Und dann trat ich dem DHL-Boten in die Autotür…

…und das war nicht mal das Ende meiner Paket-Odyssee. Aber die Geschichte hat doch ein Happy End. Ein verschwitztes, fluchendes Ende, bei dem gerade so doch keiner getötet wird, mit dem Minimum an Restfröhlichkeit, das ich nur aufbringen kann, weil Christopher Moore ein grotesk-geiler Gruselpoet ist.

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Aber zum Anfang der Geschichte. Wir leben im Jahr 2012. Wer ein Buch bestellen will, tut das via Internet, via Amazon und bekommt es dann via Postboten nach Hause geliefert. Doch schon hier kollidieren Werbetraumvorstellung und meine Realität. Der Postbote (das wird nicht gegendert, weil ich weiß, dass er ein ER ist. Ja!!! Ich weiß wie du aussiehst! Deswegen weiß ich auch, dass es dein Auto war!) ist schüchtern, oder ein Arschloch. Oder beides. Zumindest klingelt er nie bei mir, auch nicht wenn ich da bin. Kann auch daran liegen, dass ich im vierten Stock wohne. Aber ich würde ja sogar die Treppen runter kommen! Würde ich wirklich!! Wir können doch über alles reden!

Ohne Klingelton aber keine Kommunikation. Das von mir bestellte Buch landete also in einer Postfiliale. In irgendeiner. Nicht in meiner üblichen, die schickten mich 4 Kilometer weiter. Dort war grad Mittagspause. Nach dem Warten und dem Schlangestehen, wusste auch hier keiner was von mir und meinem Paket und die Dame – deren Hautton sich, wie bei Postangstellten wohl leider üblich, langsam farblich dem Interior, der alles andere als modernen Postfiliale, anpasste – tat das, wofür die Post bekannt ist: zurück schicken. Aber nicht mein Paket, sondern mich. Zurück zur Filiale A. Der Herr da, der ebenfalls langsam ausbleichte, gab mir nach dem Schlangestehe ein Zettelchen mit einer Nummer. Mein Paket könne er nicht finden. Sei nicht im System.

Am Telefon kam es dann zum Zweikampf mit der Computerstimme.

„Bitte sagen Sie, worum es sich handelt. Einen Brief? Ein Paket? Sonstiges?“

Ich: „Paket.“

„Ich konnte sie nicht verstehen. Bitte sagen Sie, worum es sich handelt. Einen Brief? Ein Paket? Sonstiges?“

Ich: „Paaaakeeett.“

„Ich konnte sie nicht verstehen. Bitte sagen Sie, worum es sich handelt. Einen Brief? Ein Paket? Sonstiges?“

Ich: P.A.K.E.T!!! Paket!!!!!!!

„Ich konnte sie nicht verstehen. Bitte sagen Sie, worum es sich handelt. Einen Brief? Ein Paket? Sonstiges?“

Ich: ALTER!!!!!!!!!!!

„Ich verbinde Sie mit unseren Servicemitarbeitern.“

Die Dame am Telefon, von der ich jetzt einfach mal annehme, dass sie genauso vergilbt ist, wie alle anderen PostlerInnen, die ich inzwischen kennengelernt habe, sächselte mir zu, dass das Paket ja ganz klar in Filiale C läge. Filiale C ist nochmal 4 Kilometer von mir weg, Richtung Norden. Filiale A ist umme Ecke, für Filiale B bin ich Richtung Westen geradelt.

Da C nur noch ne halbe Stunde aufhat, es ist ja Samstag, radele ich also los und dann passiert es. Das DHL Auto kommt mir entgegen. In der Kurve. Ich habe Vorfahrt, ich bleibe ja gerade und er biegt einfach ein. MEIN Postbote am Steuer! Und fährt mich fast um. Ich ziehe die Bremse, gehe fast über den Lenker und bleibe Milimeter vor der Fahrzeugseite stehen. Der Herr am Steuer ist wohl mal wieder zu schüchtern, um überhaupt wahrzunehmen, dass er mich fast getötet hätte. Und dann trat ich ihm in die Tür… er guckte kurz und fuhr mich dann fröhlich weiter um. Was auch immer Angestellte der Post verabreicht bekommen, um in jeder (JEDER!!!) Situation so gechillt zu bleiben, sie müssen es auf Nicht-Postwegen beziehen. Sonst wären sie längst auf dem Trockenen.

Filiale C wollte gerade zu machen, als ich ankam. ABER, der Herr, der sich als Postangestellter ausgab, was ich ihm nicht glaube, weil er 1. Nicht vergilbt war, 2. Lächelte und 3. Eine Ausnahme machte, ließ mich noch rein und hatte mein Paket! Mein Paket! Das neue Buch von Christpher Moore, Sacré Bleu!! Danke lieber kleiner Zaubertroll, der sicher gar nicht bei der Post arbeitet, sondern gerade dabei war den Postbank Tresor leerzuräumen. Danke! Danke! Danke!

4 Gedanken zu “Und dann trat ich dem DHL-Boten in die Autotür…

  1. Nach meinen bisherigen Erfahrungen mit der Post kann der Typ unmöglich bei der Post fest angestellt sein. Ich würde mich eher Deiner zuletzt formulierten Vermutung anschließen. Alles andere würde das gesamte „System Post“ komplett ad absurdum führen. Ganz sicher!

    Und was wollte DHL bei Dir zustellen, was nicht zugestellt werden konnte, weil Du ja gerade eine Sendung bei der Post selbst abholen musstest? ;o)

    • Merci! Merci! Für soviel Zuspruch. Und zugleich weiß ich nicht, ob’s nun besser ist, dass nicht nur ich betroffen bin, nach dem Motto (ich bin nicht allein!) oder ob das grade schlimm ist, weil dann ist das Problem doch ernster. oje oje. vielleicht brauchen wir eine Post-traumatische Selbsthilfegruppe

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