Liebesmaschine

Jetzt fängt Google auch schon damit an. Hat sich der Valentinstag als so unternehmensprofitabel bewährt, dass das Konzept jetzt von ALLEN und zwar wirklich ALLEN (!!!) adaptiert wird? Liebe zu Geld machen, mag das älteste Business sein, aber die aktuellen Praktiken sind nur mehr als verrucht.

Von allen Richtungen schallt es grade Liebesbekenntnisse, aber nicht von tatsächlichen Liebenden, von Romeos und jungen Werthern, sondern von Marken. Gaffel hat Plakate aufgehängt, auf die man noch selbst was kritzeln darf, bei McDonalds wird schon seit langem einfach ‚es‘ geliebt, ganz gleich was ‚es‘ ist oder woher es kommt und jetzt fragt auch noch Google „What do you love?“. Das Suchinterface WDYL (=What do you love) soll die Such-Experience revolutionieren, eine Symbiose aus News, Lexikon, Bilder, Video und sonstigem Multimedia-Content. Ganz neu, ganz multi, ganz mega. Ganz, ganz… alt. Denn genau so etwas nutze ich schon längst unter http://www.spezify.com. Letzterer Multi-level-Search-Engine war und ist übrigens, viel hübscher und liebenswerter, als das liebessüchtige Google. Und vor allem liefert es die Eigenschaft, die ich von einer Suchmaschine erwarte: Es konkretisiert – darum ja spezify.

Wenn mich Google fragt „Was ich liebe?“ gebe ich ein: in der Sonne liegen, ein spontanes Lächeln von einem fremden Menschen, frisch gewaschene Bettwäsche… Dinge, die man eben nicht mehr sucht, sondern in einer Form hat, vor allem in Gedanken und dem Herzen. Kommentare und Rezensionen zum neuen Googletool empfehlen Wörter wie Crime und Bacon zu suchen. Als angehende Vegetarierin stehen beide Begriffe für mich in einer Wechselbeziehung, die so gar kein positives Herzklopfen in mir weckt.

Wenn suchen gleichwertig ist mit lieben, bedeutet das dann, dass Liebe nur noch ein flüchtiges Gut ist. Ich googele täglich ca. hundert Begriffe, plus/minus zweitausend. Sollte ich nun auch so viele Menschen, Dinge, Dienstleistungen lieb haben? Und nach dem Google sie mir präsentiert hat direkt wieder vergessen? So wie ich das immer nach einer Googleabfrage mache? Und was passiert eigentlich wenn ich auf’s Googles Frage antworte: Die Liebe selbst?

Dann schlägt mir das große herzlose G vor: Translate love in 57 languages, Find books about love, watch films about love, measure popularity of love…

Aber Liebe finde ich so keine. Und überhaupt, wenn DAS heute Liebe ist, dann suche ich lieber weiter.

2 Gedanken zu “Liebesmaschine

  1. Guter Artikel.. Es ist sehr traurig, wie mit dem Begriff der Liebe umgegangen wird. Dabei bietet unsere Sprache so viele Möglichkeiten, sich differenziert auszudrücken. „Liebe“ meint man meistens wohl nicht.

    Danke, dass du mich auf spezify.com aufmerksam gemacht hast. Das kannte ich noch nicht – und bin jetzt total begeistert!

    • Vielleicht liegt’s dran, dass wir alle immer einsamer werden. Vielleicht liegt’s dran, dass Unternehmen Liebe als Kundenbindungsinstrument entdeckt haben. Vielleicht liegt’s am Zwang zum ständigen Superlativ. Mögen bedeutet nichts, es muss immer gleich Lieb sein. Immer! Bei Allem! Und zwar die Große! So richtig, mit Hubschrauber-Schmetterlingen…. zugegeben…superlative Liebe kann schon schön sein….nur halt nicht als Werbebotschaft.

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