Langsam bin ich übersättigt, Zeit zum Überge(b)hen?

Eins der treibenden Maxime des kapitalistischen Miteinanders ist ja bekanntlich das Prinzip „Keeping Up with the Joneses“. Zu Deutsch: Das was der/die hat will ich auch, brauch ich auch, muss ich haben. Oder in vier Buchstaben: NEID. Über dessen Gesundheitswert wird sich gern und viel gestritten. Die einen verherrlichen ihn als Ehrgeiz und arbeiten, arbeiten, arbeiten, um kaufen, kaufen, kaufen zu können. Andere sagen er störe das innere Gleichgewicht und meditieren, wobei sie die Augen zu machen, damit sie nicht sehen, was der/die neben ihnen wieder tolles, neues hat. Dabei macht es für den persönlichen Umgang mit diesem Gefühl einen Unterschied, wer der/die Joneses ist/sind. Für Freunde freuen wir uns und gratulieren ihnen zu ihren ausgesprochen glücklichen Geschmack, ihrem erfolgreichen Einkauf, der Verbesserung ihrer Lebensqualität durch dies oder jenes Objekt. Meistens belassen wir es dann dabei. Aber nicht immer. Ich kenne Freundschaften, die daran zerbrochen sind, dass sich B, die Schuhe von A nachgekauft hat, die sie wiederum dem Modell in irgendeiner Frauenzeitschrift nachgekauft hat, das wiederum hat sie Schuhe gar nicht gekauft, sondern von einem großen Modeunternehmen geschenkt bekommen, damit sie nicht barfuß rumlaufen muss und sich noch verletzt. Glaub ihr nicht? Ja, ich auch nicht. Große Modeunternehmen sind nicht wirklich nett, die geben ihren Modellen ja nicht einmal etwas zu Essen. Warum dann aber Schuhe? Naja, Essen sieht man nicht, wenn es einmal im Körper verschwunden ist, Schuhe aber werden außen getragen und feuern so den Kaufanreiz ‚Neid‘ an.

Und weil facebook ja bei allem mit macht, macht es auch dabei mit. Erst interessiert, dann irritiert und jetzt indigniert entdeckte ich folgendes:

Ich kann dank der Foto-Tag-Funktion nun nicht mehr nur neidisch auf den gutaussehenden Kerl neben meiner Freundin sein, sondern auch auf alles was sich noch im Bild befindet. Und dann losgehen und mir das auch besorgen. Also die Klamotten, nicht den Mann. Leider. Selbstverständlich.

Für Unternehmen ist das bestimmt super, weil sie so ganz einfach mehr Aufmerksamkeit und vermutlich auch mehr Umsatz machen. Aber damit wird jedes Foto zu einer Werbeanzeige. Das gefällt mir nicht facebook. Das gefällt mir garnicht. Und statt Neid, verursacht diese Entwicklung bei mir Angst und sogar anti-kapitalistischem Sentiment. Vielleicht holt mich Hollywood ja zurück auf die dunkle Seite, ich schaue mir jetzt erst einmal den Film „The Joneses“ an. Nicht wegen den attraktiven Konsumgütern, sondern dem gutaussehenden Kerl daneben, David Duchovny. Wann facebook wohl die Methode Sex Sells implementiert?

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