Über die Stupidität des Stupsens

Die digitale Welt bietet so viele schöne Möglichkeiten zur Kommunikation. Keine Tat – sei sie auch noch so irrelevant –, kein Gedanke –sei er auch noch so banal – der nicht in den globalen Kanal gepostet, gezwitschert oder geblogt wird, dieser Tage. Wir sind immer mittendrin im Gesehen, quasi hautnah dabei in der Katastrophe, mit den Knien im Sumpf, aber ganz ohne uns die Finger schmutzig zu machen. Wir können Demonstrieren ohne wirklich aktiv werden zu müssen – bequem zu Hause vom Sofa, Schreibtisch oder Bett aus und uns ganz auf das konzentrieren was wir am allerliebsten machen: mitreden! Und selbst wenn wir garnichts zu sagen haben, was uns meistens nicht davon abhält doch was zu sagen, aber für die Fälle, wo wir wirklich grad aus Mangels an Zeit und/oder Worten nichts von uns geben wollen/können, ja, für diese Fälle gibt es Klick-Kommunikationsformen wie „like“ und „anstupsen“. Letzteres betreibe ich seit kurzer Zeit in dem Exzess ähnelndem (Über-)Maße. Lange Zeit war mir diese Facebook-Funktion völlig unbekannt. Bis ich sie eines Tages entdeckte und ausprobierte und mich kurz darauf, dabei ertappte wie ich über eine Stunde damit verbummelte meine Kontakte nach Person zu durchforsten die ich anstupsen könnte und Personen zurück zu stupsen, die mich angestupst hatten – anstatt für meine Prüfung über Tim O’Briens Vietnam-Kriegs-Erzählungen zu lernen. Wo ich mich aber ja eigentlich, irgendwo in meinem tiefen Unterbewussten nun doch mit meinem Prüfungsthema beschäftigte, kam ich zu folgender spannender Überlegung:

 

Beim Durchforsten meiner sozialen Kontakte fielen mir nämlich auch einige Personen auf, die ich gerne vor einen Zug „stupsen“ würde, ins offene Messer, von einer Brücke, oder ins Meer (an einer ganz tiefen Stelle mit starkem Wellengang, und Haien). Ob ich den Betreibern des Netzwerkes mal schreiben sollte, ob sie das „anstupsen“ nicht um derartige Funktionen erweitern können? Und vielleicht kann dann auch gleich die Möglichkeit hinzugefügt werden jemanden „gemeinsam zu stupsen“ quasi als Equivalent für eine Schlägerei. Auf sie!!! Achja, aber die frohe Welt der sozialen Netzwerke kennt natürlich nur Freunde und würde dieses Verhalten nicht akzeptieren. Wobei wir bei einer brisanten These wären. Hierzu kurz eine einführende nicht ganz so brisante These: „Irgendwann gibt es nur noch Social Media.“ Das glaube ich wirklich. Denn inzwischen benutze ich facebook als Kommunikationskanal um mit dem Rest der Welt in Kontakt zu bleiben, zum Einkaufen, um mich über aktuelle Themen zu informieren, und und und. Ich glaube daher, dass das Netz langsam aber sicher in die Hand von facebook gleitet. Auf dieser These aufbauend nun die BRISANTE (!!!) These oder besser Frage: Sind wir dann irgendwann alle Freunde oder ist das Entwickeln von Anwendungen zur virtuellen (Nachbarschafts-)Kriegsführung der nächste Schritt?

Ich überlege jetzt schonmal wie ich mein Stupsen aufrüsten kann, also gleich, sobald ich ein paar Stunden für meine Prüfung gelernt hab.

 

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