolitätsaffin, wie meine kleine Zensur von Schmutzworten zuletzt zeigen sollte. Aber Sex funktioniert als Anreiz, zum Kauf, zum Lesen und zum romantischen Mit-/Auf-/Unter-/Vor-/Hinter-/verdreht-mit-den-Beinen-angewinkelt-auf-dem-Kopf-im-einhändigen-Handstand*-einander.

So kommen zu den 50 Schatten des Herrn Grey gerade eifrig Fortsetzungen auf die Büchertische, von dort in die Haushalte und dann zurück ins Buchbusiness, auf die Bestsellerlisten. Ein Buch das sich förmlich hochschläft.
Sollte ich Verliebt in Facebook also auch um ein paar schmutzige Blicke durchs Schlüsselloch ergänzen, bevor ich es als Projekt bei startnext zum Gemeinschaftsverwirklichen frei gebe? Verglichen mit dem Crowdfunding-Akt, ist herkömmliches Bücherrausgeben nur Blümchensex. Bei Crowdfunding darf nämlich jede und jeder ran. Mit so viel Einsatz, wie man möchte. Und selbst purer Voyeurismus, Zugucken und so tun, als wüsste man nicht, was da vor sich geht, ist erlaubt. Denn alles ist erlaubt.

Damit wären erste schmutzige Nuancen gegeben. Doch zupfe ich auch am Manuskript herum und frage mich, ob es hier nicht offenherziger sein darf und ich dort ein wenig weniger Andeutungen und dafür mehr Blöße geben sollte.
Es ist ja nicht so, dass ich dafür pornotypische handlungsirrelevante Szenen konstruieren müsste, im Stile von: Warum liegt denn hier ein Handy? Oh es hat eine Kamera. Dann lass uns doch nen Sexfilm drehen!

In Verliebt in Facebook geht es um Annäherungen, Sehnsüchte, körperliches Verlangen und zwei Figuren vögeln sowieso mitten im Raum bei einer Party rum, mit körperverletzenden und tierschutzalamierungsnötigen Folgen. Mehr Details normal-menschlichen Verhaltenszüge sind also probat. Mehr Porno für mehr personality meiner Personen? Zwar bin ich keine Anhängerin des Sex-Sells-Determinismus, aber es geht eben doch um Liebe und so dann doch auch um Sexualitäten. Ich werde also wohl doch nochmal ran müssen, bevor wir mit dem gemeinsamen Crowdfucking, pardon CrowdFUNDING beginnen können.

*nicht annähernd so komplex wie es klingt, solange einer der Involvierten Erfahrungen als Zirkusartist vorweisen kann. Sobald die Füße nach oben zeigen, ist es wie Radfahren. Soll heißen, ganz easy…ihr solltet nicht wirklich Radfahr-bewegungen machen. Das wäre seltsam. Die kommen im Bett nie gut an.

Post-It als Verhütungsmittel

Facebook hat es tatsächlich getan. Nun will es auch in die letzte schmutzige Ecke meiner Privatsphäre. Und darum klebt jetzt ein Post-It über der Kamera an meinem Laptop.

Ich weiß, dass das Unternehmen verzweifelt ist. Nicht nur wegen der Konkurrenz durch Google+. Es gibt genügend Menschen die loyal faul genug sind, nicht zu wechseln. Und noch ist Google+ nicht publik. Nein, facebook wird nervös, weil das Geld der ersten Investorenrunde so langsam aufgebraucht ist und man, um in der zweiten Runde mehr als nur einen ‚geschätzten Wert‘ von 836 Millionen Dollar (beim derzeitigen Kurs immerhin noch Rund 584 Millionen Euro) vorweisen muss. Aber weil noch immer keiner rausgefunden hat, wie man im Internet nun tatsächlich Geld verdient, pusten alle weiter Seifenblasen. Im Grunde will der soziale Dienst seine Nutzer ja nur glücklich machen, und noch glücklicher und noch glücklicher, mit immer neuen Spielen, Freunden und Features, um von anderen Menschen Geld zu bekommen, indem sie denen erzählen, dass glückliche Klicker auch glückliche Konsumenten sind. Denn tatsächlich Geld für eine Dienstleistung im Netz zu kriegen, ist die Königsdisziplin in dieser Welt. Und so richtig die beherrscht bisher keiner. Zumindest nicht mehr.

Denn vor langer Zeit, in einem lang vergessenen Internet gab es so etwas einmal. Bevor Social Media der am häufigsten genutzte Dienst im Netz wurde, regierte hier die Pornoindustrie. Und das zu Anfang noch profitabel. Sex Sold and Sells. Past tense, present tense und aber in der Zukunft? Wobei wir wieder bei der Facebook und dem Post-It an meinem Computer wären. Irgendwann kommen nämlich fast alle Unternehmer im Netz auf diese Schiene zurück. Frei nach Field of Dreams glauben alle: Errichte eine Schnittmenge deines Dienstes zu nackter Haut und Versprechungen von Liebe und Leidenschaft und die Nutzer werden kommen –(Pun intended or not. Der Rezipient arbeitet immer an der Nachricht mit, also tun wir mal so, als wäre das nur eure schmutzige Phantasie, die „kommen“ als „kommen“ liest). Chatroulette zog deswegen Massen an, weil alle darauf warteten (schockiert!!!) mit einem nackten Gegenüber konfrontiert zu werden, nicht weil es ganz nett wäre, sich face-to-face zu unterhalten. Das ging vorher schon im Internet, via Skype und hunderten anderen Messengern mit Video. Aus diesem Grund ist es auch keine technologische Innovation, dass nun Facebook mit einem Video-Chat daher kommt. Die Erweiterung ist keine Erfindung des Feuers, sondern der Versuch den sozialen Service heißer zu machen. Ins Gesicht und die Wohnung des Gesprächspartners blicken zu können verspricht Intimität und im Kontext von Facebook liegt hierhin die Innovation. Aber wie ich schon via Skype nur äußerst exklusive mit den wenigen Menschen interagiere, die meine Wohnung auch real bereits betreten haben, werde ich auch zumeist auf Facebooks Video-Chat verzichten. Und darum klebe ich nun, wenn immer ich mich einlogge, ein Post-It als Verhütungsmittel über die Kamera. Manch einer mag behaupten, die Kamera zu deaktivieren genüge auch, aber diese Menschen halten auch an den Koitus Interruptus für sicher. Darum kaufe ich mir später lieber noch ein Packung Klebezettel, in vielen hübschen Farben und Formen.