Sparsamkeit statt Spannung bitte

Obwohl ich selbst immer wieder normwidrig mit unseren schönen Sprache und ihrer Zeichensetzung umgehe, übe ich gerne Kritik an der Verwendung bestimmter Begriffe, Idiome und der Verwendung meines Vornames am Anfang einer Aufforderung ohne vorgestellte verfreundschaftelnde Begrüßung. Die Bezeichnung für ein derartiges Handeln darf man übrigens ganz Definitionsgerecht als Doppelmoral benennen. Im Moment umschwirrt meine Ohren wieder ein Wort, das ich so häufig bar jedes Kontextes vernehmen muss, dass ich beginne es auch ganz kontextfrei als Füllwort in meine Sätze integrieren. „Spannend“ ist nicht erst seit kurzem en vogue. Doch zur Zeit hat dieses Wort eine verbale Reproduktionrate  in meinem beruflichen Umfeld, an die nicht mal Kaninchen im Kölner Grüngürtel  ran reichen.

Immer häufiger ertappe ich mich dabei, wie ich Dinge mit dem Adjektiv beschreibe, die jeglicher Spannung von Natur aus entbehren, zum Beispiel meine Arbeit. Da ich weder Unfallchirurgin noch Kommissarin bin, ist das, was ich mache nun wirklich nicht „spannend“. Für Spannung in meinem Alltag, müsste ich schon die Finger in die Steckdose halten. Dennoch reden alle mir und sich ein. „Total spannend.“ „Ein ganz spannendes Projekt.“ „Wir sind da in einem ganz spannenden Prozess.“ „Ich bin total gespannt,…“. „Das stelle ich mir spannend vor.“

Nein. Nein. Nein. Nein und wirklich nein.  Solange hier jemand aus ungeklärten Gründen zu Tode kommt, gibt’s hier keine Krimis zu erleben. Das Wort ist derweil in meiner Wahrnehmung verbraucht. Statt spannend höre ich: „Es gibt eigentlich keine Grundlage für unser Gespräch über dieses Thema. Alle Aufgaben sind verteilt und alle Ziele festgelegt, aber um dennoch den Mund nicht schließen zu müssen, aus Angst, dass über die Nase vielleicht nicht genug Sauerstoff in die Lunge kommt, sprechen wir weiter und versichern uns gegenseitig unserer Motivation hinsichtlich der Sache, über die es nichts mehr zu sagen gibt, aber der wir zustimmen. Und während wir weiter so vor uns hin spannen, passiert ja vielleicht tatsächlich was, das dem Adjektiv gerecht wird. Vielleicht wird ja grad draußen eins der Kaninchen von einem Hund gejagt und so eine Treibjagd ist ja immerhin ein Ereignis mit unbekanntem Ausgang und das ist nun wirklich etwas, dass spannend ist. Bis so etwas passiert, behalten wir das Wort im Sprachgebrauch, damit wir es auf der Zunge haben, wenn wir es gebrauchen können.“

Fortsetzung folgt….

Nein, nicht wirklich, ich wollte es nur spannend machen.  Die Geschichte ist hier zu Ende.

Gut tun, gut aussehen und gut Gemeintes…

Zusammen mit Onkel Maike werde ich demnächst einen Sonntag lang Gutes tun. Naja, vermutlich keinen ganzen Sonntag. Erstmal werde ich ausschlafen, weil ich beim Gutes tun auch gut aussehen will, und dann machen wir das auch nur so lange bis unsere Wohltätigkeit alle ist. Ich rechne so mit 3-4 Stunden. Am Tag des Guten Lebens werden wir Cocktails und Cupcakes verschenken. Die Cupcakes werden natürlich glutenfrei sein und vielleicht mit schwarzem oder grünen Tee, weil ich glaube, dass das sehr gut bei der vorhanden Zielgruppe in meinem Veedel ankommt und ich die billigen Trockenkörner  aus meinen Regalen raus haben will, seit ich in den Genuss von überteuertem Qualitätstee gekommen bin.

Auf die Cocktails haben wir uns noch nicht geeignet. Dazu muss man sagen, dass Onkel Maike wesentlich ideologischer an die Wohltätigkeit ran geht als ich. Sie möchten den Menschen, die an unserem Stand vorbeikommen, wirklich etwas Gutes tun. Darum mag ich sie so gerne und werde vermutlich am Tag des Guten Lebens komplett davon abgelenkt sein ihr bei ihrem putzigen Gutsein zuzugucken, wie einem Waschbären, der seine Nahrung wäscht bevor er sie frisst. Soooo süß!!!! 

Bis es soweit ist, diskutieren wir darüber, welches Getränk man der Nachbarschaft vorsetzen sollte. Unlängst hat ihre Recherche ergeben, dass der Aperol antiquiert und Sirup-Schaum-Getränke wie Hugo, Helga und Inge genau den Zahn(-schmelz) der Zeit treffen. Sollten wir einfach Copy-Pasten oder uns was Eigenes ausdenken? Unsere Analyse der Trendgetränke hat ergeben: Sekt und Soda ist eine beliebte Basis. Da muss dann irgendwas aus dem Kühl- oder Küchenschrank reingekippt werden und wenn noch was im Glas schwimmt ist es perfekt.

Im Gespräch sind darum grade die Kreationen Whiskey-Sauerkraut und der Caipiranhia mit bezahntem Fisch im Glas. Auch einen Zucchini-Bellinie könnte ich mir für die Veganer_innen vorstellen. Oder doch lieber herzhaft ein Cogn-Hack? 

Astralarbeitskraft aka Wenn man nicht merkt, dass man tot ist und einfach weiterarbeitet

Ein tragischer Unfall hat sich in meiner Arbeitswelt ereignet und ich war das Unfallopfer. Das war so dramatisch, wie es sich anhört. Ich wurde gestern einfach (aus-)gelöscht. Bisher habe ich mir das in der Form vorgestellt, dass mich der (Geistes-)Blitz trifft oder ein abstürzendes Ufo. Orks und Zombies kamen in meinen Auslöschalbträumen auch schon vor, aber wenn ich die Wahl hätte, wäre mir irgendwas ohne Zähne lieber. Glücklicherweise war ich nur digital tot und bin schon heute wiederauferstanden. Da war unsere Technikabteilung flotter als der Gottvater. Was genau passiert war? Ich schildere die Ereignisse:

Ich, Projektmanagerin im Marketing, 29 Jahre, kam gegen 8Uhr ins Büro, machte das Fenster auf und meinem Computer an. Für einige Stunden arbeitete ich so vor mich hin, öffnete Dateien, schloss Dateien, schrieb hier was hin, setzte da ein Bild ein und marketingelte so vor mich hin.

Die Geschichte wird erst wirklich spannend, wenn man nun erfährt, was zur selben Zeit anderenorts passierte. In der IT-Abteilung kam ebenfalls jemand ins Büro, öffnete vielleicht auch das Fenster, schaltete auf jeden Fall seinen Computer an, öffnete Tabs und schrieb Emails und IT-lerte so vor sich hin. Irgendwann stolperte er über eine Nachricht, die liebe Frau Ungänz doch bitte zu löschen, weil sie nicht mehr in einer genannten Abteilung beschäftigt ist. (Anmerkung dazu: Ich habe vor einigen Wochen die Abteilung gewechselt. Ich bin noch im selben Unternehmen, aber in einer anderen Abteilung, aber mit demselben Namen, in meinen Benutzerdaten… ich hab ja nur gewechselt und nicht geheiratet.) Der pflichtbewusste IT-Mensch kam also dem Wunsch nach und löschte mich. Zurück zu meinem Büro: Mein PC fährt sich fest, ich starte neu und kann mich nicht mehr einloggen. „Benutzername oder Kennwort unbekannt“ hat in etwa den selben Informationswert wie der Karnevalsausruf „Helau“. Ja hallo, ja nö, ja super, ja dann geh doch mal einer ans Telefon, ja dann leck mich doch, ja dann geh ich eben heim!

Meinen Kollegen wurde dann auf digitaler Nachfragen gesagt, man habe mich gelöscht, weil ihr mitgeteilt wurde „Frau Ungänz ist von uns gegangen.“ Holy Shit. Ich dachte nur ich käme nicht mehr an meinen Computer. Ich hatte gar nicht gemerkt, dass ich gestorben war! Und alle meine Kollegen und Freunde haben die Fähigkeit des kleinen Jungen aus the Sixth Sense. Ich bin von lauter übernatürlicher Kompetenz umgeben! Und diese Helden mit Superkräften haben nichts besseres mit ihrem Leben anzufangen als Büroarbeit? Wir brauchen hier mehr Hollywood!

Aber später, noch bewältige ich mein Ableben. Der Schock sitzt noch jetzt tief, selbst nach meiner digitalen Reinkarnation. Und so viele Fragen sind ungeklärt: Muss sich ein Poltergeist an Arbeitszeiten halten? Welchen Anspruch auf Urlaub haben die Toten und zählt das als Behinderung? Kriege ich zu Halloween ein Extra-Weihnachtsgeld? Und ab wann darf ich dann in Rente?

Vielleicht sollte ich meinen Arbeitsbereich zu „Mysthic Marketing“ umbenennen. Die Learnings dieser Experience für die Nachwelt: Astralstatus geht auch ohne Astralkörper, also nicht zu viel Stress in die Bikinifigur investieren. Und: Ich brauche schon wieder neue Visitenkarten…

Luxus ist manchmal auch nur Wüste und Einöde

Als Kölnerin aus vollem Herzen beobachte ich im Moment berufsbedingt die Entwicklungen unserer ungeliebten Nachbarstadt Düsseldorf. “Köln und Düsseldorf”stellt einen Dualismus her, der sich, wie alle Gegensätzlichkeiten, gegenseitig bedingt. Kein schön ohne häßlich, kein abgehoben ohne bodenständig, kein Schickimicki-Luxus ohne ausgebeutete Drittweltarbeiterkinder, die im Dreck leben. Blöderweise vergisst man, je nachdem auf welcher Seite man grade steht, oft den Gegensatz.

 

Jeder sollte da leben, wo er/sie will und sich wohlfühlt. Aber Köln ist natürlich schöner. 🙂 Das sage ich nicht nur, weil es offensichtlich ist, sondern auch weil ich andere “schöne” Städte dieser Welt bereits bewohnt habe, ohne mich da wohl zu fühlen. Schönheit ist nur oberflächlich, auch in Sachen Stadtschönheit. Das musste ich vor einigen Jahren in der Mega-Wüstenstadt Dubai lernen. Dubai wurde mal eben so, in kürzester Zeit als eine Art “Neu New York” aus dem Boden gestampft. Dafür wurde übernommen, was anderswo auf der Welt als “das Beste” angesehen wurde und dabei wurden keine Kosten gescheut. Und die ersten 2 Wochen hat mich diese Fata Morgana tatsächlich getäuscht. Dann fing’s an zu Regnen. Es regnet oft da, wo ich bin, das habe ich inzwischen auch gelernt. Mit dem Wasser von oben ging die schöne Fassade leider den Bach runter. In die Skihalle regnete es rein, die mega-breiten Straßen wurden unbefahrbar und die eisige Klimaanlage im Büro bekam einen Sprung und spielte abwechseln Arktis und Antarktis. Dabei litt ich noch am geringsten unter dieser Situation. Denn sowohl der Bürokomplex, als auch der Komplex in dem ich wohnte, waren umzäunt und gesichert – abgeschotten von zehntausenden Gastarbeitern, die in Wellblechhütten dem Wetterumschwung ausgeliefert waren. Aber egal, die saßen eh fast nie in ihren Hütten, denn die malochten 24/7 auf den Baustellen, auf denen Luxusapartments entstanden, von denen sie nach Fertigstellung mit einem Zaun ausgeschlossen würden.

Warum ich mich gerade jetzt daran erinnere? Weil ich fast jeden Tag zum arbeiten nach Düsseldorf pendele und dennoch lieber in Köln wohnen bleibe. Gegensätze gibt’s hier genauso, aber ich hab das Gefühl man ist ein bisschen weniger stolz darauf. Aber das wirklich dramatisch an dieser Sitation ist, dass das einzige passende Zitat, dass mir dazu einfällt der Ikea-Werbeslogan ist! Wohnen und Leben sollten doch keine Kontraste sein!

Wählen ist wie Shopping, mit kürzeren Warteschlangen an den Kabinen

Wäre am kommenden Sonntag verkaufsoffener Sonntag und die Wahllokale Markenstores, wäre die Beteiligung dann höher? Ich formuliere diese These als Frage, denn ich kann dafür keine Antwort geben. Ich meide Menschenaufläufe, anstatt ihre Einzelteile zu zählen. Dennoch fällt mir beim kommenden Großwahlsonntag auf, dass mich das Wählen gehen anstrengt, weil ich dazu an meinem SONNTAG (!!!) irgendwann vor 18Uhr aus dem Bett kriechen muss, um in eine verlassene Grundschule zu pilgern. Ähnlich geht es mir bei Verkaufsoffenen Sonntagen, da will ich auch nicht raus, aber aus gegensätzlichen Begründungen, weil es da zu viele Menschen gibt. Jajajaja, ich hätte auch einfach per Post abstimmen können. Solange das aber mehr wie Katalogbestellen und weniger wie Online-Shopping ist, ist der Gang zum Briefkasten äquivalent Freizeitstörend, wie das Wahllokalbesuchen am Sonntag.

Aber genau auf Grund dieser Faulheit und dieses Desintereses, falle ich in DIE Zielgruppe politischer Werbung überhaupt. Denn all die pflichtbewussten Mitbestimmer, machen eh was sie wollen. Aber ich, ich bin beeinflussbar, mich kriegt man mit Wahlwerbung, mit Appellen, mit dem Versprechen, am Weltgeschehen mitentscheiden zu dürfen, zu sagen, wo es langgeht. Meine Stimme könnte das hier alles endlich mal in Ordnung bringen!

Allein zur Unterhaltung meinerseits und Menschen, wie mir, wird grade ganz großes Wahlwerbungstamtam betrieben und Wahl-o-Mat-digital-Umfragen erstellt, in denen ich meine in diesem Falle völlig unentscheidende Meinung dazu abgeben darf, ob die institutionell-demokratische Einheit „die Stadt“ für alle Gassigeher kostenlos unbegrenzt Hundekottüttchen zur Verfügung stellen sollte und der Putin die Ukraine behalten darf.

Es wird bis zum Äußersten gegangen: Fähnchen, Blümchen und Papierflyer werden mir in die Hand gedrückt und dazu immer wieder die Aufforderung zum Wählen gehen. Denn ich entscheide. Was an diesem Szenarium gar nicht lustig ist, ist: Dass es stimmt. All die noch so verzweifelten Versuche, Menschen an die Urne zu kriegen, sind berechtigt. Das könnte hier wirklich alles viel besser werden, wenn ich meinen Hintern hoch kriegen würde. Also stell ich mir diese Woche auch für Sonntag meine Wecker. Achja, immerhin weniger los und weniger zu tragen als an einem verkaufsoffener Sonntag. Und in der Kabine hängt kein Spiegel, der dick macht. 

Weichteile sind keine Waffen

Das menschliche Miteinander birgt so viele Gefahren und Fettnäpfchen. Sooo viele. Sooo, sooo… ach lassen wir das, diesen Blog-Post kriege ich nicht mehr freundlich gedreht. Denn aus meinen Augen schlagen Flammen vor Wut. Ich arbeite nämlich aktuell in einem Umfeld, indem gar nicht nett miteinander umgegangen wird. Das Umfeld nennt sich Politik. Während Politik, so dachte ich zumindest immer, dafür da ist, Frieden zwischen Menschen herzustellen und zu erhalten, begegnet mir fast täglich herabwürdigendes, respektloses und einfach nur unfassbar politisch unkorrektes Verhalten. Dass gekämpft und geschimpft wird, oder dann doch freundlich ausgedrückt „Dialog geführt wird“, ist voll okay, das ist wohl Teil des Jobs.

Doch als extrem störend empfinde ich, dass dieser Krieg mit Genitalien gefochten wird. Jawohl! Jetzt nicht tatsächlich, bildlich mit Geschlechtsteilen… Igitt, das will doch keiner sehen!… aber verbal genital!

Ich bin mir durchaus der Tatsache bewusst, dass alle #aufschrei-en, sobald ich das S-Wort sage. Das böse, dumme Wort, das Frauen immer dann anbringen, wenn die Männchen sie zum Weinen gebracht habe. Aber, meine Herren und meine Damen, Sexismus (da ist es das S-Wort, schreit, wenn ihr wollt, lasst es raus, aber Sexismus) ist die mieseste Form auf Menschen rumzuhacken! So muss ich in meinem gegenwärtigen Umfeld ertragen, dass möglichweise echt nicht sehr kompetente Personen, die aber keinen neutralen Personen sind, sondern Frauen, in den Männermeetings, denen ich beisitze, als „frigide Biester, mit Zähnen auf den Haaren“ verlästert werden. Werfe ich ein, dass ich diese Art der Nachrede übel finde, heißt es in selber Runde ich sei „angezickt“.

Wir müssen uns nicht alle liebhaben, umarmen und uns schon gar nicht mit diesen speicheltriefenden Bussi-Bussi-Gesten begrüßen. Im Moment, finde ich ja auch so einige Persönchen höchst unsympathisch, aus gegebenem Anlass. Doch, wenn wir uns schon angreifen und ankeifen, dann bitte mit anderen Waffen, mit Pistolen, Messern und Panzern, aber nicht mit geschlechtsanzeigenden Organen.

 

Bitte hier unterschreiben!

Während ich mich im letzten Post noch gegen die Weiterverbreitung von Briefen gewehrt habe, habe ich nun selbst ein Anliegen, von dem ich wünsche, dass es um die Welt geht und kräftig Zustimmung sammelt. Man mag mir nun vorwerfen, mein Verhalten sei inkongruent und liegt damit völlig richtig. Wer diesen Blog schon länger liest, weiß das. Also tut nicht so, als hätte ich euch nicht gewarnt. Und nun zur (guten) Sache:

Gefordert ist eure Partizipation, mit kleinstmöglichem Aufwand – ihr müsst nämlich fast gar nichts machen und helft dennoch. Eine Freundin hat eine Online-Petition für ein seriöses und wichtiges anliegen an mich weitergeleitet. Das es hier mal um was seriöses geht ist durchaus unerwartet, das habt ihr nicht geahnt, nicht wahr? Aber da ich als Allergikerin, Unverträglichkeiterin und Schilddrüse-ex-und-hopp-Betroffene vom Anliegen meiner Freundin gleich mehrfach betroffen bin, habe ich unterschrieben und zwar dafür, dass es mehr niedergelassene, kassenärztlich tätige Endokrinologen gibt. Zu meinem Endokrinologen muss ich nämlich über eine Stunde fahren, und das obwohl ich in einer Großstadt lebe. Und bevor ich mich auf den Weg machen kann, muss ich mindestens 3 Wochen auf einen Termin warten. Gäbe es sie nicht oder würde ich mich nicht auf den Weg machen, läge ich den ganzen Tag nur depressiv und kraftlos im Bett. 

Warum braucht man dafür eine Petition? Weil es ein strukturelles Problem ist, das beschreibt die Initiatorin der Petition am Besten in ihrem eigenen Kommentar auf der Petitionsseite, ich copy-paste mal einen Auszug:

„Die Petition ist mir wichtig, weil ich als Endokrinologin derzeit hauptsächlich Privatpatienten behandele, weil mir eine Kassenzulassung fehlt. Ich möchte gerne auch Kassenpatienten versorgen. Hier gibt es keine Zulassungsmöglichkeiten, obwohl wir in Deutschland unterversorgt sind mit ca. 500 niedergelassenen Endokrinologen. In Italien und Frankreich sind es jeweils ca 3000!“

 

Ausführlicher gibt das ganze hier: Petition

Und dort könnt ihr auch direkt unterschrieben, die Infos teilen und gerne, gerne weiterschicken! Vielen vielen Dank und frohe, gesunde Ostertage!

Adressat uninteressiert

Ich reagiere nie auf Kettenbriefe. Schlichtweg aus dem Grund, dass ich auch nicht auf andere Briefe reagiere, zumindest nicht beim ersten. Da müssen schon ein paar Mahnungen kommen, bis der Briefstapel eine relevante Öffnungshöhe erreicht hat. Dann schau ich vielleicht mal rein oder bewege den Stapel zumindest vom Briefkasten in die Mülltonne. Mit digitaler Post tue ich das nicht. Emails öffne ich sofort, JEDE und lese sie, sogar die komischen Newsletter, von denen ich leugne sie abonniert zu haben. Nur in einem Fall ignoriere ich auch Emails, wenn es solche sind, die der Nachfahrenschaft des traditionellen Kettenbriefes angehören. Denn Kettenbriefe sind lediglich wenig überzeugende Drohbriefe. Wenn ich den Brief nicht weiterschicke, dann wird etwas ganz furchtbares passieren! Es passieren STÄNDIG ganz furchtbare Dinge! Zum Beispiel so Dinge, wie super böse Anrufe, weil ich nicht auf böse Briefe reagiert habe. Um mir zu drohen, muss man schon radikal werden, ansonsten schlägt mein sehr ausgeprägtes Desinteresse aus und ppffff, is mir doch SCHNUPPE!

Nun habe ich von gingerbreadnightingale einen Kommentar bekommen, den ich unter Verdacht stelle ein Kettenbrief in Tarnung einer Wertschätzung zu sein. Also mehr Zuckerbrot als Peitsche oder einfach Bestechung statt Drohung. Für Bestechungen bin ich empfänglich. Doch damit ich den Award, die Ehrung, den PREIS kriege, muss an einem Wettkampf teilzunehmen. Während es die meisten Menschen motiviert miteinander zu konkurrieren reagiere ich wiedermals mit ppfff, is mir doch Schnuppe! Ich partizipiere nicht einmal als Zuschauerin an Wettkämpfen, außer (!!!) es winkt Geld. Darum ist der einzige Publikumssport, für den ich eine gewisse Affinität hege, der bei dem man 50 Cent auf ein Huftier mit Namen Engel des Apfelhains oder Lord Melting Snow setzt, um sich knappe 2 Minuten in der Hoffnung zu wägen, REICH nach Hause zu gehen und dann doch wieder mit 50 Cent weniger in der Tasche dazustehen.

So scheut mich am in Aussicht gestellten Award zum ersten, dass ich hierfür mit Onkel Maike in Wettstreit treten soll, die ebenfalls nominiert wurde und stärker ist als ich! Und zweitens besteht der Preis aus reiner Ehre. Die ist hier völlig deplatziert. Ich bedanke mich aber für die Nominierung bei  gingerbreadnightingale. Mir reicht die Aufmerksamkeit, die ich dadurch erlangt habe und wünsche allen anderen, die zu den Hungerspielen aufbrechen, einen kurzen, schmerzlosen Tod!

 

 

 

Höflichkeit oder Heuchelei?

Jeden morgen darf ich in der Bahn an Dramen, Tragödien und Komödien meiner Mitmenschen teilhaben. Mein Nahverkehrsticket ist gar kein Ticket für den Transport von Köln nach Düsseldorf, sondern die Eintrittsticket zu dieser täglich wechselnden Show. Heute spielte sich folgender komödiantischer Dialog neben mir ab:

Männlicher Begleiter erklärt seiner weiblichem Begleitung, dem Aussehen und Alter nach eine Tante oder vielleicht sogar die Mutter: „Mit freundlichem Gruß ist die unhöfliche Variante von Mit freundlichen Grüßen!“

Erschütterung bricht aus! Welch grober Verstoß gegen die Etikette hier nun aufgedeckt wurde!Auch zwei weiteren älteren Damen in der Sitzgruppe packt die Angst. „Aber ich schreibe immer ‚Mit freundlichem Gruß‘! Immer!“ Der Schock sitzt scheinbar tief darüber, ein Leben lang einen Fehler nicht nur begangen, sondern  kontinuierlich, unwissend wiederholt zu haben. Um den Affront der vergangenen Briefe und Emails wett zu machen, wird nun die Unschuld wegen Unwissenheit in scheinbarer Endlosschleife (ich bin zwischenzeitlich an meiner Haltestelle angekommen und ausgestiegen) wieder und wieder beteuert. „Ja, mit freundlichem Gruß ist die unhöfliche Form!“ – „Aber nein, aber das hab ich doch immer so gemacht.“ – „Ja, aber das ist die böse Variante.“ – „Oh Gott, doch das schreibe ich doch immer so.“ – „Ja, aber das ist eben sehr unnett.“…. usw. etc. pp. und der Dialog dreht sich, dreht sich, dreht sich…

Doch ganz Unrecht hatten sie nicht. Eine fehlende oder zu kurze An- bzw. in diesem Fall Abrede ist auch in Zeiten von „Ey Alter!“ wichtig für das friedliche Zusammenleben. Und kaum im Büro angekommen, erfuhr ich nochmals, wie wichtig es ist, in bestimmten Formeln miteinander umzugehen. Dabei ist eine Formulierung auf dem Vormarsch, die Freundschaft vermitteln soll, bei mir aber den Drang weckt, mit ganz und gar unhöflichen Worten um mich zu schreien.

Zurück geht diese gefreundschaftelnde Getue auf psychologische Studien, die behaupten, Menschen fänden ihr Gegenüber sofort sympathischer, wenn sie von diesem mit dem eigenen Namen angesprochen würden. So beginnt mein Kollege JEDEN Satz, jede SMS und jede Email an mich mit „Juliane,…“. Leider bleibt der sympathisierende Effekt bei mir aus. Selbst wenn mir genannter Kollege, der eigentlich tatsächlich sympathisch ist, anbietet meine Arbeit zu übernehmen oder mir Kaffee zu holen.

Vielleicht bin ich immun oder allergisch gegen meinen vollausgesprochenen Vornamen. Ich bin gegen vieles allergisch: Nüsse, Soja, Getreide, Dummheit, Männer mit Mundgeruch. Juliane hier und Juliane da, führt augenblicklich zum Nein. Denn ich komme noch aus der Zeit vor diesen bahnbrechenden Erkenntnissen, in der nur Eltern diese Wort-Satz-Stellung nutzten, um mich bei Verstößen gegen die Höflichkeit zu ermahnen. Beispiel: „Juliane, trink nicht so viel! Juliane, du hattest schon zwei Flaschen.“

Niemals verwendet jemand, mit dem ich wirklich befreundet bin, meinen vollständigen Vornamen. Mit freundlichem Gruß habe ich dagegen aber schon des Öfteren unter Briefen gelesen und dachte dabei nichts Böses. In der Bahn wird man manchmal also doch schlauer und skeptischer in Hinblick auf die Freundlichkeit Anderer.

 

Cocktails + Cupcakes = mein neues Buch!

Gerade rasen zwei sich jährlich wiederholende Feiertäglichkeiten mit ganz klar definierten Verhaltenskodexen auf uns zu. Die Erste verlangt von uns, dass wir Unmengen von Plätzchen, Gans, Kartoffelsalat, Rotkohl, Plätzchen, Klößen, Plätzchen, Glühwein, Gans, Rotkohl und so in alle Besinnlichkeit weiter, in unsere Mägen füllen. Bei der zweiten geht es liquider zu, mit Feuerwerk und Champagner. Zu beiden passt mein Rezeptbuch, das nun ENDLICH verfügbar ist! Denn das verbindet Cupcakes und Cocktails zu glutenfreien Törtchen der Geschmacksrichtungen: Bellini, Gin Tonic, Tequila Sunrise und vielem weiteren.

So hoffe ich, dass die lieben Buchhändler rechtzeitig für die Festlichkeiten liefern und wünsche euch grandiose Feiertage, guten Appetit und Cheers!

Zu kaufen gibt’s das Buch zum Beispiel HIER bei Buecher.de und natürlich bei Amazon.de (auch, wenn die leider sagen, sie brauchen etwas länger zum liefern.)

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Angetrunkene intellektuelle Gratisantworten sind auch Antworten

Was bringt es Bücher bei Amazon für Lau anzubieten? Rezensionen in denen man als „angetrunkene Intellektuelle“ bezeichnet wird. Das finde ich so grandios, dass ich direkt auch mein Zu-Anfang-dieses-Jahres-Werk „Immerantworten – Wenn die Suchmaschine nicht mehr weiter weiß…“ für KDP Select angemeldet hab und nun könnt ihr euch das Buch zur Blogkategorie morgen und übermorgen (also das GANZE Wochenende) für Umme im Kindle-Shop holen. Warum? Weil Weihnachten ab dem Moment startet, ab dem es Printen im Supermarkt gib, also irgendwann im Juli.

Für alle, die zum Begriff „Immerantworten“ eine Erklärung brauchen, stelle ich kurz die dümmsten Suchbegriffe, die Fremde auf immerabgelenkt.de führten, hier vor und mache das, was ich schon länger mache: ich beantworte sie. Denn von selbst findet doch heute keiner mehr was.

„Ich stalke gern“ –  Auch wenn Stalken seit facebook eine weitverbreitete Aktivität ist, ist es doch noch kein anerkanntes Hobby. Das könntest du ändern. Ein Rebranding wäre der erste Schritt. Denn ein Rebranding ist immer der erste Schritt, heißt auf Deutsch: Wir geben Stalken einen hübscheren Namen. Wie wäre es mit „aktiver Verfolgungswahn“? Oder gibt’s andere Vorschläge im Raum?

„ihr stalker“ – Ihr so wie „Ihr alten Stalker, ihr!“ oder „ihr ganz persönlicher Stalker, nur für sie“? Stalking also nicht nur als Hobby, sondern Service! Da denkt jemand unternehmerisch! Das mag ich! Wir stimmen demnächst mal für die beiden Namen ab. Aber zuerst mal weiter mit den Antworten. Wer hat noch Fragen, Probleme oder Wünsche?

„Tinte macht Flecken“ – Ach, echt? Willkommen im Leben! Jede Aktion hat eine Reaktion! Hand auf Herdplatte macht Brandblasen und Knutschen ohne Verhütung Syphilis! Naja, nicht ganz vielleicht. Aber so ähnlich. Lass das lieber einfach mit der Tinte und der Hand und dem Knutschen. Macht alles letztendlich Flecken.

„Hardcore Leseprobe“ – Und schon wären wir beim Thema! Danke, das ging schnell. Ja, hier, da auf den Link drücken und kostenlos runterladen, ob du das Hardcore oder nicht machst, hängt wohl von deiner Internetverbindung ab.

Viel Spaß damit und ein schönes Wochenende! Was? Ach, da ist noch jemand? Ja, du! Was willste?

„Wo finde ich Liebesmaschinen“ – Vermutlich auch bei Amazon. Ich guck mal kurz…Moment….ja, meine Befürchtungen wurden bestätigt. Die kriegste da auch. Stehen gleich neben meinen Büchern im Regal… Nämlich hier!

Mein kostenloses ebook, gibt’s gleich daneben, nämlich HIER!!

Oder ihr klickt auf’s Bild und kommt so dahin:

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Zu viele fremde Tassen in meinem Schrank

Die Wege des Internets sind kurz? Ha! Von wegen! Sie sind lang, verschlungen und kompliziert. So lang, verschlungen und kompliziert, dass man Stalker-Fähigkeiten braucht, vom Format, wie sie nur Spione im Dienste ihrer Majestät aufzuweisen können. Wer nun findet, dass das alles etwas verrückt klingt und mir unterstellt, ich hätte nicht alle Tassen im Schrank, irrt. Denn aus Gründen des Internets habe ich nun sogar eine Tasse zu viel im Schrank. Eine schwarze Tasse, mit dem Namen eines Mannes draufgedruckt, mit dem ich bisher noch nie eine Tasse Kaffee getrunken habe. Ich weiß nicht mal, ob er Kaffee mag. Oder doch vielleicht lieber Tee?

Wie kommt dieses Geschirr also in meine Küche? Auf Umwegen, wie immer, wenn ich irgendwas per Post bekommen soll. Außer es handelt sich nicht um MEINE Post. Die Post anderer Leute gibt mein Postbote nur zu gerne bei mir ab. MEINE Post aber landet immer in anderen Filialen, Stadtteilen, Ländern… . So auch diesmal. Ich machte mich also mal wieder quer durch Köln auf den Weg ein unbekanntes Paket abzuholen. Ich hasse Überraschungen! Aber ich kann sie nicht ignorieren. Nach zweitätigem Wahnsinnigwerdens, was mir wer denn da schickt, hielt ich also ein Paket in der Hand, mit einer Tasse drin und einem Zettel, auf dem stand, das sei doch mal ein ganz tolles Werbegeschenk. Hätte ich mich zu diesem Zeitpunkt noch daran erinnert, was ich vor ein paar Wochen gesagt bzw. gebloggt hatte, wäre das eine lustige Nachricht gewesen. Blöderweise merke ich mir aber nicht, was ich sage oder blogge. Bei Sätzen, die mit „Du hast doch mal geschrieben, dass…“ anfangen ist meine Leitung ähnlich weit, wie die des Netzes. Aber jetzt, nur 3 Tage, nachdem ich das Paket aufgemacht habe, schaltete meine mentale Ampel auf Grün. Aha! Die Erkenntnis, Google sei Dank. Denn der Name auf der Tasse gehört zu einem Fotografen, der meinen Blogpost über doofe Werbegeschenke gelesen hat, mir daraufhin in einem Tweet androhte sein tolles Werbegeschenk zuzusenden, auf irgendeine Weise meine Adresse, die nicht mehr meine Adresse ist, herausbekommen hat und dachte es sei eine ganz tolle Idee mir eine Tasse mit seinem Namen drauf zu schicken.

Darum müsste ich jetzt wohl „Danke“ sagen. Und genau das ist das Problem mit Geschenken. Man kriegt Sachen, die man nicht haben will und ist dadurch gezwungen sich freundlich zu bedanken – lernt man ja schon als Kind: „Was sagt man da zum lieben Onkel?“. „Geh weg, du pädophiler Sack!“ sagt man, wenn es nach meiner Erziehung geht, denn meine Mama hat mir beigebracht nix von unbekannten Onkels anzunehmen.

Nun hab ich mir den unbekannten Onkel mal angesehen und was er so macht und das sieht immerhin nicht so verdächtig aus, sogar sehr schick. Sollte ich mir also Sorgen machen? Sollte ich? Ja? Zu spät. Denn längst schlürfe ich schon an der Tasse rum. Das ist auch so ein Problem mit Geschenken: Man will sie nicht, aber wenn’s was umsonst gibt, dann nimmt man’s, bevor es einem wieder weggenommen wird. Apropos, weil der Schrank ja jetzt voll ist, wäre es ganz super, wenn mir jemand als nächstes Werbegeschenk einen größeren Schrank schicken könnte! Und dann vielleicht eine größere Wohnung! Was mit Deckenfenster wäre toll! Das wäre mal ein Werbegeschenk!

 

 

Man muss auch nicht immer antworten…

… zumindest nicht, wenn in der Frage Ikea und Porno vorkommt.

Empathie gilt ja aktuell allgemein als positiv. Aber wenn man versteht, was Googlenutzende Sucher eigentlich wollten, als sie mit ihren Suchanfragen auf mein Blog gespült wurden, dann fängt man an, die eigene Informationsspeicherung zu hinterfragen. Man merkt sich ja immer nur das Merkwürdige und Geschmacklose und so liegt in meinem Kopf zu viel Unnützes rum, das man nicht als Wissen bezeichnen dürfen sollte. Dank dieses Übermaßes an Übelkeiterregendem, kann ich den verlorenen Seelen da drinnen im Netz aber helfen. Könnte ich. Wenn ich wollte, es nicht Sonntag wäre und draußen ENDLICH die Sonne scheinen würde. Darum gibt’s keine Immerantworten-Sprechstunde heute. Ihr seid auf euch gestellt! Werdet erwachsen, sucht euch nen Job, verdient Geld und kauft mein Immerantworten-eBook.

Aber damit sich die Täter betroffen fühlen, gibt’s zumindest eine unkommentierte Liste der Besuchersuchen von immerabgelenkt:

immerabgelenkt_immerantworten_juli2013

Stumm zum Star oder zum Subalternen

Ich wusste ja immer, dass ich zum Star geboren bin (und zur Königin, wie wir vor kurzem feststellten…), aber aktuell darf ich mich ganz offiziell in eine Reihe mit den bestesten Schauspieler_innen Hollywoods stellen. Was Clara Bow, Max Linder und ich gemeinsam haben, außer Schönheit und Intellekt? Wir alle geben keinen Ton von uns. Bei der lieben Clara und Mister Linder ist das dadurch bedingt, dass sie längst unter der Erde liegen, bei mir durch eine Erkältung. Gestern Nachmittag wurde ich zum Stummfilm. Am Schwarz-weiß-Modus wird noch gearbeitet, der Donner kommt ja auch vor dem Blitz.

Zu Stummfilmzeiten erntete man noch Ruhm und Anerkennung für non-verbale Kommunikationsversuche, heute nur verwirrte Blicke und noch mehr Fragen. Menschen darauf hinzuweisen, dass man nicht sprechen kann, dass kein Ton rauskommt, ist sehr hilfreich. Und mit sehr hilfreich meine ich: bringt gar nix und macht alles nur noch schlimmer.

Selbstverständlich beantworte ich die zweite und dritte und siebenhunderteinundzwanzigste Aufforderung zur Interaktion mit fließendem Singsang, wenn ich die erste mit der Anmerkung schloss, dass Sprechen mir gerade weh tut!!! Mannmannmannn.

Wieder mal müssen sich die Entrechteten anpassen, um am Diskurs partizipieren zu dürfen. Dass Spivak und Bhabha ausgesprochen haben, dass genau das so nicht okay ist, voll und überhaupt nicht, bringt mir da auch nix. Und ohne Stimme kann ich mich nicht wehren. Oder nein, falscher Tempus! Ich habe ja noch Computer und Internet und HIER habe ich eine Stimme, hier hört ihr mich! Das ist schön. Sehr schön. Befreiung durch Digitalität! Das ist tatsächlich die fucking neue bessere Welt! Und hier wird alles besser! Glaube ich! Sicherlich! Vielleicht spricht da auch nur das Erkältungsmedikament aus mir. Das kann ich im Netz online bestellen, was beweist… Dies. Ist. Die. Fucking. Neue. Bessere. Welt! Darauf hebe ich mein Tee-mit-Honig-Glas! Prost! Und jetzt bitte keine Fragen mehr.

Zufall oder Fügung oder doch einfach ein Eis?

Jetzt ist es offiziell und verifiziert – ich habe den Beweis – die Maschinen haben übernommen. Denn gerade, als ich darüber nachdachte, ob ich nicht mal wieder eine Immerantworten-Sprechstunde abhalten sollte, sah ich DAS:

immerabgelenkt_antwortenvonselbst

Es ist soweit! Fragen beantworten sich von selbst! Wenn das kein Zeichen für die Übernahme der Welt durch die Maschinen ist, dann…dann…. ja, dann ist das kein Zeichen für die Übernahme der Welt durch die Maschinen. Kritiker mögen rumnörgeln, dass EIN solcher Fall reiner Zufall sei, deswegen nennt man sie ja Kritiker. Tatsächlich ist das so, als wenn man sagt, ich werfe eine Münze in einen Brunnen und wünsche mir ein Eis und an der nächsten Ecke ist eine Eisdiele. Dann denkt man die Münze ist Ursache der Wirkung, kann sich aber kein Eis kaufen, weil man ja grad sein ganzes Kleingeld in den beschissenen Brunnen geworfen hat. Folglich gibt es keine tatsächliche Korrelation zwischen Brunnen, Wunsch und Eisdiele, sondern nur Zufälle. Und in der Tat war auch diese sich selbst beantwortende Suchanfrage wohl eher die Ausnahme als ein Zeichen für eine höherentwickelte Macht. Für Google-Sucher, die es mit Fragen wie „Heiratsantrag Zwiebel“ her leitete, gibt es darum keinen Gott (aus der Maschine) sondern nur mich. Immer bleibt alles an mir hängen…. Boah, aber gut. Ich hab tatsächlich grad Zeit. Also her mit den fehlgeleiteten Suchbegriffen. Kommt rein, fasst nix an und stellt eure Fragen. Ich erbarme mich. Ausnahmsweise. Und nur heute. Bis ich was bessere finde, das ich heut abend noch unternehmen kann.

„Bilder Sex Brückenpfeiler“ – Sexbilder finden sich tendenziell häufiger im Internet als an Brückenpfeilern. Dennoch kannst du dich dort gerne rumtreiben in der Hoffnung selbst derartige Aufnahmen zu machen. Dass du samt Kameraequipment heil nach Hause kommst, damit würde ich dann aber eher nicht rechnen.

„geile titelbilder für facebook“ – Lassen sich auch eher unwahrscheinlich unter Fahrbahnüberquerungen machen.

„die pinkeln“ – Nicht nur die pinkeln, sondern die auch und ganz offen, du höchstwahrscheinlich ebenfalls. Pinkeln ist weiter verbreitet als man meinem mag. Angeblich ist es sogar irgendwie gesund, wenn auch lästig. Denn meistens muss man dann, wenn die Schlange vorm Klo am längsten ist.

„gespaltener Penis“ –  Kann Ursache oder (Neben-)Wirkung einer gespaltenen Persönlichkeit sein. Womit wir dann wieder beim Ausgangsproblem sind. Was kam zu Erst? Huhn, Ei, zu viel Alkohol, oder der Kumpel, der meint ein Youtube-Video qualifiziere ihn für chirurgische Eingriffe? Vielleicht sollten wir lieber nach diesen Fragen Googlen! Wirklich! Ich mach das jetzt. Ich löse das Rätsel. Und schließe darum die Praxis doch direkt wieder.

Außerdem will ich ein Eis.  Und wenn ihr mehr Antworten wollt, könnt ihr einfach mein Immerantworten-Ebook runterladen!

Blau(e Flecken) machen

Eine aktuell nicht gern gehörte und wenig geglaubte Wahrheit ist: Es ist Sommer. Ja wirklich. Moment ich guck nochmal kurz aus dem Fenster. Nee, vielleicht auch nicht. Wie war das nochmal? Was wahr ist, kann man sehen aber woher weiß man, dass etwas existiert, wenn man es denn nicht sehen kann? Ist der Sommer irgendwo im Wald unter einen Baum gefallen und keiner hat’s gemerkt? War dann schon Sommer? Wenigstens bin ich mir der Existenz des Heizkörpers unterm Fenster sicher. Den kann man nicht nur sehen. Den kann man sogar anfassen. Und das mache ich jetzt und drehe die Heizung hoch.

Angesichts dieses Sommerlochs stagnieren auch meine alljährlichen Sommersaisonpräparationen. Allen voran das nie erreichte Ziel: schöne Beine. Während es Tabletten und Cremes gegen Unreinheiten und Cellulite gibt, finde ich für mein Problem kein probates Pharmazeutikum. Was das Problem ist? Blaue Flecken. Große blauen Flecken.

Irgendwann in meiner frühen Kindheit fing ich an mich zu bewegen und ab da war alles verloren. Über die 28 Jahre meines Lebens habe ich das Überall-Gegenlaufen so stark sehr perfektioniert, dass ich Olympiasiegerin im Überall-Gegenlaufen sein müsste, würde das Olympia-Komitee denn endlich mal auf meine Briefe reagieren! Ob mich offenen oder geschlossenen Augen, nach vorne oder auf’s Handy guckend, draußen wie drinnen, es klappt einfach überall und immer. Ich muss dafür nicht mal laufen! Auch im Sitzen schaffe ich es quasi spielerisch meine Knie gegen Schreibtischunterschränke und Tischbeine zu stoßen! Was soll ich sagen? Ich bin ein Naturtalent, ein Profi, das kann nicht jede(r). Inzwischen bin ich so gut, dass ich nicht mal mehr merke, wie ich irgendwo gegen renne. Vielleicht muss ich das auch gar nicht mehr. Vielleicht bin ich schon im telekenetisch hamötomischem Stadium. Der Bettpfosten kommt zum Schienbein!  Man müsste das mal ausführlicher erforschen.

Doch leider wird der blaue Fleck kulturhistorisch bis heute ignoriert und hat es nicht geschafft sich, wie zum Beispiel der Leberfleck, als erotisches Emblem zu etablieren. Vielleicht liegt es daran, dass er so vergänglich ist. Aber sollte man dem blauen Fleck nicht gerade wegen seiner Limitationen Aufmerksamkeit schenken? Selbst für Flatulenz gibt‘s Fetischisten! Aber Hämatome gelten nach gesellschaftlichem Konsens als unsexy. Während die Modeindustrie Hosen so tief auf die Hüfte setzte, dass auch das geschmackloseste Tribal-Tattoo auf dem massigsten Muffin-Top ähnlich einem Mondrian im MoMA präsentiert ist, werden blaue Flecken versteckt, schamvoll verschleiert.

Das ist nicht fair! Auch hinter Hämatomen stecken Geschichten! Wir sollten etwas dagegen tun! Wir sollten unsere blauen Flecken entblößen! Jaha! Wenn es doch nur nicht soooo arschkalt wäre!!!! Rebellion und Kälte passen nicht gut zusammen. Ich will jetzt endlich richtigen Sommer! Ich will blauen Flecken am Himmel, statt auf meinen Beinen!  

Titel, Themen und eine Kuh namens Titen

Bücher unterm Bett

Eine Woche später. Und noch immer lautet mein Status: Ich sollte mehr Bücher schreiben. Jajajajaja…. Ich schreibe ja schon! Also ich versuch’s! Aber so ein Buch, das ist ne große Sache! Da setzt man sich nicht einfach hin und schreibt und dann hat man auf einmal ein Buch in der Hand. Nagut, beim letzten Mal war’s so. Aber das war ja auch das ERSTE MAL! Da war das noch aufregend und packend und ich konnte mich gar nicht davon losreißen und dann war’s auch schon vorbei. Buch fertig. Kippe, bitte. Und was folgt dann? Dann folgt das: „Achja, ich müsste wohl mal wieder. Ach, schon so lange nicht mehr? Puh, ich dachte, erst vorgestern…ach, das war letzten Monat. Hmm, ja dann. Dann ist wohl mal wieder an der Zeit. Tja.“ Und dann bügelt man doch erst mal die Wäsche und verschiebt es auf morgen. Den Morgen nach dem Morgen nach dem Übermorgen. Weil man muss ja in Stimmung sein.

Manchmal wird’s dadurch besser, dass man sich vornimmt, was Neues auszuprobieren. Statt der Fortsetzung von „Beziehungsstatus: Verliebt in facebook“ schreib ich also erst mal anderes. Raus aus der Routine. Wer fleißig mitliest, weiß, dass ich Bücher nach Suchbegriffe auf diesem Blog benenne. Um ein Haar hätte Beziehungsstatus: Verliebt in facebook darum Freiporno geheißen. Vielleicht sollte ich dieses Buch jetzt erst mal schreiben? Oder ein anderes, den Suchbegriffen folgend. Statt Immerantworten schauen, wir uns darum doch heute mal genauer an, was man aus den Suchen, die Leserinnen und Leser hierher brachten literarisch generieren könnte:

Wie wäre es zum Beispiel mit dem Titel „Kuh Titen“? Das klingt doch nach einem schönen Kinderbuch. Die Kuh Titen und ihre Abenteuer. Tag 1. Wiederkäuen. Tag 2. Wiederkäuen. Tag 3. Wiederkäuen. Tag 4. Hilfe, die Bullen kommen!

Gut, vielleicht noch nicht ganz das richtige für den Pulitzer Preis. Was gibt’s noch im meiner Suchstatistik? „Naja, so ganz ist es nicht“. Ein makabrer Coming of Age Roman über einen Jungen, der versucht sich die Frau seiner Träume im Stil von Frankensteins Monster einfach selbst zu basteln. Dank seiner fehlenden handwerklichen Fähigkeiten (welcher kleine Junge lernt heute denn noch Sachen zusammen zu bauen??) fällt Miss Geschick nur leider immer wieder auseinander…. Und…ach, vergesst es…. Dann doch lieber Freiporno. Oder ein Sachbuch! Das hier klingt doch sachbuch-Spiegel-Bestseller-verdächtig: „Lohnt sich Fuckbuck“  Die erste wirklich sinnvolle Nettonutzen-Analyse sozialer Netzwerke. Ich sehe schon die Pressestimmen dazu: Zu viele Zahlen, zu wenig Zweisamkeit! Damit konnte niemand rechnen!

Nein, auch das wäre nicht MEIN Buch. Also doch zurück zu „Kompliziert“, der Fortsetzung von Beziehungsstatus: Verliebt in facebook, in der keine der Figuren aus dem ersten Teil wieder auftaucht, die nicht IN Facebook spielt und in dem die Geschichte aber dennoch weiter geht! Immer noch besser als Kühe, Kinder oder Kosten-Nutzen-Aufstellungen.

Nichts ist auch was

Man steht sich gegenüber und will so viel sagen, aber nichts kommt raus aus dem Mund. Denn irgendwie wär doch alles doof und nichts wichtig. Und davon wird alles nur schlimmer. Würde doch nur ENDLICH mal jemand einen Ton von sich geben! Und dieses unerträgliche Schweigen unterbrechen!

Voll blockiert, so fühl ich mich gerade, wenn es darum geht Inhalte für dieses Blog zu verfassen. Keine Ahnung, ob dies die berühmte Schreibblockade ist, von der bei sogenannten Schreibschaffenden die Rede ist…. Und kaum will ich endlich wieder schreiben, klingelt das Telefon wegen irgendeines Notfalls. Tut mir leid meine Lieben, das warten geht weiter! Aber bald gibt es mehr Ablenkung!

Ein schönes Wochenende!

Gesucht: Ein schönes zu Hause für das Immerantworten eBook

OUT NOW! Mein eBook „IMMERANTWORTEN – Wenn die Suchmaschine nicht mehr weiter weiß…“ ist da! Es ist pink, entwurmt, nicht gechipt, ein bisschen bissig und weitestgehend stubenrein und sucht nun ein liebesvolles zu Hause auf einem gängigen Amazon-Kindle eReader (oder was auch immer, man sonst so nutzen kann, um Bücher zu lesen, die man bei Amazon gekauft hat). Es verträgt sich mit anderen eBooks und auch mit Print-Büchern und Katzen.

Was die literarische Gattung angeht, so handelt es sich hier um einen Mischling. In Immerantworten sind Blogbeiträge eingeflossen und ganz viel neues (Gen-)Material, Suchworte, die verlorene Seelen auf diesen Blog geschickt haben, wie z.B. Freiporno und Koala Vagina und die nun ENDLICH Antworten erhalten, auch wenn sie schon längst nicht mehr mitlesen. Entsprechend ist der Charakter des Buches aufgeweckt und sehr verspielt.  So verdient das IMMERANTWORTEN eBook ein gutes zu Hause. Es gibt seinen Leserinnen und Lesern VIEL zurück! Ganz viel!

Abzuholen ab sofort via Amazon-Kindle-Store, gegen eine Schutzgebühr von 2,99 Euro.

 

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