Handgemachte Höhepunkte

Porno goes Do It Yourself kommt ja in den besten Familien vor und wurde früher an mehr oder minder sicheren Orten aufbewahrt. Dann kam das Internet und statt in den Safe stellten die Hobby-ExibitionistInnen ihre Videos Online. Parallel dazu entwickelten sich progressiv Partizipiationsoptionen für die Konsumenten von jugendfreien und jugendgefährdenden Internetinhalten. Der Verbraucher sorgte nun nicht mehr nur für Nachfrage, sondern auch für Angebote. Das funktionierte so lange, bis jemandem auffiel, dass Kapitalismus ohne Kohle nur halb so viel Spaß macht und die Jagd nach dem heiligen Gral, der Lösung, wie man Internetnutzer dazu bringen könnte, für vormals freie, besitzlose Güter Geld zu zahlen, war eröffnet.  Ein bisschen erinnert das an die Geschichte mit den Indianern, politisch-korrekt amerikanischen UreinwohnerInnen, denen man glänzenden Krempel für unbesitzbare Umwelt bot. Die UreinwohnerInnen dachten sich „Super Deal, Eins zu Null für uns, wir haben Geschenke, die haben nichts“, während Columbus und Co dachten „Super deal, Eins zu Null für uns, wir haben jetzt ihr Land und sie haben nichts“ und fingen an zu bauen und ihre Handelspartner umzubringen. Reklamationsmanagement op Kölsch, wer fot es, es fott.

Gute 500 Jahre später stehen wir in der freien Prärie des Netzes und wieder werden wirre Tauschhandel abgeschlossen. Via Rauchsignal erreichte mich nämlich der Link zu einer Crowdfunding Plattform für pornographierelevante Produkte. Crowdfunding ist erstmal clever und cool. Cool weil es neu ist und funky klingt und grad alle coolen Leute drüber reden, clever weil es ein Finanzierungsmodell für Produkte bietet, die es sonst nicht gegeben hätte und Kreativität nicht nur fördert, sondern belohnt. Der Traum von der Nicht-Mehr-Brotlosen-Kunst ist noch längst nicht ausgeträumt. Crowdfunding bringt Menschen mit Angeboten zu Menschen mit Nachfragen und so müssen wir in Netz und Realwelt nicht mehr alles selber machen. Mit der Webseite zum Crowdfunding von Erwachseneninhalten aber, machen Menschen bei Pornos mit, ohne mitzumachen. Gut, ganz untätig sitzen die Unterstützer dann vielleicht doch nicht vor ihren Computern. Aber es ist eben doch eine ganz neue Form des User Generated Contents. Ich bin gespannt für wen das Tauschgeschäft diesmal zu Rubel und Ruin führt.

PS: Den Link zur Webseite gebe ich an dieser Stelle nicht weiter, weil ich die „Erwachsenenindustrie“ nicht unterstütze möchte. Eine Form der Pornographie, die ich aber befürworte, findet ihr hier: http://bookshelfporn.com/

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