Feuer legen, während ich vor verschlossenen Türen warte

Advent, Advent…endlich ist es wieder Zeit Schokoladenmännern die Köpfe abzubeißen! Und eine Kerze anzuzünden. Aber Raum und Zeit sind durcheinandergekommen, mal wieder… seit einer Weile vermute ich, dass das Universum in Altersteilzeit ist und die Hälfte seiner Aufgaben Alzheimerbedingt vergisst oder aufschiebt. Nach 14 Mrd. Jahren kann es schon mal passieren, dass so ein Fehler unterläuft, wie der heutige: Es ist der erste Advent, aber noch nicht der erste Dezember und darum darf ich kein Türchen an meinem Adventskalender öffnen. Das fühlt sich nicht richtig an!

Die Herde von Newslettern, die ich abonnierte habe, um 5 Euro Gutscheincodes zu bekommen, die ich dann doch nie einlöste, versucht die letzten zwei Novembertage zu nutzen, um mir noch einen Adventskalender aufzuschwatzen; in digitaler Form oder zum Bestellen und zu Hause Rumstehen haben. Der Adventskalender hat das Regal „Süßes und Schokolade“ im globalen Kaufhaus lange hinter sich gelassen und ist in sämtliche weitere Konsumwelten und –gruppen gewuchert. Das Füllhorn von Adventskalenderoptionen kommt mit mehr Fragen als Türchen. Was mich bei einem sexy Adventskalender eher abturnen wird, kann ich mir noch zusammenphantasieren. Aber sitzt hinter jeder Tür des „Rentner-Adventskalenders“ eine alte Frau oder ein alter Mann, der mich anpöbelt, ich solle runter vom Rasen und einen Fahrradhelm aufsetzen? Und der DDR-Adventskalender spielt eindeutig mit meinem Vertrauen. Ich erwarte maximal nur hinter jedem vierten Türchen eine Überraschung…. und die soll ich dann vermutlich noch mit meinen GenossInnen teilen. Da würde ich dann doch den Kalender mit der süßen Katze vorziehen, wäre da nicht Katzenfutter drin. Liebe Katzenfutter-Adventskalender Hersteller, ihr seid TEUFEL! Einem Lebewesen ohne Daumen einen Adventskalender vor die Nase zu stellen ist in etwas so, wie den ersten Advent vor dem ersten Dezember stattfinden zu lassen!

Während ich nun also den halben Sonntagmorgen damit verbracht habe zum Adventskalender zu pilgern, um dann doch kein Türchen zu öffnen und die andere Hälfte des Morgens zum Kühlschrank, um das Türchen zu öffnen und zu merken, dass nichts dahinter auf mich wartet (ich glaube mein Kühlschrank ist der DDR-Adventskalender) interessiert Ihr Euch, liebe Leserinnen und Leser, nur für die Fortschritte meines angekündigten Hamsterimperiums. Und darum mache ich einen Hamster-Adventskalender und verbinde damit alles Gute der Welt mit dem offensichtlich puren Bösen. Vielleicht bringt das das Universum wieder ins Equilibrium. Dienstag geht’s los!

Wo bitte geht’s denn hier nach Einschicken?

„Ohne Tragödien keine Kunst“, so oder so ähnlich hat Onkelmaike mein Schreibblockaden-Gejammer gekontert. Und es stimmt. Die wirklich großen AutorInnen litten alle. Sylvia Plath hat mehr als einmal versucht sich das Leben zu nehmen und war schließlich erfolgreich. Fyodor Dostovyesky saß im Exil in Sibirien fest und litt an Epilepsie. Aldous Huxley erkrankte schon im Teenageralter an einer Hornhautentzündung im Auge und war fortan für den Rest seines Lebens so gut wie blind… und die Liste lässt sich weiter vertikal und horizontal durch mein Bücherregal schreiben: Virginia Woolf, David Foster Wallace, Anne Rice,… irgendeinen unerträglichen Schmerz trugen sie alle mit sich herum.

Mir ist bewusst, dass meine aktuelle Misere sich daran nicht messen kann, dennoch möchte ich schreien, weinen, toben und auch eine tröstende heiße Schokolade MIT Sahne würde ich nicht sofort ablehnen, und Schokolade und glutenfreie Kekse und ja auch Eis wäre jetzt ja wohl das MINDESTE!!!

Denn ich komme aus dem Apple-Store, wo man mir, ganz ohne Vorwarnung und ohne Eis oder Lolli mitteilte, man müsse meine Extension of me (meinen NEUEN, noch keinen Monat alten) Computer einschicken.

Das wäre normalerweise keine Tragödie. Technische Geräte gehen kaputt, werden repariert oder ersetzt. Aber Apple zielt ganz bewusst darauf ab eine emotionale Bindung aufzubauen, mit optischer Attraktivität, freundlicher Funktionalität und diesen putzigen Geräuschen, mit denen uns die Produkte zum Kichern bringen. Und weil das alles so persönlich ist, bin ich jetzt auch persönlich enttäuscht davon, dass mein Touch-Pad nicht funktioniert! Und Siri steht auch nur da und schlägt mir vor mir einen Termin für 14 Uhr zu erstellen oder mir auf der Karte zu zeigen, wie ich nach Hause komme.

Viel mehr würde mich interessieren, wo dieses „Einschicken“ ist, von dem so oft in Verbindung mit Technik die Rede ist. Denn folgendermaßen vollzog sich meine  Pilgerfahrt in den Kölner Apple-Tempel:

Ich: *Schnief, hmm, Schnief…muhuhuhuhuhhhhuuuuuuu….!*

Apple-Mitarbeiter im Look als sei er gerade dem Spiel Die Sims entsprungen, in grauem Polo-Shirt, IPad in der Hand und NULL Empathie für meine Lage: „Wie kann ich ihnen helfen?“

Ich (hole darauf meinen Mac aus der Tasche und stelle ihn auf den Tisch vor uns, um zu zeigen, was passiert ist und bekomme davon vom Menschen, den ich für einen Profi hielt, einen Blick, den ich vom Arzt kenne. Der Blick, der dir sagt: ‚Ich hatte nicht darum gebeten, dass sie sich frei machen. Ziehen sie sich wieder an. Ich kann ihre Sehstärke auch so messen.’) und erzähle: „Ich kann nicht mehr klicken. Er ist heute morgen aufgewacht und ich konnte nicht mehr klicken. Gestern Abend war noch alles gut. Ist er nur beleidigt, weil er nicht mit im Bett schlafen durfte oder hat er sich in der Nacht auf meinem Schreibtisch erkältet? Bitten sagen Sie, dass es nur eine Erkältung ist?! Ab jetzt drehe ich auch IMMER die Heizung für ihn hoch und bringe ihm noch einen Tee vor dem Schlafengehen und erzähle ihm eine Gute-Nacht-Geschichte! Ich lerne stricken und stricke ihm eine eigene Decke! Er bekommt sein eigenes Zimmer, einen Hund, einen Butler! Was immer es sein muss!!! Aber er soll wieder heile sein!!!!“

Unbeteiligter Apple-Angestellter, der sich schon hoffnungsvollen nach anderen Kunden umsieht: „Wir haben keinen Techniker im Haus, erst in 4 Stunden kann ich ihnen einen Termin anbieten. Dann können wir hier aber auch nichts machen, sondern der muss eingeschickt werden.“

Ich bin noch enttäuschter, weil ich gerade erfahren habe, dass ich die Sprechstundenhilfe für die Ärztin hielt und ich nicht bereit bin 4 Stunden darauf zu warten, dass sich jemand, der auch nichts machen kann, meines Klick-Problems annimmt. Es geht hier schließlich nur um eine Maschine und nicht um das Leben eines Kindes: „Habe ich Alternativen? Geht es vielleicht morgen einfach wieder?“

Die „Geht’s vielleicht von alleine Weg“- Lösung funktioniert leider nur bei Pickeln, nicht bei Computern und auch nur sehr selten bei unerwünschten Personen. Letzteres war ich für mein Gegenüber und um mich loszuwerden, wiederholte er die magische Formel, die bisher alle Kunden vertrieben hatte: „Muss eingeschickt werden.“

Ich: „Und wohin?“

Er: „Wohin?“

Ich: „Ja, wohin? Es heißt immer, dass alles eingeschickt werden muss. Aber wohin werden die ganzen Sachen denn geschickt? Und wieso ist nie einer dieser Ort in der Nähe, so dass man auch einfach hingehen könnte?“

Sprachlosigkeit im grauen Polo-Shirt starrte mir entgegen. … Ich fürchte über meine Frage, kommt er lange Zeit nicht hinweg. Vielleicht hätte ich ihm eine heiße Schokolade, Kekse oder ein Eis kaufen sollen. Doch ich hatte keine Zeit, ich muss rausfinden, wo dieses „Einschicken“ ist und habe den Verdacht, dass ich auf meiner Reise dorthin dem Weihnachtsmann, dem Yeti und Loch Ness begegnen werde…

Schmackhafte Rezepte zur Zubereitung von Schweinehund gesucht

Ihr habt es gemerkt. Sehr wahrscheinlich indem Ihr Eure Handflächen wie Benedict Cumberbatch in seiner Rolle als Sherlock unter dem Kinn aneinandergepresst habt und für eine Weile in die Luft, aus dem Fenster oder die von schleichender Alopezie heimgesuchte obere Gesichtshälfte eines unbekannten Gegenübers in der U-Bahn starrtet. Dann habt ihr eins und eins zusammengezählt und Handy oder Tablet weggelegt und wusstet, dass es nur einen Grund dafür geben kann, dass die immerabgelenkt so lange nichts mehr gebloggt hat.

Nach dem letzten Buch wollte ich mit dem weitermachen, was ich immer mache: Weitermachen.

Als ich mir vor zwei Jahren beim Snowboarden den Arm verrenkt habe, saß ich mit zur Unbeweglichkeit festgetapter Schulter zwei Tage, nachdem mich der Rettungsdienst im Schlitten vom Gipfel transportiert hat, wieder im Lift nach oben. Das berühmte Hybridtier namens Schweinehund habe ich schon vor Jahren dazu abgerichtet sich selbst zu schlachten, in Portiönchen zu verpacken und bewahre es seitdem in kleinen Portionen im Tiefkühler auf. Wenn es sonntags ganz still in meiner Nachbarschaft ist und nicht alle 10 Minuten eine Bahn vorbeifährt, mache ich mich in meiner Wohnung bereit für die Zombie Apokalypse. Nicht, weil ich der Ruhe nicht traue. Ich finde Ruhe super, solange Ruhe mir Raum zum Reden gibt, während andere die Klappe halten. Wenn Ruhe aber bedeutet, dass ich auch nicht weiß, was ich sagen soll, dann wird mir ganz schwindelig.

Und genau das quält mich gerade. Das schreiben funktioniert gerade nicht so einfach, wie bisher. In den letzten Jahren hatte ich mehr Gedanken gleichzeitig in meinem Kopf, als zehn Finger in der Zeit zwischen Aufwachen und bewusstlos ins Bett fallen, in eine Tastatur hauen konnten. Nach Fertigstellung meiner Bücher war da immer noch mehr, dass ich hineinpacken wollte. Das auf Unendlichkeit angelegte Blogschreiben kam diesem Reflex entgegen. Aber jetzt sitze ich Minutenlang vor einem plötzlich zu grell auf meiner Netzhaut reflektierenden Bildschirm und denke „Achja. Naja. Hm. Also. Ich könnte ja. Ach nee. Achja“ oder einem Tweet und mir fehlen 140 Zeichen. Und dann gehe ich zum Kühlschrank, nehme die Tupperbox mit dem Schweinehund-Schnitzel in die Hand und überlege, ob Pommes oder Bratkartoffeln besser dazu passen.

Vor Kurzem habe ich mir ein Wochenende genommen… ach, seien wir ehrlich und hören wir auf Tatsachen zu verdrehen…mir WURDE ein Wochenende genommen, von meinem Computer… das ich nutzte um alles, was ich mal angefangen oder skizziert mir überlegt oder vielleicht sogar komplett zu Ende geschrieben, aber niemals jemand anderem zu lesen gegeben habe, zu sichten, aufzuräumen und zum Teil auch zu löschen. Ich zweifle nicht daran, dass Schreiben über Kurz oder Lang etwas ist, das ich wieder tun werde, das ich tun muss. Aber im Moment verfolgt mich der Gedanke: „Ist schon okay so.“

Und auch Ihr scheint euch an Schweinehundeschulter und –Koteletts überfressen zu haben, denn einer der häufigsten Suchbegriffe, die in meiner Statistik auftauchen ist die Formulierung:

„Braucht den Tag noch jemand, oder kann der Weg?“

Weniger häufig gesucht, aber auch schön, finde ich übrigens: „Barbie Kinderarbeit“. Ich glaube nicht, dass Barbie hier übernehmen kann, aber ja, dieser Tag kann jetzt weg. Und morgen starre ich nicht mehr in die Luft oder auf Menschen mit vermutlich erblich bedingten Haarproblemen und schreibe an neuen Geschichten. Außer wenn’s regnet. Wenn’s regnet sind alle Vorsätze außer Kraft und ich kann im Bett bleiben und Schweinhund-Bacon frühstücken.

Alleine lachen zur Psychopaten

Liebe Blogfreundinnen und -freunde,

wenn ihr in Düsseldorf oder Umkreis seid, zerrt eure Freunde, Familienangehörigen oder Geiseln heut Abend zur Vintage Fabrik in die Nordstrasse 4! Ja, Omma darf auch mit! Und Hunde müssen zwar draußen bleiben, dürfen aber durch die Scheibe zugucken, wie Frauchen drinnen Sekt trinkt und der Juliane dabei zuhört, wie sie ihr Buch vorstellt.

Foto/Gestaltung: Nathalie Herzhoff

Foto/Gestaltung: Nathalie Herzhoff

Ich freue mich sehr, wenn ihr mich da nicht im Schaufenster alleine sitzen lasst, sonst versteck ich mich unter einem der schicken Vintage-Tische und trinke den Begrüßungssekt alleine!

Bis heut Abend! Hoffentlich. Bitte. Bitttebitteebiitteeee….

Die Katzenbild-Kuratorin präsentiert: Katzen beim Kaffeetrinken

Vergesst das Schreiben und das Marketingen, ich werde Katzenbild-Kuratorin! Angeregt durch einen regen Austausch mit meiner Kollegin und einen wissenschaftlichen Artikel, wonach der Katzenbildkonsum demnächst wohl per Rezept ärztlich vorordnet werden könnte, stellte ich fest, dass die Welt der Katzenbilder bisher kaum sortiert und kategorisiert ist. Katzenbilder werden bisher viel zu häufig konsumiert und zu selten reflektiert! Ich möchte dieses Defizit angehen und darum startet ab sofort auf immerabgelenkt.de die „Ausstellungsreihe Katzenbild“, kurz AKB.

Ich  habe mir erlaubt den Kunstwerken angemessene Titel zu geben. Den Auftakt macht ein Einblick in intime Nachmittagsszenen. Ich präsentiere:  „AKB: Katzen beim Sonntagskaffee“  und gebe alle Aufmerksamkeit nun an die Exponate weiter:

Titel: „Tea Time is me(auuu)-time“ Künstler/Quelle: http://images5.alphacoders.com

Titel: „Tea Time is me(auuu)-time“
Künstler/Quelle: http://images5.alphacoders.com

Titel: “Two Cats, Two Cups” Künstler/Quelle: http://www.copycatfilms.com/

Titel: “Two Cats, Two Cups”
Künstler/Quelle: http://www.copycatfilms.com/

Titel: “Graues Gift“ Künstler/Quelle: http://now-here-this.timeout.com

Titel: “Graues Gift“
Künstler/Quelle: http://now-here-this.timeout.com

Titel: „Alleintrinkerin!“ Künstler/Quelle:  http://www.laureden.com/

Titel: „Alleintrinkerin!“
Künstler/Quelle:  http://www.laureden.com/

Titel: „Kapitalistischer Kalorienbombenkomet mit Karamellgeschmack“ Künstler/Quelle: http://www.funnycutepics.com/

Titel: „Kapitalistischer Kalorienbombenkomet mit Karamellgeschmack“
Künstler/Quelle: http://www.funnycutepics.com/

Ich danke für die Leihgaben. Weitere Ausstellungen folgen. Anregungen sind willkommen, Kaffee auch. Künstler_innen können mir gerne ihre Katzenbilder als Leihgabe schicken. Bitte schicken Sie keine ganzen Katzen.

I need an Army! Oder doch Drachen? Oder einfach nur ein paar Gratisbücher?

Die letzte Folge der fünften Staffel von Game of Thrones ist ausgestrahlt, doch das Rad dreht sich endlos weiter, auch wenn ich mich anderen Hobbies widme. So überlege ich für SO SEIN WIE SIE eine Leserunde bei lovelybooks.de einberufen. Ein Rat bestehend aus Rezensenten, die für ein paar Freiexemplar meines Romans, ihre wertvolle Zeit und Energie widmen, klingt ganz großartig.

Doch zuerst machte ich mich schlau. Wie funktioniert lovelybooks? Sehr einfach: Einloggen, Leserunde-Button-Klicken, Freiexemplare verschicken und auf Rezensionen aka Aufmerksamkeit warten. Aufmerksamkeit ist die Münze unserer Zeit. Je mehr Leute über SO SEIN WIE SIE sprechen, desto mehr hören davon, desto mehr könnten es kaufen. Dafür müssen auch gar nicht alle Meinungen zum Buch positiv sein. Denn für alles, was irgendjemand scheiße findet, findet sich jemand, der es gut findet, nur weil es jemand anderes scheiße findet.

Das Internet lobt die Lovelybooks Leserunden. 165.000 Mitglieder ständen dort als mutige Söldner bereit, um das Thronrecht des meistbietenden zu erkämpfen. Und da liegt das Problem. Denn das Gesetz der lovelybooks-Thronspiele lautet: Von viel kommt viel. Das machte mir der Klick auf die Seite angebotener Leserundenexemplare deutlich. Während andere Autor_innen und Verlage normalerweise zwischen 10 und 30 Bücher verschenken, haut Heyne einfach mal 370 kostenlose Leseexemplare raus.

lovelybooks_Leserunde

Ein solches Heer, kann ich mir als Indie-Autorin nicht leisten. Aber ist das auch wirklich nötig? Reichen vielleicht auch 20 gute Männer (und/oder Frauen), die hier und da ein paar Feuer legen? Oder reichen 10, die eine Mauer hoch klettern können? Oder geht nichts ohne Drachen?

Ich brauche euch, liebe Blogleser und Blogleserinnen, wie können wir das Rad aufhalten?  Und kann mir jemand ein paar Dracheneier schicken?

Paracetamol statt Strandparty: Nicht jede, die schwitzt, macht Ferien…

Während Vögel erst im Winter gen Süden ziehen, tun es die Deutschen in den Hauptsommermonaten Juli und August. Die Sommerferien nahen und damit die Zeit, in der wir über die hiesige Hitze stöhnen, die Adilette auf’s Gaspedal drücken und ab nach Spanien, Italien oder zum nächsten Flughafen flüchten. Am Reiseziel merken wir, dass es ja dort noch viel heißer ist als bei uns und mit einem Hitzschlag sind wir im „Ich-beweg-mich-keinen-Zentimeter“-Modus.

Normalerweise werde ich erst im Urlaub krank, weil ich neben Abschmink- und Sonnencreme auch immer vergesse mein Immunsystem mit in den Koffer zu packen. Nun liege ich schon vor den Ferien bewegungslos rum und schwitze, leider nur vom Fieber. Mit Schirmchen und buntem Strohhalm in meinem Hustensaft versuche ich mich selbst zu täuschen. Ich rede mir ein, die Krangeräusche der Baustelle nebenan seien Meeresrauschen. Aber mit jedem „Ey Uwe!“ von draußen, werde ich aus meinem Südseeträumen gerissen.

Ich hörte von Menschen, die zur Reise in eine gefühlte Ferne durch Computerspielwelten spazieren, Selfies mit Zombies machen und einfach Kräuter statt Kills sammeln. Ich bin ganz schlecht im Gärtnern, zum Spazieren zu müde und die Verwechslungsgefahr zu laufenden Dahinwesenden ist gegeben. Pinterest habe ich durchgespielt und alle exotischen Reiseziele auf meiner Pinnwand und in meinem Kopf abgespeichert. Schon vor dem Sommerurlaub habe ich alles gesehen, was man in dieser Welt nur sehen kann.

Darum suche ich nach neuen Zielen; Welten zum Ausspannen und kehre zu meinem Lieblingsmedium zurück: Dem Buch. Ich verkrieche mich ganz ohne Gepäck in meinem Kindle bis die Grippe vorüber ist. Falls ihr das auch tun wollt, hat die Kölnische Rundschau eine nette Sommerbuchempfehlung für euch. 🙂

Artikel_KölnischeRundschau02

Das ist keine Kinderarbeit, die spielen nur

In meinem Umfeld tauchen immer mehr neue Menschen auf. Menschen, die vorher nicht da waren und in mein Leben treten, indem sie aus anderen Menschen gepresst werden. Einige werden auch rausgeschnitten. Meine Verstörung über diesen Prozess überspiele ich mit Gratulationen und Geschenken. Das bringt mich dazu neue Einkaufswelten zu betreten. Ich sage neu, denn die heutigen Spielwarengeschäfte haben nichts mit den Kleinstadt-Lädchen zu tun, in denen ich als Kind meine kleinen, schmutzigen Fäuste auf den dreckigen Fliesenboden schlug, während ich bitterlich weinte, weil ich sich die Türen des Spielzeugporsches nicht öffnen ließen. Ich war in großer Trauer darüber, dass die Spielzeugporsche-Entwickler so dumm waren. So konnte doch niemand einsteigen!

Putzen statt im Dreck toben

Als ich vor einigen Tagen in einem Spielzeuggeschäft war, kam ich gar nicht bis in die Automobilabteilung. Fasziniert blieb ich vor dem mir bisher unbekannten Haushaltswaren-Spielwaren-Regal stehen. In dem als „Mädchenwelt“ beschilderten Bereich standen nicht nur Küchen, die denen bei IKEA in Ausstattung und Preis in nichts nachstanden, sondern auch Putzutensilien für’s Kinderzimmer: Staubsauger, Wischeimer und das State-of-the-Art, Hightec Toy „Besen“, mit Holzstil und roten Borsten.

Bildquelle: Amazon.de

Auch in die kleinste Hand passt noch ein Staubsauger

Für Barbie gibt es inzwischen ein Päckchen auf dem „Wohnaccessoires“ steht. Bei Barbie war schon immer alles Accessoire, vom Pony bis zum Mann. Vermutlich aus berechtigter Rache hat ihr darum jemand die folgenden „Accessoires“ verpasst: Eine Handstaubsauger, eine Bürste, eine Sprühflasche mit Putzmittel und ein Raumspray. Ich weiß nicht, was nutzloser ist: Barbie oder Raumsprays.

Bildquelle: Amazon.de

Wenn du fertig bist mit putzen, mach doch bitte noch meine Steuererklärung

Endlich verstand ich meine Freundinnen. Ich war begeistert von diesen Entdeckungen im Spielwarenfachgeschäft. Bisher wollte ich eigentlich keine Kinder in meiner Wohnung, aber ich brauche dringend eine Putzkraft und nun kann ich mir eine ganze Schar von kleinen Füßen vorstellen, die mit Wischmops und Besen durch meine Küche trappelt. Und die kompakten Arbeitskräfte können scheinbar noch mehr. Zwei Regale weiter im Geschäft standen kleine pinke Locher und Aktenordner. Scheinbar outsourced man heute nicht mehr nach Indien sondern ins Kinderzimmer.

Ein Erdmännchen, das die Wärmelampe nutzt, um sich ein Steak zu grillen

Von chinesischen Horoskopen bis hin und zu Tierkreiszeichen, ich mag animalische Zuschreibungen. Mit Freude sortiere ich Menschen in Zoogehege und Heimtiergeschäftsgänge ein. Bei manchen drängt sich dies weniger auf, andere wären im Affenkäfig innerhalb von wenigen Minuten voll integriert und bekämen von den Zoobesuchern Bananen zugeworfen. Im Nachgang zu meiner ersten Lesung am vergangenen Donnerstag, erfuhr ich, wo ich in dieser Wildnis stehen würde.

Ich bin ein T-Rex-Erdmännchen. Darum versage ich auch immer bei Liegestützen… Sobald ich auf der Bühne stand und die großen, wärmespendenden Scheinwerfer auf mich gerichtet waren, streckte ich meine Brust raus, presste meine Oberarme an meinen Oberkörper und gestikulierte nur noch mit den Unterarmen und Händen. Die Show kam insgesamt dennoch gut an, oder auch grade deswegen. Man bekommt ja nicht oft ein T-Rex-Erdmännchen zu sehen, dass angetrunken aus seinem Roman liest!

Ich danke allen, die da waren, mir zuhörten und mich anschließend auf meine Verwandtschaft zu prähistorischen, fleischverfressenden Nagern aufmerksam gemacht haben von ganzem Erdmännchenherzen!

Wie das so ist, mit seltsamen Artenkreuzungen, toure ich dann demnächst weiter durch die Lande. Mein persönlicher Lesezirkus macht als nächstes Station in Düsseldorf. Wann genau ich dort mein Zelt aufstelle, ist noch nicht ganz klar. Aber ihr könnt ja schon mal eure Wärmelampen aus dem Keller holen.

Das Beweisbild. Authentisch verwackelt, wie es sich für Aufnahmen von einer zum ersten Mal gesichteten Spezies gehört.

Das Beweisbild. Authentisch verwackelt, wie es sich für Aufnahmen von einer zum ersten Mal gesichteten Spezies gehört.

BUCH-BOTSCHAFTER als ENTZUGSHELFER GESUCHT

Liebe Buchbloggerinnen und Buchblogger, Literaturexperten und Klugscheißer,

Foto/Gestaltung: Nathalie Herzhoff

Foto/Gestaltung: Nathalie Herzhoff

euer Moment ist gekommen. Ich brauche eure Meinungen, eure Kommentare, eure Kritik. Positive Anmerkungen zu meinem neuen Roman sind mir lieber, aber auch eure konstruktive Kritik nehme ich mir zu Herzen, oder zur Leber, je nachdem wie konstruktiv ihr so werdet….

Aber ich brauche euch dringend, denn bei Amazon gerät mein eBook grade in ganz üble Gesellschaft. In der Vorschlagsseite „Kunden kauften auch…“ lungern einige verdächtige Gestalten um mein Buch herum. Darum helft mir mein Buch an schönere Orte zu bringen, wo es sich im Entzug erholen kann!

Werdet meine Booky Ford Kliniken und nehmt SO SEIN WIE SIE auf euren Blogs auseinander. Dafür gebe ich auch gerne digitale Rezensionsexemplare raus, beantworte Fragen und bin zu jeder Schandtat bereit, die dem Buch hilft, aus dem düsteren Milieu, in das es grade triftet rauszukommen!

Hier geht’s zum Buch auf Amazon: http://amzn.to/1GuTMgd

Wenn ihr Buchbotschafter werden wollt, schickt mir eine Mail an info@brand-satz.de

Und jetzt hoch die Seiten!

Und jetzt mal alle ebook-Reader in die Luft!! Es ist Welttag des Buches! Und das müssen wir feiern, denn in drei Tagen ist der Spaß schon wieder vorbei. Dann ist nämlich Tschernobyl-Gedenktag. Zum Glück kommt danach schon bald der Tag der Arbeit, an dem man sich fern der Arbeit erholen kann. Fast jeden Tag gibt es, folgt man den „Aktionstag“-Kalendern, irgendwas zu feiern oder zu gedenken.

Im groben unterteilen sich die Tage in drei Kategorien:

  1. Anerkannte Feiertage, an denen sich alle beschweren, dass man heute nicht einkaufen gehen kann
  2. Feiertage, die durch Einsatz bunter Luftballons dazu anregen mehr einzukaufen, zum Beispiel heute das hier: SO SEIN WIE SIE
  3. Feiertage, die an eine Zeit erinnern, in der es kaum was zu kaufen gab

In Anbetracht dieser Auswahl bin ich mit dem Welttag des Buches sehr glücklich. Das bin ich aber auch mit jedem Tag, solange er kein Montag ist.

PS: Einen Welttag des Schleichwerbung gibt es auch noch nicht. Datumsvorschläge sammele ich gerne!

Schöner und schlanker dank Kopftransplantation!

Science-Fiction braucht neue Maßstäbe. Während meiner kurzen Abwesenheit habe ich verpasst, dass wir uns in einem neuen Zeitalter befinden. Denn eine schaurige, aber spannende Meldung ging um die Welt: menschliche Kopftransplantationen sind bald möglich. Ganz bald. Ab 2017. Also sollten sich schon mal alle, die ihren Kopf auf einen anderen Hals verpflanzen lassen wollen anstellen. Da hinten sehe ich auch schon die Schlange, neben der Schlange zum Hipster-Essen-auf-Rädern aka Food-Truck.

In den 70er Jahren waren bereits Transplantationen von Affenköpfen gelungen. Das Thema ging parallel zum Aufkommen des Aerobic-Trends unter. Für lange Zeit sprach man darüber sich von lästigen Kilos zu trennen, aber wollte sich nicht gleich des gesamten Körpers sans tête entlösen. Nun verspricht der italienische Neurowissenschaftler Sergio Canavero schon in nahbarnaher Zeit könne er menschliche Köpfe auf menschliche Körper transplantieren. Er denkt dabei natürlich ganz moralisch integer an die Rettung von Unfallopfern und Schwerkranken. An sowas dachten die Erfinder von Botox auch.

Wenn wir also sowieso schon in der Zukunft sind, können wir auch richtig loslegen. Ich stelle mir die Kopftransplantation der Zukunft in Form eines nützlichen Ansteck-Systems vor. In meinem Kopf erscheint dabei das Bild einer Kamera, an der man die Objektive auswechselt. Reinstecken, um ein paar grad nach links drehen und Klick, der neue Körper ist angeschlossen. Daraus ergibt sich für mich folgende Konsequenz: Ich brauche einen Körperschrank, statt meines Kleiderschrankes oder zusätzlich? Ich fürchte eine so große Wohnung kann ich mir in Köln nicht leisten. Aber zurück zu den wichtigen Fragen: Stapeln, Legen oder Aufhängen? Zerknittern nicht zusammengefaltete Körper? Und muss ich mit dem Körper zusätzlich noch das Outfit wechseln? Dann brauche ich ja noch länger, bis ich morgens aus dem Haus komme. Und kann ich die Körper einfach online bestellen oder probiere ich erst im Laden an? Wie funktioniert das Umtauschrecht? Und was ist mit der Garantie? Und wie wirkt sich diese Möglichkeit auf Tinder aus? Kann man dann überhaupt noch einschätzen, was man gewischt bekommt? Fragen über Fragen. Aber noch haben wir ja zwei Jahre Zeit um uns darüber die Köpfe zu zerbrechen.

Rumreisen, Rum trinken und rumreden mit Leuten, die Rum machen

Ich war lange nicht hier. Warum? Weil ich weg war. Nicht einfach weg von diesem Blog, sondern weg, weg. Nein, nicht im Koma, sondern in der Karibik, aber nicht einfach zum Spaß und Sonnen, sondern zum Trinken. Ich hab ein den letzten Wochen knapp 70 unterschiedliche Rum-Sorten getrunken. Manche waren gut, andere waren besser und manche machten es schwierig sich später daran zu erinnern, wie sie waren. Das ganze hatte den wichtigen Zweck mich auf meine bevorstehende Aufgabe als Gastgeberin der www.rumcommunity.de vorzubereiten.

Ich habe meine Hausaufgaben gemacht und hatte zu wenig Zeit und Wifi unterwegs, um euch auch hier auf dem Laufenden zu halten. Dazu kam, dass es in der Karibik keiner Ablenkung bedarf. Ohne übertriebene Effektivität ist Eskapismus absurd. Ich bin erst knapp 24 Stunden wieder in Deutschland und noch ganz überfordert mit der hiesigen Effizienz. Dennoch kann ich euch gerne mit Katzenbildern aus der Karibik unterhalten oder noch besser, mit Schildkrötenbildern! Ich glaube ja, dass Schildkröten die neuen Katzen sind:

immerabgelenkt_karibik2

Umso dankbarer bin ich, dass ihr euch, während meiner Abwesenheit dennoch gut auf immerabgelenkt vergnügt habt. Die Suchanfragen, die neue Menschen auf mein Eiland spülten sind es jede für sich wert auf ein T-Shirt gedruckt zu werden oder als Tattoo der rechtmäßige Nachfolger des berühmten Arschgeweihs zu werden. Vielen Dank liebe Internetler für diese schönen Welcome Back Begrüßungsworte:

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Neue Vox Show „Politik Queen“ – FDP versucht mit pinken Accessoires die maximale Punkteanzahl zu holen

„Ditt hätt isch dir auch mit Paint machen können, für’n Zwanni,“ werden nicht wenige Betrachter des neuen FDP-Logos dieser Tage sagen. Denn es ist enthüllt. Und mein Nacken tut vom Kopf skeptisch nach links und rechts legen inzwischen weh. Ich weiß einfach nicht wohin die, die sich bis dato Liberale nannten, sich nun aber Freie Demokraten auf‘s wehende Fähnchen schreiben, hin wollen. Vielleicht zu Zielgruppen, die keine fremdwortartigen Begriffe mögen?  So steht nun Blindtext statt Lorem Ipsum auf der Parteirepräsentanz.

Aber bevor man meckert, muss man sich ja eigentlich fragen,

  1. was die FDP mit einem neuen Logo hätte richtig machen können und
  2. was dabei offensichtlich alles falsch lief.

Die Antworten: a) nix und b) Schulterzucken. Wir waren schließlich nicht dabei.

Sprechen wir also lieber über a) und den damit verbundenen Allglauben an die Kraft neuer Logos. Spiegel Online untertitelt „Mit der frischen Optik wollen die Liberalen 15 Monate nach dem Bundestags-Rauswurf moderner und sympathischer wirken.“

Es ist doch wunderbar anzunehmen, dass sich mit einem Rebranding einfach die verbrannte Erde unter den Teppich kehren lässt, während man im Anschluss den Bodenbelag raus reißt und austauscht. Oder ist dies das gesamtsoziale Äquivalent zur Midlife-Crisis, in der man sich unter Einsatz neuer D-Körbchen oberflächlich eine Jugendlichkeit zurückholt, die man vor 20 Jahren gar nicht hatte? So oder so, ich fürchte ein bisschen rosa Lipgloss reicht für eine neue FDP nicht aus, aber das Make-Over scheint ja erst in seinen Anfängen.

Ich bin gespannt auf die große Vorher-Nachher-Show. Die sehe ich beim mentalen Zappen bereits im Nachmittagsprogramm bei Vox. Im rosa Shopping-Queen Bus fahren die Parteivorsitzenden durch die Welt und suchen nach einem passenden Outfit zum Thema: „Modern und sympathisch – Erfinde deine politische Identität neu und sei damit der Hingucker bei der nächsten Landtagswahl“. Dazu wird Maybrit Illner  von der Seite visuell eingeschossen und kommentiert die Versuche, wie dieser Zeit Guido Maria. Und die Protagonist_innen der Show rennen hektisch umher und schreien: „Haben wir noch Zeit? Wie viel Geld haben wir noch?“

Auch bin ich höchst gespannt, wie viele Punkte die FDP mit dem Magenta Logo Accessoire holen kann und ob ihnen nach dieser Anschaffung noch genug Geld für’s Styling bleibt. Ich bleibe dran und genieße die Werbung.

Mehr als versetzungsgefährdet. 2014 ist durchgefallen.

Wir befinden uns in der besten Zeit des Jahres, in der Zeit der Zusammenfassungen. Wer die letzten 363 Tage verschlafen hat, braucht nur jetzt aufzuwachen und für die verbleibenden 36 Stunden eine beliebige Zeitung runterzuscrollen oder TV-Sendung livezustreamen, um im großen 2014-Rückblick mit mindestens 3+ zu bestehen. Während das Jahr ausläuft, wie ein kaputter Jogurtbecher in einem Fünftklässlerrucksack, schauen alle weiter auf die Bildschirme, in denen die Ereignisse bereits vor Tagen, Wochen und Monaten in Echtzeit an ihnen unbemerkt vorübertickerten. Das meiste konnten wir nicht fassen, als es passierte und auch jetzt landet alles nur kurz im mentalen Zwischenspeicher.

Meine persönliche Speicherplatte ist so voll, wie ich in der Neujahrsnacht zu sein plane. Dabei plagt mich eine Eigenheit: Ich kann nichts vergessen. Verdrängen geht super, aber vergessen so gar nicht. Das war früher super, um auch ohne die Zusammenfassung nochmal zu lesen eine 1- zu bekommen, aber heute ist es eher lästig. Denn ein Erwachsener Mensch unserer Zeit braucht sich nichts zu merken. Er/Sie hat für alles eine App oder eine andere technische oder humane Assistenz. Man müsste sich eigentlich mit nichts mehr langfristig beschäftigen, sondern könnte einfach alles ungespeichert verwenden und vernichten.

Mein Kopf stammt aber aus anderen Zeiten und passt sich nicht an. Ich erinnere mich an viel mehr als die meisten Menschen und viel mehr, als notwendig oder sinnvoll oder gut für mich ist. Fragt man mich, wo ich am 14. Oktober um 9.45Uhr war, kann ich darauf ohne zu überlegen antworten. Ich erinnere mich daran, wo ich war, mit wem ich wo war, was ich an hatte, was ich gesagt habe, was andere Menschen gesagt haben, und wie sie es gesagt haben und wie wütend ich war, als ich mit der sexistischen Kackaussage konfrontiert wurde: „Ich habe nichts gegen Frauen.“

Und so erinnere ich mich an jedes einzelne Arschloch, das mir 2014 einer meiner bisherigen 363 Tage vermiest hat. Entgegen der Behauptung im Rückspiegel lässt die Nostalgie die Karambolagen des letzten Jahres weniger blutig wirken, läuft hier in meinem Fall nur immer der gleiche Horrorfilm. Das Murmeltier grüßt mich jedes Mal, mit derselben unretouchierten Realität, wenn ich an zurückliegendes denke.

Zu meinem Glück gab es auch viele erfreuliche Tage 2014, aber ich freue mich doch sehr darüber, dieses Jahr nun zu den Akten legen zu können. Adieu 2014, du hast dich sehr bemüht, aber alles in allem waren deine Leistungen nicht ausreichend und so wird das nichts mit der Versetzung ins nächste Jahr. Am besten du räumst schon mal deinen Platz und wisch doch bitte, wenn du gehst, noch die Schweinerei weg, die du hinterlassen hast.

Warum Google keine Kinder hat

Zu sagen „Es gibt einen neuen Trend im Internet“ ist in etwa so neuigkeitenwertig, wie zu sagen „Wenn das Licht aus ist, ist es dunkel“. Trends und das Internet gehören zusammen, wie Karneval und Pappnasen, wie Postbote und Nicht-Da-Sein, wie  Ferromagnetismus und Ising-Modell.  Und eigentlich gehört auch fest zusammen, dass ich mich Trends widersetze. Das tue ich allein aus Zeitmangel und/oder Faulheit, manchmal auch aus schierer Ignoranz.

Doch diesmal ist der Trend sooo einfach, dass selbst ich mitmache. Die Aufgabe: Googele deinen Namen und „Meme“ und poste das erste Bild, das daraufhin erscheint. Aber schon Shakespeare fragte sich, was so ein Name eigentlich ist und nutze bekanntlich, womöglich einen Künstlernamen. So spielte ich das Spiel in 3 Phasen.

Einmal mit meinem Geburtsrufnamen „Juliane“:

Well played Google, well played, fast getroffen. In Level 2 folgte mein zweiter Vorname und ich erhielt ein Bild vom Herrscher über Nordkorea. Dieses Bild werde ich, um mich vor diesem Diktator und der Nennung bei meinem zweiten Vornamen zu schützen, nicht veröffentlichen.

Beim dritten Versuch nutze ich den Namen, mit dem mich meine Freundinnen und Freunde ansprechen:

Und jetzt? Jetzt ist das Spiel auch schon vorbei. Eigentlich blöd, oder? Bob Kim Motherfucker wäre doch ein Name, der erhalten bleiben sollte. Bob Kim Motherfucker klingt nach der nächsten Generation von Finns und Noels! Ich fühle mich gleich viel cooler. Danke Internet, danke dafür. Das habe ich heute auch gebraucht.

Was Frauen wollen – Annäherungen über das Ausschlussverfahren

Statt Dates sammelt Pick-Up-Artist Julien Blanc grade Einreiseverbote; weil er ein Oberarschloch ist und gewalttätig. Derweil muss sich Massenmörder Charles Manson zwischen personalisierten Servietten und Tischkarten entscheiden. Seine Hochzeit mit einer attraktiven, jungen Frau, hat Onkelmaike dazu bewegt, über die Gründe nachzudenken und zu schreiben, die zu so einer Zusammenkunft führen und sieht vor allen die Unverfügbarkeit als entscheidendes Kriterium.

Ich frage mich, durch diese Häufung der Fälle motiviert, ob wir grade gesamtgesellschaftlich die nächste Stufe von „Frauen wollen Arschlöcher“ erreichen. Nehmen wir uns dazu die These als solche vor: „Frauen wollen Arschlöcher.“ Ich bin eine Frau und als Teilnehmerin am sozialen Alltag häufiger als es mir lieb ist, umgeben von Arschlöchern (, die sich mir in beiden Geschlechtern präsentieren. Ich spreche von beiden Geschlechtern, weil ich glaube, dass man nicht Frau und Mann und Arschloch zugleich sein kann. Bei der unmöglichen Dreifaltigkeit muss also ein Geschlecht wegfallen oder das Arschlochsein, sonst geht die Rechnung nicht auf. Das ist Mathematik, das könnt ihr gerne nachrechnen. Wenn ihr nicht auf das gleiche Ergebnis kommt, hab ihr was falsch gemacht.)

Kommen wir zurück zur Problemstellung. Als Frau komme ich also fast täglich in Kontakt mit Arschlöchern und kann darum empirisch belegen, das ich mich zu diesen Personen nicht hingezogen fühle. Nicht einmal, wenn sie gut aussehen, obwohl ich mir wirklich Mühe gebe oberflächlich zu sein. Mich regen derartige Begegnungen nur dazu an, mich zu Hause einsperren zu wollen und der kalten, gemeinen Welt den Rücken zuzukehren. Man könnte nun die Vermutung aufstellen, ich sei eine Ausnahme. Ähm, nö. Ich bin durchschnittlich alt für eine Frau meines Alters, durchschnittlich groß für eine Frau meiner Größe und darum auch durchschnittlich hingezogen zu Arschlöchern. Das ist absolut repräsentativ.

Woher kommt aber dann dieses Vorurteil mit dem wir hier zu kämpfen haben? Vielleicht selbst vom Objekt im Satz, dass diese Lüge propagierte, bis sie zur unhinterfragten Redewendung wurde, so wie die Sache mit dem Teller aufessen. All jenen, die ihr diesem Scherz aufgesessen seid: Eure Essgewohnheiten haben keinen Einfluss auf das Wetter. Im Stille-Post-Modus wurde aus einem dummen Spruch ein noch dümmerer. Eigentlich hat man früher angeblich nur gesagt, dass es morgen wieder was Schönes gibt, wenn man aufisst und wenn nicht, dann eben nicht, dann gibt’s das selben eben nochmal, aufgewärmt – was ja eigentlich widerlegt, dass das heutige schön war, wenn man es aufgewärmt nicht nochmal essen will… aber Logik ist ein anderes Thema.

Was könnte also eigentlich hinter dem Ausspruch gestanden haben? Was könnten Frauen eigentlich wollen? Welches tatsächliche Thema liegt dieser Verwechslung zu Grunde? Hat sich da auch jemand nicht dialektfrei ausgedrückt und sagte eigentlich: Frauen wollen antike Schlösser? War das so? Ich würde eins nehmen. In Südfrankreich gerne, oder sonst irgendwo, wo es warm ist. Nicht Neuschwanenstein. Das ist zu kitschig und ich bin nicht gerne auf Fotos.

Aber denken wir noch einen Absatz länger darüber nach. Schauen wir nochmals auf das Subjekt im Satz, auf mich. Man sagt meiner Spezies ja gerne nach, dass wir unsicher in Bezug auf unser eigenes Verlangen zu sein haben. Dann ist es natürlich ein freundliches entgegenkommen, wenn man uns sagt, dass Frauen Arschlöcher wollen. Demnach ist das ganze  nur ein Angebot, das ich gerne mit „Nein, danke“ ausschlage.

Warum Online-Shopping tot ist

… oder es zumindest mal jemand zur Strecke bringen sollte! Dies ist keine Drohung, sondern eine Bestellung!

Die Weihnachtsmärkte haben noch nicht eröffnet und mein Fest ist schon ruiniert. Darum mache ich mir grade selber Glühwein, als Wärmequelle nutze ich dafür meine flammende Wut. Denn es war einmal eine naive Immerabgelenkt, die sich dachte: „Dieses Jahr bin ich mal früh dran mit den Geschenken.“ und fleißig im Internet zusammensuchte, womit sie glaube ihrem Liebsten eine Freude machen zu können. Klick und angucken. Klick und in den Warenkorb legen. Klick und nochmal vergleichen. Klick und nochwas in den Warenkorb, weil sich mehr Geld ausgeben besser anfüllt als Versandkosten zahlen. Klick und die Bestellung ist abgesendet. Und ich dachte wirklich, nun sei alles gut. Aber nein, diese wahre Weihnachtsgeschichte hat kein Happy End.

Der Grinch hat einen neuen Namen: Re-targeting. Als nur Stunden nach meinem grandiosen Zeitsieg gegen den Adventsstress der Beschenkte das „Device“ nutze, das wir, ganz digital nativistisch „sharen“ (liebe Frauen, die ihr denkt eine gemeinsame Wohnung sei eine große Sache in einer Beziehung, lasst mich euch sagen: Wahre Liebe ist, wenn man von „unserer“ Browserhistorie spricht.), sah er, was ich gekauft hatte, eingeblendet auf jeder einzelnen Seite, die er besuchte und sogar in allen Apps. Hätte ich die Historie nach der Bestellung gelöscht, hätte das auch nichts gebracht. Denn Re-Targeting ist fieser, viel, viel fieser. Re-Targeting bedeutet, dass ein Ziel immer und immer wieder beschossen wird, auch wenn es längst am Boden liegt und ausblutet. Geschossen wird mit der schlimmsten aller Munitionen: Werbung. Und dabei geht das Marketing dahinter so unerbittlich vor, wie die IS. Geheimnisse müssen der Möglichkeit auf mehr Umsatz weichen. In Zukunft wird Weihnachten nicht mehr daraus bestehen, dass wir Kekse backen, sondern Cookies löschen.

Nun könnte man meinen die Technologie hat es nicht so gemeint. Sie konnte ja nichts dafür. Doch kann sie. Sie ist ein fieses Miststück, ein Arschloch, eine dreckige, miese ***************************************************************************************************************************************************************************************************/ZENSIERT. Diese These habe ich experimentell erforscht. Ich hab nämlich einige Tage nach dieser Tragödie, Verlauf und Cookies entfernt und begonnen mir im Internet Dinge genau anzusehen, die ICH mir wünsche. Ich hielt das für ziemlich clever. Doch die Maschinen haben mich durchschaut. Statt Einblendungen des Sportwagens, den ich so gerne hätte, bekommen wir jetzt Empfehlungen für günstige Kredite….

Ein Klugscheißer ist Re-Targeting also auch noch. Wenn das mit Weihnachten also noch was werden soll, muss ich echt raus gehen, in die Innenstadt. Igitt. Nicht mehr heute. Nicht bevor die Glühweinbuden öffnen.

Ich bin doch keine Weltuntergangswohlfahrtsgesellschaft!

Kinder, der Weltuntergang wird leider abgesagt. Warum? Weil ihr ein faules Pack seid (!!); mit Ausnahmen, aber von diesen Ausnahmen fühlen sich ja doch nur die angesprochen, die eigentlich beschuldigt sind! Knapp 1000 Besucher haben sich auf immerabgelenkt.de seit meiner Doodle-Anfrage für eine Apokalypse eingefunden und nur 16 Leute haben sich die Mühe gemacht, das Ganze mal mit ihrem Kalender abzugleichen und sich einzutragen. Und wer weiß, wie viele von dieser kleinen Truppe dann bereit sind aktiv mitzuarbeiten.  Aus Erfahrung schätze ich: Keine 10 Prozent und von denen werden kurz vorher nochmal 0,6 Personen krank und zum Schluss muss ich doch wieder alles ganz ganz alleine machen! Und was hat denn der Rest von euch vor? Mit dem Handy rumstehen und Fotos schießen?

Das ist nicht mal eben ein Picknick, so eine weltweites Ende! Da gibt’s es Verordnungen und Richtlinien, die man einhalten muss, Kosten, die man verteilen muss, Reiter, die man buchen muss und die nicht billig sind, Cupcakes, die man backen muss und die thematisch passend sein sollten, Eis für die Kaltgetränke und Extrazeugs für Allergiker_innen und lauter Menschen die man anrufen muss und Hinweisschilder, die ich verliehen habe und nun weiß ich nicht mehr, wer sie hatte. Und darum gibt es keine Apokalypse! „Wenn ihr weiter so tut, als wäre nichts, dann wird auch nichts!“  meine Omma hatte ganz recht…