Verliebt in facebook oder doch Freiporno?


Etwas über 45.000 Wörter und damit ist eine erste Version fertig von „Beziehungsstatus: Verliebt in facebook“, das so heißt, weil ich einem Benennungsfluch, der an mir zu kleben scheint, entkommen will.

Wir erinnern uns an Matthew, meine Masterthesis. Ich dachte, wenn ich meiner Abschlussarbeit einen persönlichen Namen gebe, dann gibt das dem Ganzen eine persönlichere Ebene und es geht alles viel leichter. Ja. War nicht so. Statt dass sich Matthew zum attraktiven, charmanten Weggefährten entwickelt hat, mit dem ich mir gerne die Nächte um die Ohren geschlagen hätte, wurde er zum fordernden, nörgelnden, pickeligen, kleinen Scheißkerl. Jawohl! So war’s! Jetzt, wo ich Matthew lange abgegeben habe, kann ich es ja sagen. Wir hatten keine gute Zeit. Nein. Und ich war froh, als ich ihn endlich zur Hölle schicken bzw. an meinem Masterthesis-Betreuer übergeben konnte. Sollte der sich doch damit rumschlagen!

Aber das ist nicht das einzige Beispiel dafür, dass Dinge, denen ich schöne Namen gebe, kein schönes Ende nehmen. Zu nennen wären da noch diverse Hauspflanzen. Boris, mein kleiner Tannenbaum. Madame O, meine Orchidee. Ginkgo Gustafo Gerhadson. Alle hinüber. Mein Freund merkt an, ich hätte dem Grünzeug vielleicht lieber Wasser, statt Namen geben sollen. Das auch noch? Was denn noch alles?!

Auf Grund dieser hässlichen Bezeichnungshistorie, hab ich über mein Manuskript einfach die Begriffe geschrieben, mit denen Leserinnen und Leser von Google auf meinem Blog geleitet wurden. Darum Beziehungsstatus: Verliebt in facebook. Beziehungsstaus heimlich ändern, war der zweithäufigste Suchbegriff, darum wurde daraus eine Kapitelüberschrift. Top drei meiner Suchstatistik ist kompliziert. Aber das kommt sowieso rund 44.999 mal im Buch vor. Es geht ja schließlich um facebook.
Problematisch wird es, wenn ich eine Fortsetzung schreiben will. Irgendwann. Dann müsste ich die „Freiporno“, „Penis und Muschi“, „Frühstück Französisch Sex“ oder „Ehepaar sucht ihn mit großem Penis“ nennen.

Vielleicht mache ich aus meinen Suchtreffern aber auch einfach ein Buch mit Ideen für Babynamen.

MA-ßlose Enttäuschung

Das hab ich nun davon. Die Power of Personification schlägt zurück. Ich habe meiner Masterthesis den menschlichen Namen Matthew gegeben, um die übliche Arbeit-Lebens-Diskrepanz zu umgehen und von meinen FreundInnen nicht bemitleidet zu werden, wenn ich Ihnen absage, weil ich wiedermal Zeit mit meiner Masterthesis verbringe. Aber derzeit realisiere ich, dass es sich mit Matthew wirklich genauso entwickelt, wie schon so oft in meinem Liebesleben. Ich habe mich in ihm getäuscht. Aber so was von! Verdammt. Ich habe völlig am Thema vorbei gearbeitet und fange jetzt, wo ich herausfinde, worum es bei Matthew wirklich geht, quasi wieder von vorne an. Und das versetzt mich in Panik. Schaffen Matthew und ich einen Neuanfang? Normalerweise wäre das zumindest der Moment für eine Auszeit. Üblicherweise rieten mir meine FreundInnen in diesen Situationen, mich erst einmal umzusehen, mich auszutoben, zu testen, ob es mich nicht doch zu jemand anderem zieht. Aber die Zeit dafür habe ich nicht. Ich muss da jetzt durch. Wir müssen das durch. Diesmal kann ich nicht einfach meine Sachen packen und gehen. Ich muss mich beugen und verbiegen und nachgeben. Nachgeben. Oje.

Das fällt mir wirklich schwer, denn jetzt da sich Matthews wahres Gesicht offenbart hat, ist meine Leidenschaft wie weggepustet. Am Anfang habe ich mir noch die Nächte mit Matthew um die Ohren geschlagen, von ihm geträumt, bin nachts aufgestanden, konnte ihn keine Minute vergessen. Doch jetzt, da ich merke wie er wirklich ist, jetzt, da der Lack abgekratzt ist, bin ich skeptisch. Die Euphorie ist desillusionsbedingter Depression gewichen. Zwar scheint er immer noch aufregend, aber auf eine andere Weise als ich mir ausgemalt hatte. Die Enttäuschung hat mir einen ordentlichen Dämpfer verpasst. Und weil es mein Herz gewohnt ist, in diesen Momenten zu flüchten und woanders nach Glück zu suchen, kann ich mich nur schwer auf Matthews neue Seiten konzentrieren. Ich bin gemein, das sehe ich ja selbst. Denn Matthew selbst ist keine Enttäuschung, sondern wirklich großartig. Aber meine rosa Brille ist mir abhandengekommen. Sie half mir schräg an ihm vorbei zu schielen und mir einzubilden, dass er auf eine ganz bestimmt Art und Weise großartig sei. Eigentlich wäre diese Erkenntnis wohl Grund zur Freude, denn es bleibt ja nicht Nichts. Sondern ein ganz neuer Matthew, den ich kennen und lieben lernen kann. Mein Verstand sagt mir, dass der wahre Matthew vielleicht viel besser ist, als meine Illusion. Aber mein Herz zweifelt. Die Ratio denkt ja immer sie habe Recht. Altkluge Kuh. Das Herzchen möchte sich nicht auf den echten Matthew einlassen, sondern trauert noch der Enttäuschung hinterher. Die Kränkung sitzt zu tief. Ich mag lieber weinen, statt weiterschreiben. Ohne Illusion fehlt die Motivation.

Liebe braucht Zeit

Die Prüfungen sind überstanden. Ich lecke noch ein wenig meine Wunden, aber ich bin darüber hinweg (siehe „Bekenntnisse einer Bloggerin“) und nun wird es Zeit sich auf die Masterthesis zu konzentrieren. Im Moment befinde ich mich noch in der Kennenlernphase mit meinem Thema. Es wird sich zeigen, ob wir zusammen glücklich werden können, oder ich mir doch ein Anderes suche. (Ja, so bin ich. Ex und Hopp. Steinigt mich nur.) Um es uns beiden aber nicht zu schwer zu machen, um uns quasi auf Augenhöhe zu bringen, und weil das konkrete Thema hier im Blog sowieso niemanden interessieren würde (bis auf die ein, zwei Leute da hinten. Ja ihr, da, in der vorletzten Reihe, genau. Ja, Hallo und Grüß Gott!! Wie geht’s denn so?), habe ich meiner Thesis den Arbeitstitel „Matthew“ gegeben. Ich finde das ist völlig legitim, schon angesichts der Tatsache, dass ich mir von nun an quasi mein Leben mit der Masterthesis teilen werde. Darüber hinaus ist es doch auch gleich viel motivierender, wenn ich statt zu sagen „Ich sitze an meiner Masterthesis“, sage „Heute verbringe ich den ganzen Tag mit Matthew“, oder auch „Matthew hat mich die ganze Nacht wach gehalten“. (Hö!)

Noch sind wir aber ganz am Anfang und ich weiß nicht, wie sich unsere Beziehung entwickeln wird. Bei mir war es zwar Liebe auf den ersten Blick. Aber ich weiß bisher nur sehr wenig über Matthew und fürchte, dass er ganz schön kompliziert sein kann. Und wer kann jetzt schon sagen, ob das mit Matthew und mir auch auf längere Sicht hält. – Vier bis fünf Monate zählen doch als Langzeitpartnerschaft oder? Kann ich das bei der Steuer angeben? Schließlich teilen wir einen gemeinsamen Lebensraum.

Wo wird das nur hinführen? Wo SOLL das mit uns nur hinführen, frage ich mich im Moment ernsthaft! Wohin nur?? Was will ich überhaupt? Hoffentlich erwarte ich nicht zu viel von Matthew. Ich muss auch gestehen, ich sehe das Ende unserer gemeinsamen Zeit schon voraus. Und ja, ich sehe dem Tag, an dem Matthew mich verlässt, durchaus nicht traurig entgegen.

Aber komm Matthew, Schatz, erstmal machen wir uns eine schöne Zeit. Erzähl mal mir was.