Obligatorisch, aber obsolet

Der Countdown bis zur Prüfung läuft, noch sechs Tage bis zum Tag X. Und ich zweifle grade an meinen Fähigkeiten. Nicht an meinen kognitiven, nein, nein, ich werde schon was halbwegs schlüssiges, themenverwandtes zu Papier bringen. Das ist es nicht. Es ist viel mehr, das Papier selbst, vor dem meine Angst wächst. Denn gerade wurde mir bewusst, dass ich gezwungen sein werde 4 Stunden lang mit Zettel und Stift zu arbeiten. Und sonst nichts! Mal davon abgesehen, dass ich für gewöhnlich nur während meiner REM-Schlaf-Phase mal für eine so lange Zeit „offline“ bin – und auch dann Träume ich nicht selten davon Emails zu schreiben oder über Facebook zu kommunizieren. Ja traurig, aber wahr: In habe neulich in Form ihrer Profilbildchen von meinen Freunden geträumt. Das ist vielleicht der Moment, an dem ich mir eingestehen sollte, dass ich ein Problem habe. Tja, tu ich aber nicht. Denn ich habe ganz andere Probleme, viel größere! Nämlich neben der Tatsache, dass vier Stunden eine Ewigkeit sind, der Fakt, dass meine motorischen Fähigkeiten mit Zettel und Stift umzugehen in den letzten Jahren völlig verkümmert sind. Meine schon früher „saumäßig unleserliche Handschrift“(Zitat unter einer Klassenarbeit in der Oberstufe) ist inzwischen zu Hieroglyphen einer vermutlich nichtterrestrischen Spezies verkommen. Ich tippe mindestens doppelt so schnell, wie ich per Hand schreibe (und viermal so schnell wie ich denke). Darum befürchte ich nicht nur, dass die Endlosigkeit von vier Stunden dann letztlich doch nicht ausreichen wird, sondern noch viel mehr, dass ich schon nach wenigen Minuten mit Krampfanfällen in Hand und Arm zusammenbrechen werde.

Ich habe aus diesem Grund überlegt, ob es sinnvoll wäre, in den nächsten Tagen ein bisschen analog-schreiben zu üben. So als kleines back-to-the-roots-Abenteuer. Soll ich das Risiko eingehen? Schließlich besteht die Gefahr, dass ich dann schon vorher ernsthafte Verletzung erleide und ich während der Prüfung gar nicht schreiben kann. Andererseits läuft man auch nicht mal eben so einen Marathon.

Wie kann es überhaupt sein, dass ich im Jahr 2011 gezwungen bin mit solch mittelalterlichen Methoden wie Zettel und Stift arbeiten zu müssen? Nicht einmal der Typ, der die Bücher, die im Mittelpunkt meine Prüfung stehen,  geschrieben hat, hat noch so gearbeitet! Wieso wird mir das dann zugemutet? Im Jahr 2011. Zweitausendundelf!!! Es gibt Science-Fiction-Romane über diese Zeit, denen zu Folge wir jetzt eigentlich schon längst den Mars besiedeln, in Glasglockenwelten unter dem Meer leben und uns in Schwebefahrzeugen von A nach B bewegen! 2011! Das neue Jahrtausend! Das Post-Millennium! Und ich soll nur mit Zettel und Stift auskommen. Mannmannmann. Kein Wunder, dass die andere Hälfte der Science-Fiction-Literatur beschreibt, wie die Menschheit als Sklaven einer höher entwickelten Art endet, und letzte schreiben garantiert keine vierstündigen Klausuren mit Zettel und Stift!

Naja, ein kleiner Trost bleibt. Der arme Mensch, der mein Werk später entschlüsseln muss, wird die Fortschrittlichkeitsverweigerung der Universität ebenfalls verfluchen. Da bin ich mir sicher.

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