Kill Kony Kunstfilmchen

Ein Thema, ach was, ein Mann, ach was, ein Video weht durchs Netz. Und ich bin ganz begeistert. Ich mag Ästhetische Filmkunst, aufwändige Dramaturgie und Zoomeffekte, narrative wie auch visuelle. The Oscar goes to Kony 2012. Ganz sicher. Schönes Werk. Bisschen lang für meine Aufmerksamkeitsspanne, aber schön ausgeleuchtet, schöne Musik, die Darsteller könnte man verbessern, aber Angelina Jolie dreht wohl grad wieder wo anders und war nicht verfügbar. Vielleicht kriegen sie sie für die Fortsetzung. Bezahlen könnte man die Gage über das Merchandising. Das Konzept Kony scheint von Anfang an auf der Vermarktungsebene mitgeplant gewesen zu sein. Kony, das ist kurz und prägnant, eingängig, simpel. Kürzer als King Kong und weniger verwechslungsgefährdet als Osama. Und das Alliterationspotential!!!!!  

Kill Kony, das ist herrlich alliterarisch, das ist kurz, das passt auf T-Shirts. Die dann von Kinderhänden in Asien hergestellt werden, die dafür mies bezahlt werden. Asien, japp. Da leiden auch Kinder. Erwachsene übrigens auch, aber die funktionieren medial nicht so gut wie Kinder. Kinder garantieren Kassenerfolge. Kinder und Tiere. Beides zusammen ist ein Full House. Aber ich will den Filmemachern von Kony 2012 nicht ihre Fortsetzung spoilen, darum weg vom Kontinent im Osten, zu dem im Süden. Afrika. Das hatten wir seit der Fussball-WM schon wieder vergessen. Dabei ist das Land voller Probleme und Nöte, mit denen wir uns im Wohlstandswesten ein bisschen schlechtes Gewissen und damit Moral aneignen können. Wenn wir hier schon nicht leiden, dann können wir wenigstens für ‚die da unten‘ (im Süden, in der Hölle, am ARSCH!) mitleiden. Betroffen sein und uns der Illusion hingeben, dass wir doch noch mehr fühlen als die ständige Gier nach mehr. Wir hungern ja auch, zwischen Frühstück und Mittagessen, wir verstehen also die Probleme des Elends.

Wir teilen die experience! Jawohl! Und dann teilen wir das Kony 2012 Video und haben an der Veränderung teil. Slacktivism ist mehr Trend als tatsächlicher Aktioninismus und bezeichnet eben dieses Teilen und Teilhaben, eine Form des Weltverbessertums für Selbstverbessertum. Wunderbar. Genau meins. Ich kann gemütlich daheim vor dem Computer sitzen und zwischen meiner Soap, einer Email an meine Freundin und dem Newsletter von Zalando kurz politisch aktiv sein. Ach was. Noch mehr! In einer Art altruistischer Apathie lehne ich mich eine halbe Stunde zurück – Stream für die Soap muss eh noch vorladen – und kriege ein Bewusstsein verpasst. Ein Bewusstsein dafür, dass Kinder in Afrika meine Hilfe brauchen und das nicht nur zu Weihnachten. Und helfen kann ich, indem ich kurz nach der Bestellung meiner Schuhe ein paar Cent an die Videomacher überweise.

Karitativer Konsum kontra Kony. Oder kauf ich mir doch lieber noch die Kurzweste, die zu den Schuhen passt? Völkermord gibt’s morgen bestimmt auch noch, das Schnäppchen gilt nur heute!  Die Welt ist ja so ungerecht.  

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