April, April … und jetzt verpiss dich, du Scherzkeks!

Es gibt viele Feiertage, die ich mag. Sehr sogar. Da wäre der „Male ein Bild von einem Vogel“-Tag (08.04.) oder der „Weine nicht wegen verschütteter Milch“-Tag (11.02.) und ganz besonders gerne mag ich den „Dankbar für Elefanten-Tag“ (22.09). Aber der 1. April, nein danke! Es ist einfach nicht witzig. An keinem anderen Tag des Jahres werden auf facebook so viele Schwangerschaften verkündet, wie heute. Und gerade DIESER Witz hat seinen Humor längst abgenutzt. Der 1. April ist einfach nicht lustig. Aber fangen wir bei der Grundproblematik an: Um am Ende des Tages „April, April“ rufen zu können, wird entweder etwas Furchtbares behauptet, dass dann als Scherz entlarvt wird oder etwas Gutes, dass dann doch nicht passiert ist. Egal wie man’s macht, letztlich ist es einfach nur blöd. Was wahr und was gelogen ist, ist an diesem Tag ausgeschaltet. Aber ohne Beispiel keine Beweisführung, also spulen wir mal kurz zurück in der Weltgeschichte: 1998 hat die Babil Zeitung unter der „Leitung“ von Saddam Hussein seinen Leserinnen und Lesern verkündet, Präsident Clinton hätte beschlossen die gegen den Irak erhobenen Sanktionen aufzuheben. Freude hier, Freude da und dann kam das „April, April“. Super. Im Folgejahr wurden dem Irakischen Volk Schokolade und Pepsi versprochen. Bekommen haben Sie aber nur ein diktatorisches Lachen. Über Schokolade macht man keine Scherze!!! Ähnlich freundlich war der Aprilscherz einer rumänischen Zeitung, die verkündete, dass Inhaftierte eines Gefängnisses freigelassen würden. Freude auf der einen Seite der Mauer und auf der anderen und dann wieder „April, April“ und alle blieben, wo sie waren. Das. Ist. Furchtbar. Und dennoch muss ich schmunzeln, wenn ich diese Dinge lesen. Verdammt. Der April-Fluch hat mich auch erwischt. Okay, als Außenstehende, als Zuschauerin auf das Elend und Übel der Welt, huscht schon mal ein Kichern über die eigene Gesichtsmuskulatur. Aber wenn dann wieder jemand zum 1. April verkündet, er oder sie sei schwanger….Moment mal, er??? Och bitte, ein bisschen mehr Kreativität darf an diesem Feiertag dann doch sein. Halten wir einfach fest: Wenn man weniger lustig ist als Saddam Hussein, dann sollte man das mit dem 1.April lassen.

SKANDAL (!!!) im Reitstall

SKANDAL (!!!) im Reitstall

Der Pistollon hat einen ganz wunderbar satirisch, hinreißend unterhaltsamen Artikel mit Titel „Menschenfleisch auf Pferden entdeckt“ veröffentlich, auf den ich UNBEDINGT aufmerksam machen muss! Menschenfleisch auf Pferden? Gibt es denn nirgends mehr Kontrollen? Wie kann sowas nur passieren? … Es wird wirklich immer schlimmer, ich bin schockiert bis ins Unendliche! Vielen Dank für diesen Aufklärungsjournalismus! 

Am besten ihr klickt HIER !!!!!! und lest selbst…. aber Warnung! Es ist erschütternd!

Wo waren Sie am 20.04.2012? Oder einem anderen beliebigen Tag des Jahres?

Immerabgelenkt_2012

Ich bin meiner Zeit voraus. Schon wieder. Denn während ich nach Vorsätzen für das nächste, das neue, das bessere Jahr suche, glotz das gesamtdeutschdigitale Medienpanorama in den Rückspiegel. Jahresrückblick ist das Buzzwort dieser Tage. Das gefällt Verdrängern wie mir überhaupt nicht. Nicht mal ewige Genies, aus vergangenen Tagen, befassten sich mit dem Blick nach Hinten. „Ich beschäftige mich nicht mit dem, was getan worden ist. Mich interessiert, was getan werden muss.“ sagte beispielsweise Marie Curie. Soll sie gesagt haben. Viel wahrscheinlicher ist das sie so was sagte wie: „Pierre, Schatz, reich mir mal das leuchtende Zeug da!“

Denn das ist das Problem mit der Historie. Sie ist, letztlich, dann eben doch nur irgendjemandes subjektiver 90minütiger Pseudo-Doku-Fernsehbeitrag mit Einspielern von Kommentaren unbekannter YXZ-Promis. Und so spannend 2012 dann auch wirklich gewesen sein mag, so entsetzlich langweilend wirkt es dann. Vielleicht machen die „traditionellen“ Medien (apropos, Tradition ist noch so ein Wort, dass Vergangenheit und endlose Monotonie synonymisiert) das auch damit wir uns auf das neue Jahr freuen. Damit wir hoffen, dass DANN alles ganz anders wird, bunter, unterhaltsamer, prominenter. Statt nun also weiter in den beschriebenen Rückspiegel zu starren und dabei in die, vor uns wie eine Betonwand stehende, Zukunft rasen, gucken wir aus dem Seitenfenster. Werfen einen flüchtigen Blick auf die vorbeiziehende Landschaft nichtlebensrelevanter Informationen und treten jetzt erst recht aufs Gas.

Oder habe ich in diesem Jahr bahnbrechendes verpasst oder verdrängt?

Update im Fall Florian Sommer

Ich wage mich auf neues Terrain. Immerenthülllungsjournalismus, könnte man das nennen. Oder zumindest Dieseinemalenthüllungsjournalismus. Denn anonyme Informanten, darunter die größte Plaudertasche ever, bekannt als „Google“, haben mir weitere Infos zum Fall „Wo ist der Sommer“ aka Klassensprecher der 3a zukommen lassen, die einige meiner Frage zu diesem Facebookphänomen beantworten, z.B. die Frage, wer als Konkurrenz für Florian Sommer im Wahlkampf um den Klassensprechertitel der Grundschule antritt. …Der da (leider kann ich wieder nur mit Links weiterführen…copyright und so…)

http://ask.fm/KlassensprecherGabriel

Auch dieser blonde Junge, der leicht mit Florian Sommer verwechselt werden könnte..sehr leicht…vielleicht zu leicht (??) möchten den Posten als politisches Sprachrohr an der Grundschule in nahe Wien werden. Moment, Wien? Ein Österreicher, mit einer ehrgeizigen Strategie zur Machtübernahme? Oh. Je. Oh. Je. Ähm..wie viele Follower hat das Kind nochmal in wenigen Wochen bekommen? Fünfstellig. Aha. … Ja, ich pack lieber schon mal.

…. Es hat auch einfach alles ein Revival….mannnmannnmannn

Wo ist der Sommer?

Noch vor zwei Tagen fragte ich mich, wer dieser Florian Sommer ist, das Kind, das bei facebook tausende Likes für seine politischen Ambitionen erntete. Zur Erreichung des Ziels Klassensprecher irgendeiner 3a zu werden, hatte er ein 1a-Beispiel für Social-Media-Hypisierung geliefert. Und ganz dieser Gattung gemäß hatte er nicht nur Fans um sich gescharrt, sondern auch gemein pöppelnde (a)sozial-mediale Nutzerschaften angezogen. Weil ich die Fanpage nun, da ich mir die Zeit nehmen wollte darüber zu bloggen, nicht mehr finden kann, muss ich auf einen Scrennshot via Link verweisen.

http://gtawc.net/index.php?page=Thread&threadID=38342

Ja, tatsächlich, klickt ruhig nochmal rüber auf das Bild. Und noch einmal

…ganz in Echt und wirklich, sah SO die Seite aus, über deren Funktion und Fake-ilität ich mir begründete Mutmaßung machte. Gab es dieses Kind wirklich und meinte der das Ernst? Handelte es sich vielleicht, um eine Guerilla-Werbeaktion für Haargel oder Businessherrenmode in Zwergengröße? Oder gar eine Initiative für mehr politisches Interesse bei jungen Wählerinnen und Wählern? Und vor allem, das fragte ich mich am allerallerallermeisten: Wie sah die Konkurrenz des Klassensprecher-Kandidaten aus und wohin müsste ich meinen Briefwahlantrag senden?

Doch noch bevor diese Wähleranliegen geklärt wurden, verschwand die Seite und reiht sich nun in die Hall of unsolved Mysteries of mankind ein, gleich neben der Geschichte vom heiligen Gral und der Frage, warum Männer immer allein auf’s Klo gehen.

Während Skully und Mulder schon mal bei Eduard Zimmermann im Jenseits anrufen, wage ich drei erste Thesen zum Verschwinden:

1. Die FTP hat dieses Highpotential abgeworben, ihm dann aber den facebook-Zugang gesperrt, weil dieses Internet und alles da drin ja gefährlich ist.

2. Florian Sommer hat sein Ziel erreicht, ist Klassensprecher der 3a geworden und überlässt seine Fans und Follower (aka das Volk) nun einer liberal-toleranten Selbstverwaltung (aka im Stich).

3. Das ganze war und ist die Fortsetzung von Kill Kony 2012. Ein Social-Media-Alien par excellence.

Ganz demokratisch könnt ihr gerne für 1, 2 oder 3 abstimmen. Vielleicht hat ja sogar jemand weiterführende Tipps!

Kein Treffer beim Spiel ‚Piraten versenken‘

Aus der Serie „Dinge von denen ich nie dachte, dass ich sie schreibe“:

Das passiert mir jetzt schon zum zweiten Mal. Dass sich ein Medium meine Sympathie verspielt. Dabei kann ich so treu sein, und mich der Leichtgläubigkeit in vollen Zügen hingeben, wenn man mir die Meinung denn charmant genug präsentiert. Und ich geb schlechter Berichterstattung auch meist noch Mitleidspunkte. Naja, da war kein Inhalt drin und neu war’s auch nicht, aber der Kommentator bei RTL 2 hat so ne sympathische Stimme, da kann ich nun nicht komplett Anti sein. Komme ne 3- geb ich ihm noch. Ja, so bin ich, liebe große Medien. Ihr müsst es schon richtig verkacken, damit ich mich abwende. Das erste Mal war’s die Cosmo und ich war knapp volljährig und post-pubertär prüde und las den Satz „Analsex ist der neue Blowjob“, als ich beschloss: Sechs. Setzen. Tschüss. Durchgefallen.

Heute ist es die Vice. Dabei sind die bisher selbst mit LSD-induzierten Artikeln bei mir durchgekommen. Aber ab heute nicht mehr. Denn ich wurde enttäuscht. Noch mehr als von den Sextipps der Cosmo, mit denen Frau angeblich unwiderstehlich, schlank und erfolgreich werden sollte. Denn da riet Johannes Niederhauser den Piraten: Löst euch auf. Zumindest im Titel. Das klang erst mal unterhaltsam und erfolgsversprechend, aber offenbarte sich dann als ähnlich am Thema-vorbei wie der Analsex-ist-der-neue-Blowjob-Artikel aus der Cosmo, in dem darum gehen sollte den Mann für’s Leben zu finden. Denn Niederhauser hat’s verkackt. Und das in dieser Situation. Mannmannmannn. Die Piraten, die doch eh schon tief am Boden liegen, schon halb beerdigt, ruhend im Nimmerland, da nochmal drauf zu hauen, ist nun nicht die allergrößte Herausforderung, der sich die Vice-Redaktion hätte stellen können. Niederhauser hätte nur die Lippen zusammenziehen und einmal draufspucken müssen. ABER….stattdessen…und als ich den Artikel las, machte ich eben jene Handfläche-zur-stirnführende-Bewegung, die man sonst von Fussball-live-Übertragungen kennt, er schießt ein Eigentor. Weil er anstatt auf einer beliebigen der vielen Verfehlungen der pseudo-politischen Schiffsregatta herumzutreten, die eine wählt (die EINE), die keine war. Nämlich, die Kritik am zdf.neo-Busengrabscher. Denn in den Augen des Redakteurs war das ja nur ein „angeblicher“ Akt. Ob abgesprochene Szene oder nicht, lieber Johannes, fremden Frauen an die Brüste packen ist nicht okay. Sogar die Herren von ZDF haben das eingesehen und sich für ihre Unbedachtheit entschuldigt. Ja selbst denen hab ich daraufhin verziehen. So bin ich. So leicht hat man es mit mir!

Und ich hab selbst nach dieser Dummheit noch weiter gelesen. Doch es wurde nur noch schlimmer. Da wurde falsch zitiert und unbegründete rumgemeckert. Hättest du das „schön“ präsentiert, hättest du mich auf deiner Seite gehabt. Du hattest mich ja quasi schon beim Titel! Aber so stehste allein auf der Planke.

Sechs. Durchgefallen. Tschüss liebe Vice.

Lieber Herr Gesangsverein, ich bewerbe mich um die Stelle als die mit der Triangel…

ZEIT-Redakteurin Tina Groll hat sich an Katzen-, Pannen- und Make-Up-Tutorialvideos auf Youtube vorbei geklickt, um Arbeitgeber-Bewerbungvideos zu finden. Arbeitgeber-Bewerbungsvideos? Japp. Videos in denen sich Unternehmen als Arbeitgeber bei potentiellen Arbeitnehmern bewerben. Das klingt verdreht. Ist es auch! Hochgradig! Und weil die Arbeitgeber dann auch noch die bereits Angestellten vorschieben, um das Unternehmen als sozialen Treffpunkt zu inszenieren, wo alle Spaß haben und gemeinsam Singen, Rappen und Tanzen, sind die meisten dieser Filmchen nicht nur ver-, sondern auch völlig abgedreht. Groll findet diesen Trend deswegen fehlgeleitet und ich stimme ihr gerne zu.

Und ich glaube, den Ursprung dieser Entwicklung gefunden zu haben…nah, Ursprung ist vielleicht etwas weit gegriffen… gut, nennen wir es den genealogisch vorangegangen Schritt, EINEN Vorschritt der Genealogie dieser Arbeitgeberwerbevideos.

Von vorne angefangen, müsste ich sonst wohl erst einmal die Entwicklung filmischer Werbeformen resümieren und dazu bräuchte ich ein paar Bücher aus der Bibliothek und hierfür bin ich zu faul. Und es regnet draußen. Also greife ich auf das zurück, was ich daheim habe: Das Internet. Und da findet man sie, die inzwischen auch hierzulande verbreiteten und gelikten Videos großer amerikanischer Universitäten. Das musicaleske Video der Uni Yale ist mein persönlicher Favorit.

Den generationenüberdauernden interuniversitären Konkurrenzkampf, der sich sonst im Kidnapping von Maskottchen manifestiert fortführend, konterte Harvard dann auch singender Weise:

Diese Videos sind bekloppt, aber beliebt. Aber im Grunde klassische Werbung in Bewegtbild, weil hier Universitäten werben, die keine klassichen “Bewerber” akkumulieren wollen, sondern Kunden. Bildung ist ein mit Dollar zu erwerbendes Gut im Tauschhandel zwischen Käufern (=Studierenden) und Verkäufern (=Universitäten), in den UrsprungsStaaten der Ablenkungsvideos.

Wenn nun aber Arbeitgeber, denen ich meine Arbeitsleistung, als Verkäuferin dieser meiner Spitzenleistungen anbiete, darum werben, dass ich dies doch bitte tue…verwirrt mich das total. Wenn sie es singender oder tanzender Weise tun erst recht. Klar zieht auch mich ein Unternehmen mit gutem Unternehmensimage an. Aber das Videotheater führt das Personalmarketing zu weit. Wenn was zu lustig klingt, krieg ich Angst.

Ein bisschen fürchte ich sogar, dass die Werbenden eben doch mein Geld wollen, im Tausch dafür, dass ich dann bei ihnen arbeiten darf.

Vielleicht sind es aber auch gar keine Werbevideos, sondern Warnvideos. Denn das gibt’s ja auch in den Sendepausen. Videos die zu weniger Alkohlkonsum aufrufen, zu weniger Unfällen im Straßen- und Geschlechtsverkehr, Videos die aufklären und warnen. Vielleicht ist das ja das Genre, in das man die von Groll präsentierten Kurzfilme einsortieren sollte.

Je kürzer desto besser oder entscheidet doch die Technik?

Ich fühle mich hin und her gerissen, reizüberflutet und so, als drehte sich die digitale Umwelt zu schnell um mich, oder bin ich es, die sich rotierend im Kreis dreht? Da haben wir’s. Ich kann es schon nicht mehr unterscheiden. Kann man es überhaupt unterscheiden? Mise en abyme!!! Oder Information Overflow. Mal wieder. Und ich bin selbst schuld an meinem Zustand. Ich hab’s nun doch getan. Obwohl ich lautstark verkündet habe Twitter zu boykottieren, habe ich mich da vor ein paar Wochen angemeldet. Ganz heimlich. Ohne hier etwas darüber zu schreiben. Aber zum Trost: auch im Kurzinformationsdienst gibt es bisher nur eine einzige Meldung von mir, die meine Resignation in weniger als 140 Zeichen ausdrückt. Mehr hatte ich zu und in Twitter bisher nicht zu sagen. Stattdessen war ich bis jetzt als Follower aktiv. Das Konzept des Verfolgens oder der Anhängerschaft hat dank sozialer Vernetzung ja so einige Umdeutung erfahren. Ganz, ganz früher waren Anhänger ja mal jene, die bei Jesus Brot und Schnaps schnorrten. Die wurden dafür dann heilig gesprochen. Beim Film Noir wird auch ständig verfolgt, aber statt heilig ist das dann eher heimlich. Richtig unheimlich finde ich Followship aber dann doch erst heute. Ich schleiche auf diesen virtuellen Pfaden jetzt einigen Freunden – die sich zu Twitter verirrt haben und ständig posten, wo sie sind, weil sie’s wohl selbst nicht mehr wissen –, Redakteuren verschiedener Nachrichtendienste (die im Grunde nur Headline mit Links zu ihren Artikeln veröffentlichen), ein paar Bloggern (die ich jetzt wohl Twittere nennen müsste) und meinen noch lebenden Lieblingsautoren (Paul Carr und Marshall McLuhan) nach um immer mitlaufender Weise, immer auf dem Laufenden zu sein. Wer wirklich auf dem Laufenden ist, hat den Fehler im letzten Satz gefunden. McLuhan verstarb pünktlich zu Beginn der Digital Nativity Ära, 1980. Trotzdem hat der einen eigenen Newsfeed. Als ob das nicht bereits verwirrend genug wäre, zwitschert ständig jemand in meine Twitter Startseite und lässt mir keine Chance mit dem Lesen nachzukommen, noch auf all die Links zu Artikel, Videos und Photos zu klicken. Am liebsten würde ich einfach laut Stopp tweeten, aber ersten geht laut nicht, alle twittern in der gleichen Lautstärke und zweitens erscheint das ja dann auch als Tweet ganz oben und schiebt eine Information nach unten aus meinem Sichtfeld. Andererseits frage ich mich, welchen Informationswert 140 Zeichen schon haben können und die Mehrheit der Meldungen stellt sich sowieso in Form kryptischer Haikus dar. Und in Haikus deuten war ich nie gut. Ich brauche mehr Information, Content, Hintergründe und Intentionen, um zu verstehen was mir mein Gegenüber mitteilen will. Schon deswegen sind meine Anbandeleien mit Männern die Fragen real und digital – und die ich deswegen kategorisch Heiko nennen, wie Haiku eben, und die, wie mir gerade klar wird, wohl Twitter erfunden haben – mit einzelnen Worten, statt ganzen Sätzen beantwortet haben, immer in den frühen Phasen des Kennenlernens gescheitert.

Im Gegensatz zu diesen heiklen Exemplaren des anderen Geschlechts, war ich von Twitter anfangs dann doch angetan. Nicht so sehr von der Möglichkeit als Zwitschernde mitzuvögeln (im Sinne von Kücken zwitschern, Vögel vögeln. Aber das versteht sich ja von selbst, muss ich euch ja nicht erklären), aber davon mir meinen persönlichen Nachrichtendienst zusammen basteln zu können. Endlich eine Zeitung ohne den überflüssigen Sportteil und dämliche Politiker- und Sekretärinnenwitze, und was soll ich bitte mit Comics von Wikingern (???), aber dafür mehr zu Amerika, Technologienachrichten und ganz viel Werbung (ich mag halt Werbung, gute, gut-gemeinte und sogar ganz grenzwertige). Endlich Nachrichten, die mich wirklich interessieren. Und über eine Twitter Kurzmeldung erfuhr ich dann tatsächlich, dass nicht nur ich diesen Traum habe und dass es hierfür noch viel bessere Lösungen gibt als das Gezwitscher, das mir da nun wirklich schon auf den Keks ging.
News360 nennt sich zum Beispiel eine App für Iphone und verwandte Technologien. Bevor ich mir das App runtergeladen habe, habe ich mir dann aber doch das Werbevideo angesehen und naja. Da ist mir was aufgefallen. Irgendwie. Weil. Eigentlich. Also wirklich und so ganz betrachtet. Mal ganz Rational gesehen. Es ist total doof, nur Informationen zu erhalten, die einen interessieren, weil man ja meistens vorher gar nicht weiß, was einen interessiert und wenn ich dem Ein-Wort-ein-Mann-Kerl gar nicht erst begegne, fällt mir ja nie auf, dass er wirklich nett lächelt, während er nicht redet und dieses Lächeln auch eine ganze Menge aussagt. Das Video, das mir zeigen sollte, dass personalisierte Nachrichten die perfekte Lösung für mich seien, verwendet als Beispiel nämlich Informationen, für die ich sonst nicht einen Blick über meine kalte Schulter übrig gehabt hätte. Und jetzt, jetzt klicke ich mich quer durchs Netz, um mehr über den Food Truck Trend zu erfahren. Da mich aber sonst weder Trucks, noch Essen auf Rädern und Fastfood sowieso nicht, interessieren, wäre diese faszinierende Geschichte einfach an mir vorbeigerauscht. Mit Tempo 200. Dabei ist DAS – also genau so etwas bescheuertes wie der Food Truck Trend – die eine Form von Information deren Wert zu oft ignoriert wird. DAS (!!!) ist Smalltalk Information und perfekter (!) als jede personalisierte Nachricht, um beim nächsten Kontakt mit schweigenden Gegenübern nicht auch stumm dazustehen. Wenn ich mich kurzfassen könnte, würde ich dazu nun tweeten. Vielleicht mach ich das noch. Aber meinen Twitterkanal verrate ich euch nicht. Den müsst ihr schon selber finden, so wie der Verfolger das sonst auch mit seinen Opfern macht. Aber zu schwierig ist es nicht, ich hinterlasse eine Spur. 😉

Aus aktuellstem Anlass

Ich mache dem Titel dieses Blogs alle Ehre. Kaum hat man mir eine konkrete Aufgabe gegeben (Schreib doch mal was über Live-Ticker), schon verwandle ich mich in ein fleißiges Bienchen, das fröhlich umherschwirrend Überstunden im Job leistest, Freunden und Familie nun wieder mit ihrer vollen Aufmerksamkeit raten, tröstend und unterhaltend zur Seite steht, und darüber hinaus eine ganz eigene Rebellion plant. Apropos, die T-Shirts sind in Arbeit. Vermutlich gibt es hier demnächst eine Abstimmung, sobald ich es geschafft habe meine wirren höchst kreativen Ideen verständlich und grafisch umzusetzen. Nur das mit den Live-Tickern. Das schiebe ich nun seit Montag vor mir her. Aber jetzt, jawohl, jetzt, nur sechs Tage später, dank meiner immensen Selbst-Disziplin, ist es soweit. Jawohl. Naja. Gut, ich muss zugeben, dass ich mich heute nun doch damit beschäftige liegt zu großem Maße daran, dass ich dringend (!!!) für die nächsten Prüfungen Anfang April lernen müsste. Aber wie meinte schon ein großer Philosoph: „Das Ziel zählt mehr als der Weg.“ Alle anderen Versionen dieses Satzes sind Übersetzungsfehler. Ganz sicher. Ich hab Recht, immer, glaub mir einfach.

Nun aber ENDLICH zu den Live-Tickern, die sich als Spektakulärer erweisen, als ich zu Anfang dachte. Auf Rat des lieben Stephans hin, hat sich mein Browser mal auf den weiten Weg zum Nachrichtenportal n-tv.de gemacht. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir hierzu wirklich ein Urteil machen darf, weil ich dank eines zweitmonatigen Einblicks „hinter die Kulissen“ nicht mehr als objektive Beobachterin gelte. Aber ich urteile einfach trotzdem und fasse meine Erfahrungen zusammen mit: „woooow“. Macht euch gerne selbst ein Bild. Ich warte hier.

Zurück? Rundum informiert jetzt, darüber was in der Welt nun vor sich geht? Nein? Ich auch nicht. Aber darum geht’s bei Live-Tickern ja auch gar nicht. Live-Ticker sind masochistische Werkzeuge der Internetnachrichtenberichterstattung, Zwangsjacken für unsere eigentlich selbst koordinierbare  Zeit. War die Tagesschau noch pädagogisches Mittel, das uns absolute Pünktlichkeit in Bezug auf den Beginn des Feierabends lehrte, zwingt der Live-Ticker, wie mit Knüppel zur ständigen Aufmerksamkeit und Achtsamkeit. Schlauer werden wir von diesen brachialen Methoden nicht, aber gehorsamer. Immerhin. Dem, der das aktuelle Chaos in der Welt überblickt, bietet solch eine „zeitechte“ Berichterstattung nichts viel Neues. Denn im Gegensatz zum Sport, das Nachrichtenfeld aus dem dieses Stilmittel entstammt, kommt bei einem Krieg oder Erdbeben nicht nach 90 Minuten der Abpfiff. Denjenigen, die sich mit den Hintergründen des Weltgeschehens noch nicht vertraut gemacht haben, bietet der Live-Ticker auch nichts. Denn dem nützt die „Neuigkeit“ ohne Kontext wenig. Meistens zumindest. Nach Stuart Hall (Medien- und Kulturwissenschaftler, der das schöne Jamaica für das graue Großbritannien verlassen hat und trotzdem (!) von mir geschätzt und gern zitiert wird. Sollte ich ihn irgendwann treffen, erklär ich ihm das mit dem Feng Shui mal.)können Nachrichten nämlich nicht nur verständlich oder unverständlich sein, sondern auch missverständlich. So verkündet n-tv jetzt in diesem Moment (10.00Uhr), ganz live, aktuell und ich Farbe: „USA erwägt Waffenlieferung an Rebellen.“ Juhu! Obama druckt meine T-Shirts! Sehr gut. Damit wäre schonmal ein Problem aus der Welt.

Aber bevor ich nun mein Dankesschreiben an Obama verfasse, kann ich diesen Beitrag nicht beenden, ohne auch den Video-Live-Ticker von n-tv.de zu erwähnen. Denn hier bestätigt der Sender selbst nochmal wie unglaublich wichtig es ihm ist, die ZuschauerInnen mit den AKTUELLSTESTEN Informationen ever zu beliefern. So wichtig, das bevor wir erfahren, wie der Angriff verlief, wer vorne liegt, ob der Gegner aufholt oder abrüstet, ob das entscheidende Tor die nächste Bombe gefallen ist, gefühlte 90 Minuten Werbung ertragen müssen. Andererseits liefert dieser Spot, über die abführmitttelähnliche Wirkung habende Milchspeise, dem/der ein oder anderen ja vielleicht wirklich mal einen informativen Mehrwert. Gute Werbung ist immernoch besser, als schlechtes Programm.