Aus aktuellstem Anlass

Ich mache dem Titel dieses Blogs alle Ehre. Kaum hat man mir eine konkrete Aufgabe gegeben (Schreib doch mal was über Live-Ticker), schon verwandle ich mich in ein fleißiges Bienchen, das fröhlich umherschwirrend Überstunden im Job leistest, Freunden und Familie nun wieder mit ihrer vollen Aufmerksamkeit raten, tröstend und unterhaltend zur Seite steht, und darüber hinaus eine ganz eigene Rebellion plant. Apropos, die T-Shirts sind in Arbeit. Vermutlich gibt es hier demnächst eine Abstimmung, sobald ich es geschafft habe meine wirren höchst kreativen Ideen verständlich und grafisch umzusetzen. Nur das mit den Live-Tickern. Das schiebe ich nun seit Montag vor mir her. Aber jetzt, jawohl, jetzt, nur sechs Tage später, dank meiner immensen Selbst-Disziplin, ist es soweit. Jawohl. Naja. Gut, ich muss zugeben, dass ich mich heute nun doch damit beschäftige liegt zu großem Maße daran, dass ich dringend (!!!) für die nächsten Prüfungen Anfang April lernen müsste. Aber wie meinte schon ein großer Philosoph: „Das Ziel zählt mehr als der Weg.“ Alle anderen Versionen dieses Satzes sind Übersetzungsfehler. Ganz sicher. Ich hab Recht, immer, glaub mir einfach.

Nun aber ENDLICH zu den Live-Tickern, die sich als Spektakulärer erweisen, als ich zu Anfang dachte. Auf Rat des lieben Stephans hin, hat sich mein Browser mal auf den weiten Weg zum Nachrichtenportal n-tv.de gemacht. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir hierzu wirklich ein Urteil machen darf, weil ich dank eines zweitmonatigen Einblicks „hinter die Kulissen“ nicht mehr als objektive Beobachterin gelte. Aber ich urteile einfach trotzdem und fasse meine Erfahrungen zusammen mit: „woooow“. Macht euch gerne selbst ein Bild. Ich warte hier.

Zurück? Rundum informiert jetzt, darüber was in der Welt nun vor sich geht? Nein? Ich auch nicht. Aber darum geht’s bei Live-Tickern ja auch gar nicht. Live-Ticker sind masochistische Werkzeuge der Internetnachrichtenberichterstattung, Zwangsjacken für unsere eigentlich selbst koordinierbare  Zeit. War die Tagesschau noch pädagogisches Mittel, das uns absolute Pünktlichkeit in Bezug auf den Beginn des Feierabends lehrte, zwingt der Live-Ticker, wie mit Knüppel zur ständigen Aufmerksamkeit und Achtsamkeit. Schlauer werden wir von diesen brachialen Methoden nicht, aber gehorsamer. Immerhin. Dem, der das aktuelle Chaos in der Welt überblickt, bietet solch eine „zeitechte“ Berichterstattung nichts viel Neues. Denn im Gegensatz zum Sport, das Nachrichtenfeld aus dem dieses Stilmittel entstammt, kommt bei einem Krieg oder Erdbeben nicht nach 90 Minuten der Abpfiff. Denjenigen, die sich mit den Hintergründen des Weltgeschehens noch nicht vertraut gemacht haben, bietet der Live-Ticker auch nichts. Denn dem nützt die „Neuigkeit“ ohne Kontext wenig. Meistens zumindest. Nach Stuart Hall (Medien- und Kulturwissenschaftler, der das schöne Jamaica für das graue Großbritannien verlassen hat und trotzdem (!) von mir geschätzt und gern zitiert wird. Sollte ich ihn irgendwann treffen, erklär ich ihm das mit dem Feng Shui mal.)können Nachrichten nämlich nicht nur verständlich oder unverständlich sein, sondern auch missverständlich. So verkündet n-tv jetzt in diesem Moment (10.00Uhr), ganz live, aktuell und ich Farbe: „USA erwägt Waffenlieferung an Rebellen.“ Juhu! Obama druckt meine T-Shirts! Sehr gut. Damit wäre schonmal ein Problem aus der Welt.

Aber bevor ich nun mein Dankesschreiben an Obama verfasse, kann ich diesen Beitrag nicht beenden, ohne auch den Video-Live-Ticker von n-tv.de zu erwähnen. Denn hier bestätigt der Sender selbst nochmal wie unglaublich wichtig es ihm ist, die ZuschauerInnen mit den AKTUELLSTESTEN Informationen ever zu beliefern. So wichtig, das bevor wir erfahren, wie der Angriff verlief, wer vorne liegt, ob der Gegner aufholt oder abrüstet, ob das entscheidende Tor die nächste Bombe gefallen ist, gefühlte 90 Minuten Werbung ertragen müssen. Andererseits liefert dieser Spot, über die abführmitttelähnliche Wirkung habende Milchspeise, dem/der ein oder anderen ja vielleicht wirklich mal einen informativen Mehrwert. Gute Werbung ist immernoch besser, als schlechtes Programm.

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