SO SEIN WIE SIE – Der Roman – Coming Soon als Amazon eBook

Soseinwiesie_JulianeUngaenz_RomanÜber das erste Mal wird gerne geurteilt. Meistens fallen dabei Schlagworte wie überstürzt, Erwartungen, Dauer, Länge, etc. Der/die ein oder andere bemängelt auch, es habe wehgetan. Rückblickend kommt das erste Mal selten gut weg. Das gilt nicht nur für Intimitäten, sondern auch für andere Lebensbereiche. So kann der erste Job kein Traumjob sein, sonst wäre er der erste Karriereschritt.

Ich mag mein erstes Buch „Beziehungsstatus: Verliebt in Facebook“ auch jetzt noch gerne. Aber da es ein ganzes Kama Sutra literarischer Welten gibt, war es auch nach diesem Erstlingswerk Zeit erneut in die Fiktionskiste zu hüpfen. Und abseits der hiesigen Ablenkung, habe ich in schwülwarmen Abendstunden etwas Neues geschrieben. Das ist inzwischen ein ganzes Romanmanuskript, mit Vorspiel, Höhepunkt und zwischendurch Gekuschel. Wir hatten schöne Stunden zusammen, mein Manuskript und ich.

Doch gestern Abend war es dann soweit. Es war klar, dass wir uns trennen müssen. Es raus in die Welt, um auch anderen Menschen Glücksmoment zu bescheren.

Es braucht ein Cover und hier und da ein Satzzeichen. Dann stellt es sich ins Schaufenster ins Amazon eBook-Regal und lächelt von dort potentiellen Leserinnen und Lesern zu. Bis die letzten Fragen geklärt sind, bleibt es noch ein bisschen bei mir.

Fortsetzung folgt…

Leugnen bringt nichts

191,4 Milliarden Emails werden täglich um die Welt geschickt, sagt statista.de 70% dieser immensen Anzahl geht nicht um die Welt, sondern wird intern in Unternehmen hin und her geschossen, wie Schneebälle. Das steht nicht auf der Statistikseite im Netz. Die Zahl habe ich mir ausgedacht. Denn das entspricht stark meiner Erfahrung, die ich nicht gemessen, aber immerhin geschätzt habe, diese ganze objektive Welt ist ja doch nur eine subjektiver (Alb-)Traum.

Zurück zu den fiktiven Zahlen: ¾ aller Mails sind digital verschriftlichte Kommunikation, die aus der Faulheit nicht aufstehen und kurz ins andere Büro rüber gehen zu wollen resultiert. Emails sind schnell und so praktisch. Man kann sie senden, empfangen, weiterleiten, löschen, in Ordner einsortieren… Nur eins tun die wenigstens Empfängerinnen und Empfänger mit Ihren Mails: Sie vollständig lesen. Darum bestehen mindestens 90% des besagten ¾ von Vorneherein unnötigen Datenmülls aus Fragen zu Details, die längst verschriftlich worden. Am wütesten machen mich die Leugner: „Ich hab nichts bekommen!“ Dieser Umstand treibt uns faules Pack dann immerhin doch zur Bewegung an. Aufgescheucht zum Adrenalin, ausgeschüttet aus Erschütterung angesichts dummer, längst beantworteter, Fragen, rennen wir dann rüber ins andere Büro, um klar zu stellen, dass wir unseren Teil der Arbeit getan haben… oder um die Arbeit kurz zu unterbrechen und bei den Mädels und Jungs im Nachbarbüro petzen zu gehen. Diese beide Varianten stehen sich 50:50 gegenüber. Wieder eine erfundene Zahl.

Manchmal überlege ich, ob ich nicht kleine Fallen in meine Emails einbauen sollte, um zu testen, wer sie wirklich liest. Das wäre sehr hinterhältig und ich käme mir oberlehrerinnenhaftig vor. Ich bräuchte also erst eine Brille, um in diese Rolle zu wachsen. Doch ich schließe es nicht aus. Euch, liebe Blogleserinnen und Blogleser, warne ich vor! Denn ihr lest anständig. So anständig, dass ihr sogar die 64% Tippfehler in meinen Texten entdeckt. So werdet ihr nur lachen, wenn ich in meine Nachrichten tourettartig unpassende und unangemessene Teilsätze, Worte oder die Namen von Figuren aus Game of Thrones einhuste, während andere es gar nicht merken…. weil sie die MAIL nicht richtig lesen oder behaupten, sie nicht bekommen zu haben!! Kinder! Wozu mach ich mir denn dann die Arbeit! Dann könnt ich auch zu Hause sein und erfahren, wo die Drachen sind!!!!

Trost finde ich immerhin im Einsortieren der Emails. So landen alle ignoranten Härtefälle im Ordner „Honks“. Ein Email-Ordner, den ich mir vorstelle, wie eine mittelalterliche, dreckige, kalte Zelle. Vielleicht stecke ich noch ein paar Ratten mit in diesen Ordner!

Neuland und Internet ist wie Diätaufkleber auf Schokolade

„Das Internet ist Neuland“, sagte Frau Merkel, jedoch nicht vor 15 Jahren, wie man meinen mag, sondern gestern! Das Internet ist. kein. Neuland! Neuland ist unbewohnt und bereit zur Eroberung. So was wie der Mond!

Das ist hier nicht der Fall. Denn das Internet gehört schon mir! Meins. Alles. Das ganze, weite digitale Land! Die steppen der Blogs, die Meere der Katzenbilder und die schönen Wasserfälle der Dinge, die ich nie sehen wollte! Alles MEINS! Immerabgelenkt-Land! ProkrastiNATION!

Also liebe Merkelianer, brecht eure Expedition ins Neuland ab, nehmt eure Fähnchen und schwenkt sie da weiter im Wind, wo ihr hergekommen seid!

Und nochmal zum Beweis, hier mein Blogbeitrag von vor langer, langer Zeit, der beweist: Ich hab das hier vorher erobert! Das Internet ist MEIN Land! Ha!

Aus für Brockhaus und was brauch ich eigentlich zum Leben?

Eigentum ist Ballast. Das merkt man besonders, wenn man 300 Bücher beim nächsten Umzug vier Stockwerke hoch oder runter, oder im schlimmste Fall beides, schleppen muss. Seit ich auf eBooks umgestiegen bin, reduziere ich nach und nach meinen haptischen Literaturvorrat. Dabei sortiert man in wertvolle und weniger wertvolle Lektüren. Was diesen Wert ausmacht, ist ganz und gar eigenmeinungsgeprägt. Doch einige Werke, die muss man sozialkonsensbedingt haben, so meint man zumindest. Und die schrecklich schweren Bände des Brockhaus gehören hierzu. Brockhaus ist Wissen, manifestiert in Kilogramm, ein intellektuelles Statussymbol, das galt als Fakt, bis heute. Denn nun wird der Brockhaus eingestellt. Wissen gibt’s tintenlos im Netz. Ist das gedruckte Wort also doch, wie einst prophezeit, irgendwann obsolet? Anfangs fand ich die Vorstellung noch erschreckend. Doch heute, seit meinem letzten Umzug, gefällt mir der Gedanke. Denn der Trend zum Papierlosen leben, geht einher mit noch mehr Reduktion. Was braucht man eigentlich alles? Was will ich beim nächsten Umzug WIRKLICH mitnehmen? Ohne was, kann ich nicht leben?

Oder reduzieren wir uns damit so weit, bis uns nichts mehr festhält an der echten Welt? Erden uns die Dinge, die wir besitzen vielleicht sogar?

Blogger Andrew Hyde zum Beispiel lebt den Minimalismus und hat es geschafft, sein Hab und Gut auf 15 Dinge zu reduzieren! 15 Dinge! Ich hab mehr Sachen in meiner Handtasche!! 15 Sachen??  Das ist extrem. Aber irgendwie auch passend zu den digitalen Nomaden, die immer weitersuchen, immer weiter wandern. Brockhause kauft man ganz ehrlich doch dann erst, wenn man weiß, dass man im aktuellen zu Hause sterben wird… Brockhausbesitzer sind Seßhaftgewordene. Brockhausbesitzer sind Erwachsene.

Facebook Beziehungsstatus: Verliebt, Verlobt, Es ist kompliziert

UPDATE: „Beziehungsstatus: Verliebt in facebook“, das Buch ist jetzt da und kann hier und hier oder auch hier bestellt werden.

Und hier der ursprüngliche Blogbeitrag:

Irgendwer hat mal diese These aufgestellt, dass Internet würde eine Parallelwelt erschaffen und bald lebten wir nicht mehr physisch in der „realen“ Welt, sondern würden uns ganz in Welten wie Second Life flüchten. Mal davon abgesehene, dass Second Life so schnell wieder verschwunden war, wie eine volle Brieftasche aus der hinteren Hosentasche in öffentlichen Verkehrsmitteln, ist die „Flucht“ wohl gescheitert. Au contraire, es ist, als hätte man die alte und die „schöne, neue“ Welt in einem Mixer verfrachtet und ordentlich durchpüriert. Und jetzt entdecke ich fast täglich fiese Klümpchen, klebrige Mischungen aus Netzsubstanz und Alltagsbrei. Wie man im sozialen Netz nicht umhin kommt, die Statuseinträge seiner Freunde mit zu verfolgen, kann man in Bahn und Bus nicht weghören, wenn sich zwei lautstark unterhalten (und ist dann auch schon mal so abgelenkt, dass man nicht merkt, wie einem die Brieftasche geklaut wird). Mit exponentieller Häufigkeit vermerkte ich in letzter Zeit die Wörter „facebook, posten, like“ mitzuhören.

Eine sehr unterhaltsame Webseite sammelt derartige Mithörgeschichten, nicht nur zum Thema Netzkultur. Aber ich habe ein relevantes Beispiel mal von dort entliehen (heimlich aus der hinteren Hosentasche)

Hannover. In einem Bus. Zwei junge Mädels in Reitklamotten (ca. 16) unterhalten sich. Plötzlich platzt das eine Mädchen laut hervor: “Also wenn ich dem schon einen blase, dann kann er doch wenigstens seinen Beziehungsstatus bei Facebook ändern!” (Quelle: Belauscht.de)

Und ich muss zugegeben, auch ich kann mich dem nicht entziehen und merke immer häufiger, wie ich mich mit FreundInnen über das unterhalte, was gerade bei facebook „passiert“. Dem Freundschaftsdienst wird dabei realitätslegitimierende Bedeutung zugeschrieben. Es hält sich hartnäckig der Glaube, Menschen würden hier wahrheitsgemäße Angaben machen. Für mich persönlich muss ich sagen, solange ich mich nicht in einem Polizeiverhör befinde oder meine Steuererklärung mache, und ganz ganz besonders im Internet neige ich schon mal dazu, meiner Phantasie freien Lauf zu lassen. Ich bin nun einmal ein kreativer Mensch, ein Künstler! Und die Kunst hat sich seither gegen die Konventionen und Normen unserer Gesellschaft gesträubt! Jawohl!

Die Mehrheit der Menschheit hält aber weiter daran fest, dass Facebook nicht nur Informationen, sondern Fakten liefert. Und das kann den Alltag in der realen Welt erschweren und dann findet man sich, sowieso schon frustriert, weil ohne Brieftasche bei Freund/Freundin angekommen, mit Anschuldigungen und Klagen konfrontiert.

„Es ist kompliziert“: Die Netzwelt liefert nicht nur Antworten, sondern auch viele neue Fragen. Insbesondere: Wann sollte man seinen Beziehungsstatus umstellen? Die Beziehung zu verkünden ist dabei noch die angenehmere Unsicherheit. Aber wann stelle ich von Beziehung auf Single um? In den seltensten Fällen endet eine Beziehung von jetzt auf sofort, nachdem sich zwei (Ex-)Partner zusammengefunden haben, weil sie „mal miteinander reden müssen“. Ich wage zu behaupten, dass diese Einstellungsänderung in 8 von 10 Fällen aus Trotz und verletzten Gefühlen heraus vorgenommen wird. Um dem/der anderen zu zeigen: Du kannst mich mal! (By the way, ich hoffe ja immer noch darauf, dass facebook das Auswahlfeld abschafft und endlich Raum für die eigene Kreativität lässt. Oder zumindest um Optionen erweitert wie: Emerit, Lonesome Ranger, Jane Austen oder auch „Kost fufzig Euro“.)

In einem Artikel des TIME Magazines verglich der Redakteur die Beziehungsstatus-Einstellung mit einem Verlobungsring. Statt den Brilli am Finger, zückt man nun das Smartphone aus der Tasche, um zu signalisieren: Ich bin vergeben. Die Zeiten in denen Diamanten eines Mädchens beste Freunde waren, sind damit wohl endgültig vorbei. Die Nostalgie dieser Zeit und das eben beschriebene Dilemma greift folgendes Video auf. Viel Spaß damit:

„Wach“ ist ein streitbarer Begriff

Es geht in die heiße Phase. Nur noch wenige Tage bis zur Prüfung. Aber die Grundlage ist nun gelegt. Nein, ich habe noch nicht alles durchgearbeitet, was ich für die Prüfung wissen muss. Nein, ich habe meine Schönschrift nicht trainiert und nein, ich habe auch nicht geübt spontan in Ohnmacht zu fallen, falls ich in der Prüfung (im übertragenen oder wörtlichen Sinne) mit runtergelassenen Hosen dastehen sollte. ABER, ich habe mich darum gekümmert, dass ich wach und munter in die Prüfung gehe. Jawohl! Und dabei habe ich festgestellt, dass es kein Leben mehr gibt, sondern nur noch „lifestyle“. Die Aufgabe: Man kaufe eine Kaffeemaschine. Wobei da eigentlich schon ein Fehler im Satz steckt, denn ich habe nicht einfach eine Kaffeemaschine „gekauft“. Vielmehr, bin ich einem elitären Club beigetreten. Ach, was Club, einer Sekte, deren ascheinbarer Anführer ein übertrieben beliebter, eigentlich viel zu alter und schon längst ergrauter, aber durch sein gebleicht-weißes Lächeln und nach allgemeinem Konsens meines sozialen Beziehungsgeflechtes doch irgendwie überzeugender, amerikanischer Schauspiel zu sein scheint. Und auch wenn Kaffee im Mittelpunkt des Kultes zu stehen scheint, ahne ich, dass es um viel mehr geht. Viel mehr!

Das erstaunliche daran war aber, das ausnahmsweise mal nicht das Internet dafür verantwortlich war, dass ich dieser suspekten, aber durchdesignten Gemeinde verfiel, sondern Interaktion mit realen Menschen (nagut, er war Höllander) an einem (fast) realen Ort: dem Kölner Flagship-Store von Nespresso.

Obwohl? Was ist an diesem Kaffeegeruch und Glückseligkeit verströmendem „Raum“ noch real? Oder dienten Gestaltung und Aufbau nur der gezielten Stimulation meiner, auf virtuelle Konvention getrimmten, Wahrnehmung? Oder bin ich zu skeptisch, weil Glaube, Religion und Ideologie im Zeitalter des Internets eigentlich längst im Papierkorb gelandet sind? Was war an dieser Kauf“experience“, der Transaktion Plastikkarte gegen Plastikmaschine, eigentlich echt?

Glücklicherweise verblaßen jedem Schluck des dunklen Tropfens die Zweifel in mir. Vielleicht bleibt, wenn man die goldglänzende Fassade wegnimmt, ja doch nur ein Holländer im Coffee-Shop, der mich mit diesem gerösteten Rauschmittel in einem traumähnlichen Zustand versetzt hat.