Am Anfang schuf ich Himmel und Erde

Ich möchte von vorneherein warnen: dieser Text wird lang, richtig lang und er wird Fortsetzungen haben. Solltet ihr euch mental und emotional nicht in der Lage fühlen, das Warten, Bangen, Rätseln und Zweifeln zu ertragen, solltet ihr es einfach nicht aushalten, sondern wollt sofort wissen, wie es weitergeht. Dann empfehle ich jetzt hier aufzuhören und in den nächsten Tagen, wenn dann auch die Fortsetzung online ist wiederzukommen. Tschöö! Bis die Tage!

Willkommen zurück heute, am welchen-Tag-wir-auch-immer-grad-haben-mögen. Was zerriss mir nun also meine Beiträge und spaltete mein schöpferisches Schaffen in mehrere Teile? Was war die Wurzel einer kleinen Blogpost-Serie? a) Krieg b) Radioaktive Verstrahlung c) das Zusammenbrechen unseres Wirtschaftssystems d) Werbung. Antwort d natürlich. Was sonst. Ich hatte ja bereits angemerkt, dass mir gute Werbung lieber ist, als schlechtes Fernsehen. Und nun habe ich Werbung gefunden, die zwar weder gut noch schlecht ist, aber einen Nerv bei mir trifft, weil sie ein Phänomen aufgreift, das mir inzwischen den letzten Nerv raubt: Individualität. Das Damoklesschwert einer Generation, die Religion, Politik und die Suche nach dem Sinn des Lebens aufgegeben hat, um sich mit vollem Herzen dem Narzissmus zu widmen. Sich selbst nicht nur für Gottes Geschenk an die Welt, sondern für die eine, einzige wahre Gottheit überhaupt und sowieso zu halten, verursacht aber blöderweise ein paar grundlegende Probleme. Entweder man gibt den Monotheismus auf und akzeptiert, dass es mehr als einen von der eigenen Art gibt, oder man sucht nach Bestätigung für die eigene Einzigartigkeit. Früher hat man das gemacht, indem man sich jemanden anderes gesucht hat, dem man dann lauter negative Sachen nachsagte, um selbst besser dazustehen. Mit ‚früher‘ meine ich den Verlauf der Menschheitsgeschichte (Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Otherness und das Alles) und zugleich früher im Sandkasten (Die Nora ist doof!). Jetzt mit Liberalismus, political correctness und Co. schreiben wir die negativen Eigenarten nicht mehr den anderen zu, sondern uns selbst. Und tun dann so, als wären sie was Tolles, was Besonders, eben die „Macken, die uns einzigartig machen“. Und genau das greift die aktuelle Kampagne von Apollo-Optik auf. Da sagt eine wirklich gut, aber nicht einzigartig, sondern mainstream-ideal-perfekt-schlank-lange-beine-lange-haare-tolle-haut-das-komplett-packet-eben aussehende Frau: „Ich bin die, die auf der Rolltreppe liest.  …Ich bin die, die nie weiß, ob das Licht noch brennt. Ich bin die, die sich im Taxi umzieht. Ich bin die, für die diese Brille gemacht ist.“ (I’m paraphrasing. Kein wörtliches Zitat, ich hab was ausgelassen. Verklagt mich nicht.) Auf einem Poster sehen wir einen ebenfalls idealtypischen Kerl und die Copy: „Ich bin der, der seine Platten nach Farben sortiert.“ Ich möchte dazu aufrufen, dass der Kommentar eines Horizont-Lesers bitte in die Plakatkampagne implementiert wird: „Ich bin der, der sagt das dieser Spot Müll ist.“ High-Five!

Aber es gibt auch Kommentare, die den Spot nicht ‚verspotten‘ (hö!hö! Ja, ja, finde nur ich lustig. Wiedermal.), sondern loben. Der moderne Kunde/Konsument findet Macken nämlich nicht mehr anstrengend, sondern angesagt. Macken machen uns zu Marken, meine These. Drum scheinen Marotten auch als Legitimation und Kerninhalt des Bloggens obligatorisch zu sein. Sie sind ‚part and parcel‘ (wie die Amerikanistin sagt), wenn man zu Ruhm und Reichtum gelangen will. Das belegt zumindest mein Blick in die Listen der beliebtesten Blogs. Besonders gern gelesen wird nicht nur über Internet-Thema Nummer Eins „Sex“, sondern über Menschen die ihre Fehler nicht verbergen, sondern in ihrer ganzen Fülle ausbreiten und darin schwimmen gehen. Menschen mit komischen Berufen, komischen Hobbies und besonders gern Neurosen und Eigenarten. Das reicht von echten Krankheiten, wie allerlei Essstörung (Chew-and-Spit. WTF?? Essen ohne Schlucken!! Wie viele Leute da wohl landen, die eigentlich nach Pornographie gesucht haben? Hö!Hö! Ja, finde wieder nur ich lustig. Nicht komisch. Ja,ja,ja.), bis hin zum Faible für Fotos von Müsliflocken (da schau an, die sind auch alle einzigartig. Eine Parallele!). Individualismus funktioniert also. Und funktioniert über: Besonderheiten. Da mein Blog aber nun mal gerade das Weitverbeitete thematisiert, muss ich mir wohl auch einen Fimmel zulegen, wenn ich es hier zu was bringen will. Da ich mich aber außer Stande fühle allein zu entscheiden, was aus mir eine ‚Individuelle‘ machen könnte, habe ich eine zweite Meinung hinzugezogen:

….. Fortsetzung folgt….

2 Gedanken zu “Am Anfang schuf ich Himmel und Erde

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