Entgegen allen Vorsätzen

Schreiben ist für mich die beste Ablenkung von der seltsamen Nervosität, die mich manchmal überkommt. Diese Zustände, man kann es nicht anders nennen, sind schlimmer als jede Schwangerschafts- oder PMS-Stimmungsschwankung und lassen sich zeitweise durch Sport besänftigen. Dann renne ich zwei Stunden auf dem Laufband vor dem Zuviel in meinem Kopf weg. Doch sobald ich stehe oder sitze, kommt das Zucken zurück. Mit den Fingern auf der Tastatur geht es ganz gut, aber was dabei rauskommt, ist nicht immer besser als der Wahn, der mich treibt.

Darum habe ich heute eine der Figuren im Manuskript getötet, an dem ich gerade sitze. Eigentlich sollte es in der Geschichte nicht um Mord und Totschlag gehen. Doch die blöde Kuh ging mir auf Seite 70 so auf den Keks, dass ich sie habe umlegen lassen. Ich fühlte mich danach besser. Doch den eigentlich Plan, den ich für die Handlung hatte, kann ich jetzt vergessen. Damit kann ich die 6000 Worte, die bisher an der Stelle folgten, an der die Figur nun aus der Geschichte ausscheidet, wegwerfen bzw. weglöschen.

Oder nicht? „Mach doch einen Vampirroman draus und lass sie auferstehen“, rät meine stets lösungsorientierte besser Hälfte. Ein netter Rat, aber ich kann ihn nicht befolgen. Denn statt eines unterhaltsamen Frauenromans, wie anfangs geplant, stehe ich mit diesem Mord nun schon wieder mit einem Bein im Krimi. Mit Untoten wird Fantasy draus. Dabei wollte ich diesmal (und das war mein GROßER Vorsatz für diese Geschichte) ein Buch schreiben, das in EIN Genre passt. Es kann doch nicht so schwer sein, dachte ich. Aber dann lag sie schon blutüberströmt auf dem Boden… und jetzt muss ich mir überlegen, was ich mit der Leiche und dem Rest der Handlung mache.… und das hilft so gar nicht gegen die Unruhe. Es wird also noch eine Weile dauern, bis ich mit diesem Manuskript fertig bin, falls überhaupt jemand bis zum Ende überlebt. Im Moment sieht es, was das angeht, nicht gut aus. Vielleicht sind das doch die Schwangerschaftshormone…

Alleine lachen zur Psychopaten

Liebe Blogfreundinnen und -freunde,

wenn ihr in Düsseldorf oder Umkreis seid, zerrt eure Freunde, Familienangehörigen oder Geiseln heut Abend zur Vintage Fabrik in die Nordstrasse 4! Ja, Omma darf auch mit! Und Hunde müssen zwar draußen bleiben, dürfen aber durch die Scheibe zugucken, wie Frauchen drinnen Sekt trinkt und der Juliane dabei zuhört, wie sie ihr Buch vorstellt.

Foto/Gestaltung: Nathalie Herzhoff

Foto/Gestaltung: Nathalie Herzhoff

Ich freue mich sehr, wenn ihr mich da nicht im Schaufenster alleine sitzen lasst, sonst versteck ich mich unter einem der schicken Vintage-Tische und trinke den Begrüßungssekt alleine!

Bis heut Abend! Hoffentlich. Bitte. Bitttebitteebiitteeee….

Warum müssen öffentliche Veranstaltungen immer gleich so öffentlich sein?

Ich muss mir angewöhnen, nachzudenken bevor ich handele. Doch für dieses Mal ist es schon wieder zu spät. Bis zum nächsten Mal, habe ich diesen Vorsatz vermutlich vergessen.

Vor einigen Wochen noch klang die Idee einer Release-Lesung für meinen Roman ganz super. So wie auch Urlaub auf einer exotischen Insel grandios klingt, bis man merkt, dass es dort vor Spinnen, Schlangen und Insekten mit mehr Beinen als man bei einem Volkslauf sieht, wimmelt!

Seit einigen Tagen führe ich nun, in Vorbereitung auf meine Lesung, innere Selbstinterviews. Und wisst ihr was? Meine innere Interviewerin ist nicht nur unverschämt, sondern auch absolut gnadenlos! Außerdem kennt sie längst jede Antwort auf Ihre Fragen und ist darum ganz schrecklich ungeduldig. Sie merkt auch, wenn ich lüge oder mich rausreden will.

Darum muss ich sie vor der Lesung verschwinden lassen, heimlich und still. Es wird wie ein Unfall aussehen. Vielleicht stelle ich auch den Mord aus meinem Roman nach. Kann mir jemand ein Boot leihen?

Zum Glück steht am 21.05. eine viel bessere Moderatorin bei mir auf der kleinen Bühne in Köln (GEDANKENtanken Lounge, Brüsseler Str. 92, ab 19Uhr). Ich werde mich an Maike Greine’s professionelles Händchen klammern und versuchen im Kontinuum von Stottern bis Lallen meine Stimme nicht ganz zu verlieren.

Bei der Lesung gibt es SO SEIN WIE SIE dann ausnahmsweise auch gedruckt. Diesen Gefallen tue ich mir selbst. So habe ich etwas, das ich mir vor den Kopf halten kann, wenn es ganz schlimm wird.

Bitte kommt alle vorbei und haltet euch auch mein Buch vor den Kopf. Dann ist es nicht mehr peinlich, sondern ein Trend: Buch statt Bart im Gesicht! Oder kommt damit ich den Sekt nicht alleine trinken muss! Und erzählt all euren Freunden davon, aber bitte nur vorher und nicht danach. Das bleibt unter uns! So wie die Sache mit dem Boot…