Ruhe bitte im Saal

Ich bastele gerade eine Seite für das Buch und bemerke dabei, was ich alles an Webseiten hasse. Ganz oben auf meine Liste, der Dinge, die mich eine Seite reflexartig, also in weniger als 3 Sekunden, verlassen lässt ist: MUSIK. Dimmdadidimm….und ich bin weg. Und das, obwohl ich sonst musikalisch echt tolerant bin. Wenn ein Song mit One-Two-Three-Four beginnt, haben mich die Stimmen aus dem Radio meist schon überzeugt. Im Internet aber mag ich es ruhig, in Bilder und Worten, rein visuell. Geräusche, die aus dem Computer kommen, nehme ich als Warngeräusche wahr. Wenn mein elektronisches Alterego mit mir über akustische Reize zu kommunizieren versucht, dann entweder, weil der Akku leer ist, mich mein kleines leuchtendes Gegenüber über Fehler XZY, der ALLE MEINE DATEIEN LÖSCHEN WIRD informieren will oder weil der Lüfter eine Zweitkarriere als Flugzeugturbine anstrebt, was ebenfalls im Absturz meines Systems enden wird. Töne aus der Zauberkiste bedeuten einfach nichts Gutes. Darum schrecke ich auch bei plötzlichen musikalischen Klängen auf, als wär der Feueralarm losgegangen.

13 Sekunden halte ich es auf einer Seite auf, die eine automatische Slideshow verwendet. Ich bin alt! Achtundzwanzig Jahre!!! Da braucht man ein paar Sekunden mehr, als 4 (!!!), um sich ein Bild anzusehen und es zu verstehen. Wenn dann noch Text über das Bild gelegt ist, schwankt mein Kopf zwischen Lesen und Gucken und bevor ich mich für eine der beiden Aktivitäten entscheiden konnte,….ist das Bild weg und ein neues da, mein ganz anderem Text und Kontext.  Und während ich noch „Boahh…ich war noch nicht fertig“ schreie, zieht man mir dieses Gericht auch schon wieder unter der Nase weg und stellt das nächste hin. Dieses Fast-Gucken mag ich genauso wenig wie Fast-Food.

Schöne Bilder, spannende Texte und die an oder andere nette Schriftart. Mehr brauch nicht. Ganz basic werde ich die Seite zusammenbasteln. … aber auch das braucht Zeit. Ein bisschen dauert’s noch, bis zur eigenen Seite für „Beziehungsstatus: Verliebt in facebook“, für Buch, eBook, Hörbuch und noch ein bisschen mehr.

5 Gedanken zu “Ruhe bitte im Saal

  1. Ich mag auch keinen Firlefanz und bilde mir ein, keinen zu haben. Das ist natürlich immer subjektiv (was ich wieder gut finde), darum ist es natürlich gut zu wissen, was andere dazu sagen. Ich habe keine Designerausbildung, sondern muss mich erstmal als mein Gefühl verlassen. Auch, was mir so an vorgefertigten Sache geboten wird, wenn ich programmieren wollte würde ich sicher nicht so eine Bloggerseite benutzen. Solange mir keine Rückmeldung gibt, bleibt erstmal das Gefühl…

    • Kitsch und Firlefanz en masse darf ja auch gern sein, wenn’s denn selbst gefällt und sicher finden sich auch andere, die das dann ganz wunderbar finden und sich freuen, wenn mal mehrer ihrer Sinne angesprochen werden. 🙂 Das Recht auf eigenen Geschmack besteht ja! Und das möchte ich auch niemandem nehmen, aber nachdem ich mich durch rund 1000 schöne Beispielseite geklickt hatte, war ich doch leicht traumatisiert. 🙂

  2. Warte noch fünf Jahre. In meinem Alter schmälert jedes (!!) noch so verwirrende Detail einer Internetseite meinen Stöbergenuss. Ich habe geschlagene zwei Monate gebraucht, bis ich mich mit einigen Werbeslide-Anzeigen auf diversen Shop-Portalen soweit anfreunden konnte, dass ich sie nicht sofort als heimtückischen Hackerangriff kategorisierte. Mein 11jähriger Sohn lacht mich wegen sowas aus. Die Jugend weiß Ruhe weder im Auge noch im Ohr zu schätzen, fürchte ich.

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