Ein Bahnticket ist kein Spaßticket

Da bin ich nun ganze 21 Tage zu spät, um euch allen ein neues Jahr zu wünschen. Was das bedeutet? Das bedeutet, dass ich mich an die Pünktlichkeit des Verkehrsmittels, mit dem ich nun jeden morgen zur Arbeit pendele, gewöhnt habe.  Als vormals passionierte Radlerin habe ich ja schon vieles erlebt: Postboten, die mich fast umgefahren hätten; Rentner mit Rollatoren, die mich an der Ampel zum Wettrennen herausfordern wollten; Tauben, die sich mir vor die Reifen warfen, um ihr trauriges Dasein zu beenden, Polizisten, die mein fehlendes Rücklicht bemeckerten, sich aber immer mit „Oh, ist wohl grade erst passiert, tschuldigung Herr Komissar“ vertrösten ließen und noch so viel mehr. Beim Radfahren wird man nass und dreckig, aber es ist doch die beste Art, um vom Büro zum nächsten Büdchen zu kommen.

Leider ist das Büro nun eben etwas weiter weg und mein Rad zu alt, um täglich eine 5 Stunden Tour mitzumachen. Fitness und frische Luft tauschte ich darum gegen das Bahnfahren. Für das Vergnügen zwischen Menschen eingesperrt zu sein, die entweder nach Restalkohol oder zu starkem Parfüm riechen (wobei ich das nicht immer unterscheiden kann), zahle ich monatlich mehr, als für meinen letzten Wochenendtrip nach Berlin, Flug, Unterkunft und Frühstück eingerechnet! Entweder mache ich also viel zu günstig Urlaub oder die Bahn verarscht bin. Jajajajajaja, das Ticket ist ja für den ganzen Monat und nicht nur für einen Flug hin und zurück (und Apartment und Frühstück, im Café Marx in Kreuzberg mit dieser rieeeessssiiiggen Portion Rühreier und Kaffee und einem netten Kellner!). Apropos Personal, warum gibt es im Regionalexpress keine Sicherheitseinweisung? Wo sind die Schwimmwesten und wie wähle ich einen anderen Film? Vielleicht ist das in der ersten Klasse ja alles anders, das ist es ja immer…

Dabei habe ich, gemessen daran, wie viel dafür nun monatlich von meinem Konto abgeht, das Gefühl Premium zu zahlen und doch im Güter(tier)transport zu fahren. Vielleicht bin ich auch verwöhnt….ähh, nein bin ich nicht. Wer unglücklich mit seinem Verkehrsmittel ist, sollte sich nach anderen umsehen und tatsächlich könnte ich für gleiches Geld monatlich ein Auto leasen und den Sprit bezahlen… aber das will ich nicht, weil es jetzt schon zu viele Autos in der Stadt und auf den Straßen gibt. Dann bin ich auch, wie jetzt im Wagon, neben anderen Leuten eingesperrt und eben von mehr Blech umgeben. Nur Radfahren ist heute noch echte Freiheit! Selbst wenn man nass und dreckig wird!

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