Beten für eine bessere Berufswelt

Der (potentielle) Arbeitgeber ist die höchste, gefürchteteste Autorität geworden. Das Fernsehen und schlaue Zeitungen warnen, im gleichen Tonus, wie einst die Prediger der Kirche, vor dem was passiert, wenn der mögliche zukünfigte Meister von unseren Internetsünden erfährt. Weil ich heute morgen mit einer Kollegin darüber sprach, musste ich mich den Rest des Tages fragen, was wir tun und lassen, aus Angst vor möglichen, eventuellen Arbeitsverhältnissen und auch, was wir bereit sind zu riskieren und zu opfern für einen Job.

In meinem engen Freundeskreis glaubt keine und keiner an Himmel und Hölle, die 7 Sünden haben wir bis zum 20. Geburtstag fröhlich durch geturnt und auch Gesetze sehen wir als gesellschaftliche Konstrukte an, die Opfer zu Tätern machen. Aber etwas macht uns Angst. Eine dunkle Wolke schwebt über uns. Eine Instanz lässt uns zögern, lässt uns Partyfotos wieder löschen, bringt uns dazu uns zu benehmen, gerade zu sitzen und nicht mehr Fuck und Scheiße zu sagen: Der/die mögliche ArbeitgeberIn. Wie Menschen sich einst nicht sicher waren, was Gott nun wirklich alles sieht und wie er/sie es bestrafen wird, so fragen wir uns nun bei jedem Tweet, Post und Blogbeitrag: Wird es sie/ihn gnädige stimmen, wenn er/sie über mein Schicksal urteilt? Oder versperre ich mir mit meinen Taten gerade die Rolltreppe in den Berufshimmel? Ist der mögliche Boss ein gütiger oder ein grausamer Boss?

Dabei ist es bizarr die mögliche Meinung einer möglichen Person in einer möglichen Zukunft zu imagieren. Wir geloben Flexibiltät und versprechen für einen Beruf in eine andere Stadt/ein anderes Land/auf einen anderen Planeten zu ziehen und alles weltliche (wie Freunde, Familie und den Liebsten, ja sogar den!!) und jede Überzeugung und Moral zurück zu lassen. Wir schwören Disziplin, verzichten auf Brot und Wein, wei wir healty Humankapital sein wollen. Gehen früh nach Hause, weil jede schlechte Note das Zeugnis versauen kann und damit den Berufseinstieg und damit das Leben und darum an UNS die Zukunft der gesamten Welt scheitert. Und dann plagen uns nachts Albträume, von den Googlesuchergebnissen zu unseren Namen. Und wir können keine Ablässe kaufen und keine Beichte reinigt unser Gewissen.

Da kann man wohl nur beten; nicht für den Job, für den man sich schon selbst an Kreuz nagelt, bevor man überhaupt eingestellt ist, aber für einen Reformator, der den Spuk beendet. Ach wozu beten, können wir auch grad selbst machen. Ich hol schonmal Hammer und Nagel.

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