Versprecher, Versprechen, Versprachlichungen

Hätten die ‚weisen, alten Herren‘, die ernsthaft den Glauben vertraten Frauen und Küche gehörten auf irgendeine biologisch begründete Art und Weise zusammen, mich noch erlebt, wären sie spätestens jetzt vom Glauben abgekommen. Ich kann mich denn und wenn notgedrungen dazu zwingen zu kochen und zu backen, und das Resultat ist je nach Rezept, Zutaten und Hungergrad wechselnd genießbar – oder zumindest verdaubar, meistens. – aber statt etwas ‚Natürlichem‘ gleicht das, was passiert, wenn ich und Herd zusammentreffen, meist eher einer Naturkatastrophe. Aber heute musste ich backen. Meine Chefin geht in den Ruhestand und ich habe bereits angekündigt Kekse mitzubringen. Und weil ich es nun schon angekündigt habe (Für die Zukunft UNBEDINGT merken: ‚Einfach mal die Klappe halten und nicht zu viel versprechen.‘ Ich schreib mir am besten gleich ein Post-It und häng es an den Herd.) steht nun vor mir, in einer hübschen Dose, das gar nicht hübsche krümelige kekskatastrophale Ergebnis von 2 Stunden Teig hauen und (aus)stechen.

Um mich von diesem Erlebnis zu erholen muss ich nun doch bloggen, auch wenn ich angekündigt hatte, mich bis nächsten Mittwoch hier nicht blicken zu lassen. (Für die Zukunft UNBEDINGT merken: ‚Klappe halten und nicht zu viel versprechen.‘ Diesen Fehler scheine ich ja wirklich oft zu begehen. Hm. Noch ein Post-It.) Aber nun zum Thema. Es gibt etwas zu feiern: Die Akronyme OMG und LOL haben es ins Oxford English Dictionary bzw. OED geschafft. Juhu! (Aber für diesen Anlass backe ich nichts. Auf keinen Fall. NW!)  Ich weiß einige Vertreter und selbsternannte Bewahrer der englischen Sprache rufen nun zum Widerstand auf. Aber diesmal bin ich ausnahmsweise nicht unter der Riege der Opposition. Auch wenn ich sie selten nutze, mag ich LOL, OMG, FYI, WTF und all ihre Geschwister, Brüder, Cousinen, Cousins und Freunde. Akronyme sind putzig-kitschige kleine Deko-Elemente der Netzwelt. Teelichtern nicht unähnlich, sind die kurzlebig und billig und können andere Formen Licht ins Dunkel unserer Kommunikationskanäle zu bringen nicht ersetzten, aber  hin und wieder nehmen wir sie doch mit und machen von ihnen Gebrauch. Aber nicht nur das, man kann auch noch was lernen. Nichts Sinnvolles, Lebensrelevantes, irgendwie Bedeutsames. Aber eben, naja, ‚was‘, nämlich ‚was‘ sie bedeuten. Und bei meiner kleinen Recherche zu diesem Thema stieß ich auf Abkürzungen, von denen ich weniger Ahnung habe, als vom Backen. Ja wirklich, noch weniger. Und beides werde ich wohl nie ganz verstehen oder gar erlernen. Wurde in meiner Jugend (wir erinnern uns: ich bin ja eine alte alpinaffine Frau) noch gekichert, wenn als Lösung einer Mathematikaufgabe 69 an der Tafel stand, gibt es inzwischen Akronyme für sämtliche sexuellen Praktiken und Hilfsmittel. Ein Beispiel: BOB = Battery Operated Boyfriend. Andere Schöpfungen der Netzwelt sind geraderechte „Aggronyme“, wie z.B. ESMF, das für Eat Shit Motherfucker stehen soll. Die Webseite http://www.netlingo.com/acronyms.php bietet eine ENDLOSE Liste, für all diejenigen, die sich einen Eindruck darüber verschaffen wollen, um was das OED vielleicht bald noch ergänzt wird. Neben den „Aggronymen“ finde ich hier auch viele echte „Ah-kronyme“. Wendungen, von denen ich noch niemals zuvor gelesen habe. Mein spontaner Favorit in dieser Sparte: BTWITIAILWU. Davon abgesehen, dass hier eine Liebeserklärung mit „Ach, nebenbei“ eingeleitet wird, ließe mich die sonstige Vielzahl von Aggronymen und mein persönlicher, angeborener und über die Jahre sorgsam kultivierter Pessimismus vieles vermuten, aber eben nicht: „By The Way I Think I Am In Love With You.“ Aber bei der Einschätzung der Gefühle meiner Gegenüber liege ich ja öfter mal daneben. Vermutlich ist das auch angeboren, wahrhaft biologisch, genau wie der Pessimismus und die Unfähigkeit Verköstigungstätigkeiten nachzugehen. Vielleicht sollte ich das ASAP mal genauer untersuchen. Wie auch immer, bzw. „WE“, in ihrer ganzen Fülle sind mir die Akronyme dann doch nicht mehr so sympathisch. Vielleicht justiere ich doch nochmal nach an meinem Fähnchen und beginne damit, dass ich mir eins der schönsten, erhaltungswürdigsten Wörter der englischen Sprache draufschreibe, für das es bei netlingo noch keine Abkürzung gibt. Ein Wort, dass die Komplexität der englischen Sprache präsentiert, wie kaum ein anders, voller Tiefsinn ist und sogar subtile, verruchte Anspielungen zulässt, und doch für so viel (SO VIEL!!!) mehr steht.  Meine Damen und Herren, Ladies und Gentleman, please conserve „Paraprosexia“.

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