Die problematische politische Verlaufsform

Da ich mich aktuell hauptnebenberuflich (wobei montags mehr haupt und ab dienstags zunehmend daneben) mit Politik beschäftige, müsste man annehmen, dass ich den deutschen Staatsapparat allmählich besser verstehe. Leider ist es damit aber so, wie mit dem Tunnel, von dessen Ende einem das Scheinwerferlicht einer Bahn entgegenleuchtet: Die Situation wird nicht unbedingt besser, nur weil man Näher gehn Licht läuft. So bleibt eins der großen Mysterien, die mich seit jeher bis ins Mark erschüttert haben, die Entstehung und Intention von Wahlkampfplakaten. Für alle von euch geliebten Blogleserinnen und Bloglesern, die nicht mehr vor die Tür gehen oder wenn doch, dann dabei nur auf ihr Handy gucken, statt nach vorne: Das sind flache, eckige Dinger, mit runden Gesichtern und Sätzen in unterschiedlichen Schriften, in nochmals unterschiedlichen Schriftgrößen, die meist an irgendwelchen Ampeln hängen, die selbsternannte Straßenkünstler als ihre ganz eigene Leinwand verstehen und mit so überkreativen Sachen wie Hitlerbärtchen, Teufelsohren oder Penissen bekünsteln. Wirklich schlimm ist das meistens nicht, denn ein Großteil dieser Plakate ist auch in rohem Zustand desaströs.

Erst im letzten September verkündete eine Studie der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen Wahlkampfplakate für obsolet und in Youtube-Videos interpretieren selbsternannt lustige Leute die „wahre“ Bedeutung dieser Werke, kommen aber leider zu keinem befriedigenden Ziel.

Wenn man etwas nicht erklären kann, dann muss man schauen, wie es früher war und wozu es sich entwickelt hat! Das ist eine der Weisheit, die in meinem geisteswissenschaftlichen Studium gelernt habe. Und wenn ich das Wahlplakat einer solchen chronologischen Untersuchung unterziehe, fällt mir tatsächlich eine Signifikante ins Auge: Der aktuelle Trend zum Farbverlauf. Farbläufe passieren, wenn jemand die Gradient Funktion in Photoshop entdeckt und dadurch das Gefühl bekommt mit wenigen Klicks kreative Kunstwerke erstellen zu können. Dabei spreche ich aus Erfahrung. Auch ich selbst (!!) bin schon dem Farbverlauf aufgesessen, bis der Exzess mich in eine Retro-Batik-Gestaltung trieb. Und erst dann gesteht man sich ein: Ich habe ein Problem!

Und so beobachte ich die politischen Verlaufungen mit begründeter Skepsis: Die SPD färbelt von Rot ins Violette. Die Piraten von Orange ins Gelbe und bei der CDU hat scheinbar jemand im Kunstunterricht der 5.Klasse aufgepasst, als erklärt wurde, dass Schwarz keine Farbe ist. Hier startet der Farbverlauf nämlich SPD-Rot und wird dann Piraten-Gelborange. Und apropos gelb, die FDP tut so, als hätten sie einen Farbverlauf, der aber nur ein weißer, diffus gesetzter Fleck ist, den sie vermutlich für ein „Highlight“ halten.

Die wichtigste Frage dabei ist: Hat das alles etwas zu bedeuten? Höchstwahrscheinlich nicht, aber man kann ja trotzdem mal drüber reden/bloggen.

Ein Gedanke zu “Die problematische politische Verlaufsform

  1. Schwarz ist sehr wohl eine Farbe.
    In der 5. Klasse gabs keinen Kunst-Unterricht. Es gab Dopelstunden namens „Bildende Kunst“, in denen wild rumgehobelt, gepinselt und ge … …
    wie heißt dieses elende Schneide-Drecksding noch gleich, das wo vorne hohl is und spitz zuläuft? Damit mußte man so braune Platten zuschnitzen und ständig aufpassen, daß kein Blut dran kleben bleibt.
    „Erklärt“ wurde mir da jedenfalls nicht sonderlich viel. Man hat primär drauf geachtet, daß ichs überlebe … Stichwort Grobmotorik.
    Warum soll Schwarz keine Farbe sein? Sie hat nen Farbcode. f0000000000 oder so. Und wenn ich Klamotten bei Ebay angucke, krieg ich unter „Farbe“ immer die Option „Schwarz“ angeboten. Fast immer.
    Meistens.
    Du bist nicht schlauer als Ebay! Niemand ist schlauer als Ebay!

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