Bis dass der Tot die Tinte ausbleichen lässt

immerabgelenkt_tattoo_be_happyEs gibt viele Möglichkeiten, sein Inneres nach Außen zu kehren, fern ab von Bulimie und Brechreiz-Erkrankungen.  Als Symbole für die Repräsentation des Ichs funktionieren Frisur und Kleidung und Körperbemalung. Die Indianer, die man eigentlich nicht Indianer nennen sollte, taten es, genauso wie Urvölker Afrikas, die man auf gar keinen Fall als Afrikaner bezeichnen sollte (denn wir sind ja auch nicht einfach Europäer oder Germanen oder oder…oh, verlassen wir das Glatteis lieber schnell, bevor jemand fällt und sich den Arm bricht…), und heute tun es irgendwie alle: Tinte auf Haut ist längst kein Merkmal für maritime Berufsausübung mehr. Wichtige Worte wie „life your dreams“ oder komische Bildchen sind gesellschaftsfähig. Und auch ich überlege im Moment ernsthaft, ob ich mir nicht ein paar weise Worte eintätowieren lassen sollte. Man vergisst ja so viel! Und ich werde auch nicht jünger und mit jedem neuen Jahr kriecht die Alzheimer-Diagnose näher und warum dann nicht direkt auf die Haut schreiben, was man nicht vergessen darf? Den Namen des Liebsten zum Beispiel oder Worte, die daran erinnern, wer man eigentlich mal werden wollte, damals, als man noch voller Ideale war.

Mein persönliches Problem mit Tattoos ist nur: Ich bin so schrecklich wechselhaft. Immerabgelenkt ist nun wirklich kein zufälliger Titel. Die Bloggerin Zartbitterdenken bezeichnete mich mal als „ADHS-Eichhörnchen“ und ich fühlte mich von dieser Titulierung sehr sehr geschmeichelt. Eichhörnchen sind schließlich süß! Nichts so süß wie Mini-Ziegen, aber immerhin! Apropos Mini-Ziegen, jedesmal wenn ich darüber nachdenke, ob ich mein Leben nun als Bloggerin, Autorin, PR-Beraterin, Kommunikationstante oder Webtexterin verbringen möchte, denke ich: „Irgendwann züchte ich Ziegen!“ Ich bin unentschlossen. Das ist nicht schlimm. Das ist Teil meiner Persönlichkeit. Irgendwann wurde mir bewusst, dass ich schwanke wie ein Schiff kurz vorm Kentern. In allen Lebensfragen. Ehrlich! Besonders vor der Eistheke. Schokolade? Vanille? Doch was gesundes, wie Jogurt? Oder Stracciatella? Oder Erdbeere? Nein, doch Schokolade. Oder? Oder?…Oder????? Oh gott, ich will ALLES! Und nichts davon. Wenn ich mich nicht entscheiden kann, dann entscheide ich einfach komplett dagegen. Ein schönes, dickes NEIN. Nein, eigentlich will ich kein Eis. Eigentlich will ich lieber eine Pommes. Japp, so bin ich, war ich immer. Das ist nicht schlimm. Das ist Individualität.

So eine Tätowierung ist auch was Individuelles. Doch leider auch etwas, das eine Entscheidung verlangt. Ich will eine. So weit ist meine Entschiedenheit schon. Aber was? Das ändert sich stündlich. Heute ist es noch das Copyright C auf dem Po, morgen der Satz „Scheib’s auf“ auf dem Arm und übermorgen will ich doch lieber ein Mischtier aus Rotkehlchen, Puma und Papagei auf dem Bein. Aber ein Tattoo ist was für die Ewigkeit. Wenn ich mir also eins stechen lasse, dann muss ich damit leben oder in naher Zukunft ins Gras beißen. So dachte ich zumindest! Und dann, dann meldete mir Amazon, dass es Permanent Tattoo Klebefolien zum Selberbedrucken gibt. Kein Schmerz und vor allem KEINE Entscheidung! Wunderbar! Ich druck mir jetzt: „ich will ein Tattoo aber nicht damit-Leben“ Aufkleber! Viva la Homeprinter! 

8 Gedanken zu “Bis dass der Tot die Tinte ausbleichen lässt

  1. Hach Mini Ziegen…ich liebe sie auch! Lass uns zusammen welche züchten!
    Genau daran scheitert meine Entscheidung für ein Tattoo übrigens auch immer. Ich kann mich einfach nicht entscheiden und immerhin muss ich dann ein Leben lang damit rumlaufen.
    Gerade Sprüche können sich mit der Zeit doch irgendwie…abnutzen oder man ändert seine Perspektive auf die Dinge und denkt plötzlich: Was für ein blöder Spruch…
    Ich glaube wenn ich mich irgendwann doch mal dazu entschließe, dann sollte es eine Art „Bild“ sein – also wie ein kleines Gemälde – und dann auf dem Rücken, da muss ich es mir, im Notfall, nicht immer ansehen 😉

  2. Genau darum habe ich meine Tattoos auf dem Rücken 😉 Ich muss sie nicht täglich sehen, ich weiß sie sind da und ich kann sie mir anschauen wenn ich es will mit Spiegeln.
    Angefangen habe ich mit einem kleinen Tattoo am oberen Rücken. Dem folgten nun weitere. Immer wenn ich wieder eine Idee hatte (und das Geld) wurde es eingearbeitet in das bereits vorhandene Bild.
    So entsteht nach und nach ein Gesamtbild und es erzählt für den Eingeweihten seine eigene Geschichte.

    • Den Teil mit der eigenen Geschichte finde ich so fabelhaft daran! Ich hätte gerne etwas, das mich an die Dinge erinnert, die mir jetzt wichtig sind/vorkommen..selbst wenn das später nicht mehr so ist, dann habe ich die Erinnerung über das Tattoo. Aber wenn ich dann für jede neue Ideologie ein neues Tattoo kriege, bin ich ganz schön bald ganz schön bunt. 🙂

      • Bei mir fing es im Urlaub an. Da hab ich mir ein „Souvenir“ stechen lassen. Und das ist es jetzt auch, ein wundervolles Souvenir. Das ich mal weniger oder mehr hübsch finde. Die Erinnerung allerdings ist immer schön 🙂

  3. Hach, ich will auch immer wieder mal Ziegen! Aber ich mag lieber Ziegenkäse machen – und da fällt mir gleich eine Geschichte dazu ein, die ich unbedingt gleich bloggen muss! Und die Folien sind auch supertoll, wenn man eins will, aber sich dann vorstellt, wie das ausschaut, wenn die Haut faltig ist ….

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