Facebook fragt mich woran ich denke. An DICH!!!

Das Internet verändert uns. Das hat McLuhan schon lange bevor es das Internet gab erklärt. Woher er das damals schon wusste? Weil es eben immer so ist. Erst war da Sache mit dem Feuer und unser Verdauungssystem hat seine Tätigkeit umgestellt. Dann war da die Sache mit dem Rad und unser Körper hat sein Fortbewegungssystem umgestellt. Dann war da die Sache mit unserem Herzen und wir haben unseren facebook Beziehungsstatus umgestellt.

Ich bin im Netz über eine wunderbare Seite mit nie abgeschickten Liebesbriefen gestolpert: www.letterstochrushes.com.

Briefe, wie man sie in Kisten auf dem Dachboden unserer Eltern findet oder manchmal unter unserem Bett im alten Kinderzimmer, wenn wir doch mal wieder den Weg nach Hause finden. Die Seite ist großartig, weil die Briefe genau wie die, die in der Kiste liegen, nie ihren Empfänger erreichen. Das sollen sie auch überhaupt nicht. Weil ihr Inhalt sehr intim ist, verletztend oder einfach nur peinlich. Aber so was von. Ich bin sehr froh, dass es diese Seite gibt. Denn zu oft kommt es heute vor, dass unsere Herzen nicht deswegen anfangen wie wild zu rasen, weil wir an unseren „Crush“ denken, sondern weil wir gerade auf den Senden Button in unserem Email-Postfach oder unserem Facebook Nachrichten Bereich geklickt haben. Innerhalb von Millisekunden stellt sich die Welt komplett auf den Kopf und wir wollen durch den Datenkanal hindurchgreifen, in der Hoffnung die Nachricht doch noch rausfischen zu können. Früher ging das. Früher konnte man, wenn’s richtig übel war, Feuer im Briefkasten legen. Im digitalen Briefkasten ist das vergleichsweise kriminell, aber viel komplizierter. Mit McLuhans Einverständnis möchte ich deswegen mal behaupten, dieses Gefühl gab es früher so gar nicht. Sondern das ist Etwas, das zu uns Digital Natives gehört. Und da sind noch mehr solche Gefühle. Sämtliche der Briefe auf letterstochrushes drehen sich nämlich nicht so sehr, um den/die Angebetete(n), sondern um Facebook. Der kleine grüne Punkt im Chatfenster bringt Menschen an den Rand der Herzrhythmusstörung. Das Bild vom Psychopathen, der sein Zimmer mit Fotos und Texten von und über sein Opfer tapeziert, verliert in Zeiten von facebook seine Fragwürdigkeit, und vor allem seinen Genre-Bezug. Ist das nun ein Thriller, Horrorfilm, oder doch eine Liebesgeschichte? Ohne den, die andere zu kennen und ohne selbst mit Schere und Tesafilm aktiv zu werden, bekommen facebook-Nutzer einen fertigen Schrein vor die Nase gesetzt.

Und wir machen alle mit, weil wir anbeten und angebetet werden wollen. Pessimistisch könnte man jetzt behaupten, dass wir das Lieben verlernt haben, aber das stimmt nicht. Die Technologie hat unseren Herzschlag nicht ausgeschaltet, sondern den Rhythmus verändert. Es ist nur kompliziert geworden. Denn der Klick auf Senden, der kleine grüne Punkt im Chat, das plötzliche Erscheinen von Foto und Neuigkeit auf den Startseiten lassen die Absender der loveletters nicht kalt und die darüber sinnierende Leserin auch nicht. ABER solange dieses ‚stalken‘ uns eben zum heulen und lachen bringt, also Serotonin ausschüttet, hab ich das soziale emotionale Netz lieb.


 

 

Ein Gedanke zu “Facebook fragt mich woran ich denke. An DICH!!!

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